Die Verantwortlichen der Uffizien fordern es zurück

Von Nazis geraubtes Gemälde wandert durch Südtirol

Mittwoch, 02. Januar 2019 | 17:13 Uhr

Bozen – Eike Schmidt, der Direktor der Uffizien in Florenz, versteht etwas von Bildersprache. Um seinem Appell Nachdruck zu verleihen, hat er eine Schwarzweiß-Reproduktion des berühmten Bildes „Vase mit Blumen“ vom niederländischen Maler Jan van Huysum im Palazzo Pitti angebracht – dort, wo eigentlich das Original hängen sollte. Das Kunstwerk, das von Nazis im 2. Weltkrieg gestohlen wurde, befindet sich derzeit im Gewahrsam einer deutschen Familie. Ein Detail am Rande: Nach dem Diebstahl machte das Ölgemälde auch Halt in Südtirol.

Das Wort „Gestohlen“ in drei Sprachen – auf Italienisch, Englisch und Deutsch – begleitet die Schwarzweiß-Reproduktion im Palazzo Pitti, die ursprünglich von der „Gebrüder Alinari“ Aktiengesellschaft in Florenz angefertigt wurde – dem nach eigenen Aussagen ältesten noch bestehenden fotografischen Unternehmen der Welt.

Bis 1943 hatte sich das Original des Gemäldes dort befunden, bevor es von Soldaten der Wehrmacht entwendet wurde.

„Wegen dieses Vorfalls, der den Bestand der Uffizien schwächt, sind die Wunden des 2. Weltkriegs und des Terrors der Nazis noch immer nicht verheilt. Deutschland sollte das Recht auf Verjährung für Kunst, die im Krieg geraubt wurde, abschaffen und es auf diese Weise ermöglichen, dass die Werke zu ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgelangen“, eröffnet Schmidt seinen Appell. Er hofft, dass noch innerhalb dieses Jahres das Gemälde nach Florenz gebracht wird.

Jan van Huysum, der von 1682 bis 1749 lebte, war ein niederländischer Maler, dessen Werke im 18. Jahrhundert sehr gefragt waren. Im reiferen Alter fing er an, Blumen- und Fruchtstücke zu malen, und zwar – anders als bisher – auf hellem Grund.

Seine Blumenstücke zeichnen sich durch außerordentliche Feinheit und Schmelz der Pinselführung aus und übertrafen in dieser Beziehung alles bisher Geleistete. Van Huysum malte gewöhnlich mit Insekten und Schmetterlingen belebte Sträuße von Tulpen, Hyazinthen, Rosen, Nelken, Mohn, Primeln und anderen Gartenblumen in Vasen auf Marmortischen und dazu Trauben, Pfirsiche, Vogelnester mit Eiern und Ähnliches.

Das 47 mal 35 Zentimeter große Ölgemälde gehörte seit 1824 zur Sammlung des Palazzo Pitti, nachdem es der lothringische Großherzog Leopold II für die eben gegründete „Galleria Palatina“ erworben hatte.

Als das Bild im Jahr 1943 in die Villa Bossi Pucci, die sich ebenfalls in Florenz befindet, verlegt wurde, geriet es gemeinsam mit anderen Kunstwerken in die Hände der Nazis und wurde anschließend in die Jaufenburg oberhalb von St. Leonhard in Passeier gebracht. Die Truhe, in denen sich das Gemälde befand, wurde dort geöffnet. In Deutschland verloren sich dann die Spuren.

Erst im Jahr 1991 – kurz nach der deutschen Wiedervereinigung – tauchte das Bild erneut auf. Seitdem traten mehrere Vermittler mit den italienischen Behörden in Kontakt und versuchten, eine Entschädigung für die Aushändigung des Gemäldes auszuhandeln. Für die Verantwortlichen in den Uffizien kommt das laut einem Bericht des Alto Adige aber nicht in Frage. „Das Bild gehört bereits dem italienischen Staat und ist deshalb weder veräußerlich noch käuflich“, heißt es.

Auch der Direktor der Uffizien, Eike Schmidt, der selbst Deutscher ist, lässt keinen Zweifel an seiner Einstellung offen. „Deutschland hat eine moralische Verpflichtung, das Kunstwerk unserem Museum zurückzugeben und ich hoffe, dass der deutsche Staat in der Lage ist, dies sobald wie möglich zu tun – ebenso wie im Fall von anderen Kunstwerken, die von der Wehrmacht geraubt wurden“, betont Schmidt.

Von: mk

Bezirk: Burggrafenamt

Kommentare

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24 Kommentare auf "Von Nazis geraubtes Gemälde wandert durch Südtirol"


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Staenkerer
18 Tage 8 h

tjo, des makellose deutschlond, des ba jeder gelegenheit mitn finger auf olle onderen zoag ….

NoComment
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Grünschnabel
18 Tage 28 Min

wer hot sel behauptet markellos? ober du bisch sicher der meinung dass deutsche und nazis dasselbe isch? dementsprechend müsstest du faschist sein?

peterle
peterle
Superredner
17 Tage 23 h

Nun wieder ein Fall welcher zeigt dass Deutschland den anderen EU Staaten gegenüber in der Pflicht steht. Es ist zwar Exportmeister im EU Binnenraum hat aber keinen Skuppel wenn es heisst alte Räubergeschichten aufzu arbeiten.

Tabernakel
17 Tage 14 h

Wewnn Du den Artikel richtig gelesen hättest dann wüsstest Du, dass das Gemälde in Ostdeutschland war. Das Land aus dem die Bundesrepublik über 17 Millionen Migranten aufgenommen hat. Mit Vollverpflegung und Rente.

berthu
berthu
Superredner
18 Tage 8 h

Dieser Krieg war ein grandioser(negativ), geplanter Raubzug von privaten und öffentlichen Schätzen. Gar einige Akteure haben sich reich gestoßen und sich ins Ausland abgesetzt. Da wäre noch viel gutzumachen.

Mikeman
Mikeman
Kinig
18 Tage 8 h

Mal schaun ob die der Pflicht nachkommen oder auch nicht 😳

Mikeman
Mikeman
Kinig
18 Tage 7 h

@ Staenkerer
Ganz verallgemeinern darf man das auch wieder nicht aber Überheblichkeit und Arroganz ist bei denen keine Seltenheit da hast Du vollkommen recht.

Savonarola
Savonarola
Universalgelehrter
18 Tage 3 h

die Umerziehungspolitik und Kniefallpädagogik zeigen Früchte.

Tabernakel
17 Tage 14 h

Gauland-Slang?

Italo
Italo
Grünschnabel
18 Tage 4 h

Und wieder zu die Nazis zrug

Dublin
Dublin
Kinig
18 Tage 6 h

…durch Südtirol kann man gut wandern…
🚶‍♂️🚶‍♀️

Karl
Karl
Superredner
17 Tage 18 h
Auch die Ital. Mafia wandert immer durch Südtirol wenn sie nach Deutschland geht um dort bei ihren Landsleute in deren Betriebe abzukassieren. Aber Spaß beiseite, welches Museum auf der ganzen Welt hält nur legal erworbene Ausstellungsstücke in seinem Sortiment? Zudem sind die heutigen Besitzer Privatpersonen und nicht der Deutsche Staat . Hier wird wieder einmal alles absichtlich durcheinandergebracht um die Lieblingsfeinde der Italos & Co anzuschwärzen. Wenn man in Italien behauptet die Deutschen essen täglich Kinder glaubt man das auch. Ich will damit nicht diesen feigen Raub in der Kriegszeit schönreden, sondern lediglich klarstellen wie die Lage in Wahrheit meist… Weiterlesen »
Tabernakel
17 Tage 14 h

Und die dumme staenkerer fällt sogar darauf herein!

elvira
elvira
Superredner
18 Tage 4 h

sel isch es wichtigste: dasses in südtirol holt gmocht hot

Savonarola
Savonarola
Universalgelehrter
18 Tage 2 h

ach ja, würden die Russen bitte auch ihr Raubgut, das seit Jahrzehnten in den KGB-Archiven verdreckt, zurückgeben? Danke.

krakatau
krakatau
Universalgelehrter
17 Tage 14 h

Savonarola – nicht nur die Russen sondern auch im besonderen die USA, England, Polen, Tschechoslowakei, Italien und hundert andere Länder

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
17 Tage 18 h

Das sollte doch kein Thema sein, wenn die Ansprüche ganz klar offenliegen.

Tabernakel
17 Tage 14 h

Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre.

Nichname
Nichname
Tratscher
17 Tage 17 h

Der deutsche Staat hat mit dem Fall nichts zu tun. Das Bild ist von einem Soldaten aus dem Lager in Passeier gestohlen worden, wo es die Wehrmacht vor den alliierten Bombenangriffen in Sicherheit gebracht hat. Alle anderen Bilder sind dadurch für Italien gerettet worden. Das gestohlene Bild ist natürlich zurückzugeben. Das ist für die jetzigen Besitzer, die es vermutlich im guten Glauben gekauft haben, natürlich unangenehm. Solche Fälle gibt es immer wieder, dieser Herr Schmidt will sich nur wichtig machen.

Tabernakel
17 Tage 14 h

Frage mich warum die Ossis nun eine Erpressung versuchen?

“Erst im Jahr 1991 – kurz nach der deutschen Wiedervereinigung – tauchte
das Bild erneut auf. Seitdem traten mehrere Vermittler mit den
italienischen Behörden in Kontakt und versuchten, eine Entschädigung für
die Aushändigung des Gemäldes auszuhandeln.”

krakatau
krakatau
Universalgelehrter
17 Tage 14 h

Ich hoffe es werden  a l l e geraubten Sachen  zurückgegeben nicht nur einseitig

krakatau
krakatau
Universalgelehrter
13 Tage 7 h

ein einziger ist dafür dass geraubte Sachen zurückgegeben werden, fünf sind dagegen, das lässt tief blicken und zeigt welche Mentalität wir heute haben

Server
Server
Grünschnabel
17 Tage 11 h

Alle Achtung! Der Mann hat Rafinesse und Chuzpe!
Wenn man bedenkt, wieviele Kuntwerke und auch Bücher vernichtet wurden und aus dem Weltkulturerbe verschwunden sind, wäre es eine schöne Geste, die noch
erhaltenen der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung zu stellen.

krakatau
krakatau
Universalgelehrter
13 Tage 7 h

Und wie viel geraubtes geht  und ging von Deutschland in die ganze Welt >?

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