Von: apa
Bei angenehmen Temperaturen ist am Freitag das Donauinselfest in seine 43. Ausgabe gestartet. Als Headliner der Hauptbühne zog der Deutschpop-Rapper Zartmann am späteren Freitagabend die Massen an. Insgesamt bietet das dreitägige Open-Air-Festival noch bis Sonntag Musik- und Unterhaltungsprogramm bei freiem Eintritt.
Der Berliner Zartmann, Jahrgang 1998, setzte auf einen effektvollen Start und ließ einen XXL-Vorhang, der über die gesamte Bühnenbreite gespannt war, herabfallen, um zeitgleich vor einem hektischen Scheinwerfergeblitze seinen Opener “Meinen die uns” anzustimmen. Bei Song drei – das mit Ski Aggu aufgenommene “Wie du manchmal fehlst” – zeigte sich der Sänger das erste von mehreren Malen überwältigt von den Menschenmassen, die tatsächlich das gesamte Festbühnengelände einnahmen. Vor allem bei den ruhigeren Nummern aus dem insgesamt tendenziell vernuschelt-gefühligen Zartmann’schen Schaffen schien das Publikum aber zusehends abzudriften, wenn man den allgemeinen Quatschpegel als Gradmesser nimmt. Spätestens mit seinem größten Hit “Tau mich auf” fing der Barde seine Gefolgschaft dann doch wieder ein. Ein später Höhepunkt einer über weite Strecken doch eher lahmen Angelegenheit.
Schock-Rock und Grusel-Make-up als Kontrastprogramm
Gewissermaßen das Gegenprogramm zum sehr zarten Zartmann lieferte zeitgleich das Line-up auf der nur fünf Gehminuten entfernten Rockbühne, wo am Freitag zur späteren Stunde Make-up hoch im Kurs stand. Die Bloodsucking Zombies from Outer Space traten kreidebleich vor die stattliche Menge. Die Wiener Horror-Rocker sorgten mit einem Fledermaus-Kontrabass und eingängigen Songs ausgerüstet für gute Stimmung.
Von dieser profitierten dann auch Avatar. Die Schweden rund um den zum wenig vertrauenserweckenden Clown geschminkten Sänger Johannes Eckerström haben sich in Wien eine ordentliche Fanschar aufgebaut, die sie bereits im Vorjahr als Vorband für Iron Maiden im Ernst-Happel-Stadion und im März als Hauptact im Gasometer feierte. Auch am Donauinselfest hatte die Metal-Gruppe die Menge mit sympathisch-wahnsinnigen Ansagen, Groove-Walzen wie “Torn apart” und “Hail the Apokalypse” oder auch dem leichtfüßigen “The Dirt I’m Buried In” fest im Griff.
Mit Giant Rooks und My Ugly Clementine in den Abend
Auf der Hauptbühne gab man es indes auch vor Zartmann eher softer. Giant Rooks sorgten mit ihrem melodieverliebten Indiepop für Begeisterung. Wie gefragt die fünfköpfige Band aus Deutschland derzeit ist, zeigt ein Blick in den Tourkalender. Im Sommer hauptsächlich in und rund um Deutschland unterwegs, geht es ab November dann für mehrere Gigs in die USA und Kanada sowie nach Südamerika – namentlich nach Brasilien, Peru, Chile und Argentinien. Fest steht, dass das Quintett mit seinem energiegeladenen Auftritt – aktueller Sommerhit “Want it back” inklusive – am Eiland schon einmal erfolgreich die Werbetrommel für ihr Wien-Konzert am 3. Oktober im Gasometer rührte.
Schon Anfang September kommt das neue Album “Apply Autonomy” von My Ugly Clementine heraus. Das heimische Trio aus Sophie Lindinger, Mira Lu Kovacs und Nastasja Ronck sorgte am frühen Abend erstmals für regen Zustrom zur Festbühne. Die Indie-Rockerinnen – allesamt Schwarz-Weiß gewandet – starteten ihren Gig gleich mit den Hits “Playground” und Who”, brachten mit “The Pretender” oder “You Won” aber auch einen Vorgeschmack auf besagte neue Platte mit. Rockstarposen bekam das reichlich herbeigeströmte Publikum ebenso wie “Gitarrenbrutzeln”, womit Kovacs die dröhnenden Spielereien mit Verstärker und Verzerrer beschrieb. Die Anlage war einigermaßen gefordert.
Sonne, Staub und SPÖ
Das Inselpublikum selbst brutzelte den ganzen Tag über insofern weniger, als das überwiegend sonnige Wetter angenehm wohltemperiert war – auch dank Böen, die einem allerdings den Bodenstaub zum Teil recht ordentlich um die Ohren bzw. in die Augen bliesen.
Schon am frühen Nachmittag drehten traditionsgemäß die SPÖ-Granden von Parteichef Andreas Babler und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig abwärts auf der Arbeitsinsel ihre Runde. Ludwig zeigte sich im APA-Gespräch durchaus happy, dass die Hitzewelle noch rechtzeitig zu Ende gegangen war, betonte aber gleichzeitig, dass die Open-Air-Party auch bei 40 Grad durchgeführt hätte werden können: “Eigentlich ist Sturm das Gefährlichste.” Trotz der finanziellen Herausforderungen – Stichwort steigende Kosten bei gleichzeitigem Spardruck – wolle man an der Grundidee des Festes festhalten und “Kultur für alle” bieten, wollte der Bürgermeister nicht an merkbare Redimensionierungen in naher Zukunft denken.
Am Samstag und Sonntag geht’s weiter
Beim heurigen Fest gibt es auf dem 4,5 Kilometer langen Festgelände insgesamt 14 Bühnen. Und auf diesen setzt man auch am Samstag und Sonntag auf eine möglichst breite Geschmackspalette. Pop von Katrina – vormals Sängerin der Waves (“Walking On Sunshine”) -, Ex-STS-ler Gert Steinbäcker oder Nico Santos, harte Kost von Airbourne oder der Mittelalter-Metall-Truppe Feuerschwanz, regionale Qualitätsware von Sodl, Endless Wellness oder Kollegium Kalksburg, Austroschlager von den Jungen Zillertalern bis Jazz Gitti oder Kabaretteinlagen von Michael Bauer alias Heidelbeerhugo bis “Tagespresse”-Chef Fritz Jergitsch sind nur einige der Acts, zwischen denen die Insulaner die Qual der Wahl haben.
(Von Thomas Rieder und Lukas Wodicka/APA)
(S E R V I C E – https://donauinselfest.at/ )




Aktuell sind 4 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen