Von: APA/dpa
In “Faltenfrei” spielte Adele Neuhauser eine alternde Diva, in “Ungeschminkt” eine Transfrau. Nun ist die Schauspielerin in “Makellos – Eine kurze Welle des Glücks” als Chefin eines Münchner Trachtengeschäfts zu sehen: Constanze geht ihrem Mann fremd – mit einem deutlich jüngeren Callboy, gespielt von Manuel Rubey. Daher war der Dreh auch eine Herausforderung für die Darstellerin. Zu sehen am 11. März auf ORF 2 (20.15 Uhr) und 24 Stunden im Voraus auf ORF On abrufbar.
Gerade bei den intimen Szenen sei sie als Schauspielerin und persönlich gefordert gewesen, erzählte Neuhauser der Deutschen Presse-Agentur: “Meine Scham zu überwinden und wie weit will und muss ich wirklich gehen?” Im Team mit Regisseur Dirk Kummer und Rubey hätten sie besprochen, mit diesen Szenen sehr sensibel und sparsam umzugehen – und nur bedingt bis in die letzte Konsequenz zu gehen. “Weil mehr brauchen wir auch nicht zu sehen”, sagte sie. “Wir wissen schon, wie es geht.” Die Szenen seien aber wichtig gewesen, so Neuhauser. “Kaum ein 67-jähriger Körper ist makellos und man braucht sich auch nicht dafür zu schämen.”
Sie wolle an Sehgewohnheiten kratzen, sagt Neuhauser: “Das muss auch möglich sein. Also nicht, dass wir ältere Frauen uns jetzt alle einen bezahlten Callboy engagieren sollten, sondern dass wir uns als Gesellschaft einfach erlauben, dass ältere Frauen auch noch körperliche Bedürfnisse haben dürfen.”
Der Film thematisiert weit mehr
Der Film thematisiert aber weit mehr als den körperlichen Aspekt: Constanze spürt sich nicht mehr, fühlt sich von ihrem Mann nach vielen Ehejahren nicht mehr gesehen, hat aber Sehnsüchte. “Ich glaube, da finden sich viele Menschen wieder”, sagte Neuhauser. “Oft weiß man nicht, warum man unzufrieden ist, weil man über viele Jahre – das kennen sicher viele, die in einer längeren Beziehung leben – irgendwann in eine Normalität in der Beziehung kommt. Und glaubt, man kennt sich in jeder Form des Lebens und braucht eh nicht mehr groß darüber zu reden.”
Drehbuchautor Uli Brée wollte laut Presseheft eine ältere Frau mit Bedürfnissen nach Liebe, Nähe und Sichtbarkeit erzählen, “die sich all das nimmt, wenn es ihr verwehrt wird”. Die sich nicht in ihr Ehe-Schicksal füge. “Ich denke, es gibt so einen Punkt im Leben, wo man sich fragen kann: Betrüge ich mich, oder betrüge ich dich? Wenn ich dir treu bleibe, bleibe ich dann auch mir treu?”
Als Constanze ihren Mann (Ulrich Noethen) fragt, ob er sie noch attraktiv finde, seufzt der bloß. Bei den ersten Treffen mit dem Escort ist sie wiederum unsicher: “Sie denken sich nicht: Oh Gott, wie peinlich. Die alte Schachtel muss sich einen Lover kaufen, weil freiwillig geht mit der sicher keiner mehr ins Bett.”
Romantische Tragikomödie
So verwundert es auch nicht, dass sie erst mal enttäuscht ist: “Diese Leute machen das für Geld”, sagt Constanze ihrer Freundin, die ihr zu dem erotischen Experiment geraten hatte. “Die gaukeln einem genau das vor, was man hören will. Aber das, was ich fühlen will, das kann ich nicht kaufen.” Mit der Zeit jedoch werden die Treffen der beiden intimer, die Gespräche berührender. Neuhauser spricht von einer romantischen Tragikomödie. Denn das Ganze kippt: Plötzlich werden Constanze und ihr Mann mit Fotos und Videos erpresst. So entwickelt sich daraus auch noch ein kleiner Krimi.
Für die Filme “Faltenfrei” und “Ungeschminkt” war dasselbe Team verantwortlich. Beide sind auf ORF On abrufbar. Aus Sicht von Regisseur Kummer zeigt die Reihe die Wandlungsfähigkeit Neuhausers. Die Schauspielerin habe die wechselnden Hauptfiguren mit so viel Fantasie und Liebe ausgefüllt, schwärmt er im Presseheft.
Ältere Frauen sichtbar zu machen, ist Neuhauser nach eigenen Worten ein Anliegen. Da sei noch Luft nach oben. Frauen zwischen 40 und 60 hätten eine “Wüstenzeit” vor sich, sagt sie gar. “Es braucht mehr Offenheit”, fordert die Schauspielerin. “Und da haben wir als Filmschaffende auch die Pflicht, uns in diesen Themen zu stellen. Also dass wir Sehgewohnheiten und Gewohnheiten, rein gesellschaftlich, auch ein bisschen hinterfragen.”




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