Charli XCX liefert ihren Fans neue Musik

Charli XCX veröffentlicht neues Album “Music, Fashion, Film”

Dienstag, 21. Juli 2026 | 10:48 Uhr

Von: APA/dpa

Es gibt kaum einen Popstar, der das Spiel von Selbstinszenierung zwischen Internethype, Ironie und künstlerischem Anspruch so beherrscht wie Charli XCX. Mit ihrem Album “Brat” aus 2024 hat sie einen Sommer lang die Pop- und Internetkultur geprägt. Gleichzeitig wirkt sie mit ihrer coolen Art wie ein Anti-Popstar fernab von Hochglanz. Sie inszeniert sich als Partygirl, kommentiert dieses Image aber auf einer Metaebene selbst. Nun erscheint die Platte “Music, Fashion, Film”.

Passenderweise hat die 33-jährige Britin auf dem Cover des Albums, das am Freitag, 24. Juli, erscheint den Musiker John Cale, Designer Marc Jacobs und Regie-Größe Martin Scorsese versammelt, wohl auch als Anspielung auf ihre Interessen fernab der Popmusik. Doch dazu später mehr. Charli XCX ist Anfang der 2010er-Jahre mit Hits wie “Break the Rules” und “Boom Clap” bekannt geworden. Zuletzt stand sie vor allem für einen Mix aus Hyperpop und tanzbarem Electro. Die bisher veröffentlichten Songs aus dem neuen Album klingen dagegen rockiger und lauter mit rauen Gitarren-Sounds.

Charli XCX als das “menschgewordene Internet”

Doch das überrascht nicht. Es reiht sich ein in eine Gewohnheit der Sängerin, ihren Sound neu zu erfinden und so auch die (virale) Diskussion über sich selbst am Laufen zu halten. Der “Spiegel” schrieb vor zwei Jahren, Charli XCX sei seit dem Anfang ihrer Karriere das “menschgewordene Internet”, sie beherrsche die Kunst, “das Netz ins echte Leben zu übersetzen und für sich zu nutzen”.

Wie sehr das zutrifft, zeigt der Trubel rund um das “Brat”-Album. Kurzer Rückblick: Die Britin, die mit dem Schlagzeuger George Daniel der Band The 1975 verheiratet ist, hatte damals mit dem Titel ihres sechsten Studioalbums einen Trend ausgelöst.

“Brat” zum Leben erweckt und wieder beerdigt

“Brat” bedeutet so viel wie “Göre”. Die Idee dahinter: Machen, was man will, egal, was andere denken. Eine Art Gegentrend zur übertriebenen “Clean-Girl-Ästhetik”. In einem BBC-Interview sagte sie dazu, man brauche eigentlich nur ein Top ohne BH, ein Feuerzeug und eine Packung Zigaretten, um “Brat” zu sein.

Der Begriff wurde in ihrer Heimat Großbritannien damals vom Collins Dictionary zum Wort des Jahres gekürt. Das giftgrüne Cover wurde zum Vorbild für Memes und Mode. Sogar das Team um die damalige US-Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris sprang auf die virale Welle auf.

Natürlich hätte Charli XCX, die mit bürgerlichem Namen Charlotte Emma Aitchison heißt, den “Brat”-Sommer einfach noch weiter laufenlassen oder gar ihr neues Album in der Tradition fortsetzen können. Doch: Stattdessen inszenierte sie das Ende des Hypes gleich selbst. In der selbstironischen Satire “The Moment”, in der sie eine überzeichnete Version von sich selbst spielt – einen Popstar in der Sinnkrise -, erklärte sie “Brat” dieses Jahr für beendet.

Dem “Rolling Stone”-Magazin sagte sie, es sei für sie kreativ nicht befriedigend, zweimal dasselbe zu machen. “Alle meine Alben spielen mit Gegensätzen”. Sie stünden im Widerspruch zueinander. Genau das sei das verbindende Element. Nun also ein Rockalbum? Obwohl der erste ausgekoppelte Song “Rock Music” heißt, erklärte sie im “Rolling Stone”-Interview weiter, sie habe nie behauptet, ein Rockalbum zu machen – und dass sie es sehr altmodisch findet, Musik auf Genres festzulegen.

“Ich denke, die Tanzfläche ist tot”

Doch jener Song hat unbestreitbar einen rockigeren Sound mit Drums und verzerrten Gitarren. Das Musikvideo spielt mit Rock-‘n’-Roll-Klischees. Charli XCX wirft zum Beispiel einen Fernseher aus dem Fenster oder steht inmitten von Bergen aus Zigarettenstummeln.

Dort beschwört sie auch das Ende der Tanzfläche: “I think the dance floor is dead/ So now we’re making rock music” (“Ich denke, die Tanzfläche ist tot, also machen wir jetzt Rockmusik”). Dem “Rolling Stone” sagte sie, die viel diskutierte Zeile befasse sich sehr viel mit ihrer Beziehung zu “Brat” und ihrer persönlichen Erfahrung mit dem Album, sei aber nicht als Kritik an Dance-Musik gemeint.

“Music, Fashion, Film” klingt wie ein Selbstporträt

Der Albumtitel “Music, Fashion, Film” klingt jedenfalls wie eine Art Selbstporträt und beschreibt eigentlich ziemlich treffend das, was die Künstlerin abseits ihrer Musik interessant macht. Sie ist nicht nur eine versierte Songwriterin, die unter anderem Songs für Camila Cabello und Selena Gomez geschrieben hat oder den Soundtrack zum Film “Wuthering Heights” beisteuerte.

Sie ist auch leidenschaftliche Cineastin, etwa ein großer Fan des deutschen Filmemachers Werner Herzog und aktive Nutzerin der Plattform Letterboxd, bei der man Filme bewerten kann. Beim Thema Mode redet sie ebenfalls gerne mit. Ihre eigenwilligen, edgy Outfits sind für viele ein Stil-Vorbild.

(Von Sabrina Szameitat/dpa)

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