Andreas Vitásek feiert heuer auch sein 45-jähriges Bühnenjubiläum

Ein Großer der Kleinkunst: Andreas Vitásek ist 70

Freitag, 01. Mai 2026 | 10:38 Uhr

Von: apa

Es gibt die Anekdote über seinen Vater, der dem kleinen Andi aus Wien-Favoriten versichert habe, die unter dem Fenster vorbeiziehende Menschenschar gratuliere ihm mit roten Fahnen zum Geburtstag. Inzwischen weiß es Andreas Vitásek wohl besser. Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, feiert der Kabarettist, Schauspieler, Intendant und Buchautor seinen 70er – und schenkt sich zum Runden ein neues Programm, das am 1. August Premiere feiert. Voraufführungen laufen bereits.

“Wie es mir gefällt”, nennt Vitásek sein Solo, mit dem er zugleich sein 45. Bühnenjubiläum feiert und das am 1. August in Güssing seine offizielle Premiere feiern wird. Darin spielt er nicht nur Ausgewähltes aus bisherigen Programmen, sondern “mischt Altbewährtes mit brandneuem Material, improvisiert, streut Theaterszenen ein und liest noch nie gespielte Texte”, wie es im Ankündigungstext heißt. Kein Abend soll dem anderen gleichen, lautet die Vorgabe, die sich der Kleinkunst-Veteran selbst auferlegt hat.

Seit den 80ern eine prägende Figur des heimischen Kabaretts

Seit den 80er-Jahren und mit seinen bisher rund eineinhalb Dutzend Programmen ist Vitásek einer der prägendsten Vertreter des österreichischen Kabaretts. Dabei hätte auch alles anders kommen können. Denn als Teenager war der spätere Künstler gewissermaßen mit einem Fuß im Kriminal, wie er in seinem vor vier Jahren erschienenen “Selbstporträt” mit dem Titel “Ich bin der Andere” schreibt. “Ein Aufenthalt im Jugendgefängnis hätte mein Leben wohl stark verändert. Damals war ich an der Kippe. Das hätte wirklich schlimm ausgehen können”, blickte er im APA-Gespräch auf diese wilde Jugendzeit im 10. Bezirk inklusive Schaufenstereinbrüchen zurück. Aber glücklicherweise kratzte Vitásek die Kurve und schlug den Weg des (Klein-)Künstlers ein.

22 Jahre war der damalige Student der Theaterwissenschaft und Germanistik alt, als er 1978 vom grauen Wien ins schillernde Paris übersiedelte, um dort zwei Jahre lang die Theaterschule von Jacques Lecoq zu besuchen. Zurück in seiner Heimatstadt wollte er eigentlich zum Theater, bekam aber nur Absagen. “Weil ich aber irgendwie überleben musste, habe ich mit Solokabarett begonnen. Der Erfolg hat mich bestärkt, dabei zu bleiben”, erzählte er einmal der APA.

Vom “Sekundenschlaf” bis zu “Herr Karl”

1981 debütierte Vitásek mit “Spastic Slapstik”. Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte folgten etwa “Was bisher geschah” (1987), “Unterwegs” (1993), “Doppelgänger” (2002), “39,2° – ein Fiebermonolog” (2010) oder “Austrophobia” (2018). Mit seinem bis dato letzten Programm “Spätlese” aus 2023 ist er immer noch unterwegs. Und auch darin hat “Zippe-zappe” ihren Auftritt – jene legendäre Tod-Handpuppe, die den Humoristen und sein Publikum seit vielen Jahren begleitet. Gefragt nach seinen persönlichen Favoriten im eigenen Werkkatalog, hat Vitásek einmal “My Generation” (2006) und “Sekundenschlaf” (2013) genannt. Kein Wunder, hat er doch genau für diese beiden Programme jeweils den Österreichischen Kabarettpreis abgestaubt.

Neben Pointen aus eigener Feder hat der gebürtige Wiener und Wahl-Südburgenländer zwischendurch auch andere Größen des Metiers gewürdigt. 2016 widmete er etwa dem im Jahr 2000 verstorbenen Otto Grünmandl mit ausgewählten Texten eine Hommage unter dem Titel “Grünmandl oder Das Verschwinden des Komikers”. Vier Jahre später wagte er sich gar an eine Neuinterpretation von Helmut Qualtingers und Carl Merz’ legendärem Mitläufer-Monolog “Der Herr Karl”, eine ebenso viel beachtete wie gelobte Mutprobe.

Auch im Film, am Theater und als “Feinschmecker” erfolgreich

Neben seiner Kabarettkarriere zog es Vitásek früh auch zum Film. Mit Niki Lists “Müllers Büro” (1986) etwa wirkte er an einem der kultigsten Kinoerfolge der vergangenen Jahrzehnte mit und huldigte der leichten Muse u.a. mit einer Schwabenitzky-Trilogie (“Ein fast perfekter Seitensprung”, “Eine fast perfekte Scheidung”, “Eine fast perfekte Hochzeit”, 1996-99). Außerdem spielte er in Wolfgang Murnbergers “Brüder”-Trilogie (2002-2005) an der Seite von Erwin Steinhauer und Wolfgang Böck und drehte mit demselben Regisseur die Komödie “Kebab mit Alles” (2011) und ihren Nachfolger “Kebab extra scharf!” (2017). Darüber hinaus bekam er mit “Vitásek?” (2010) unter der Regie von Rupert Henning sogar eine eigene achtteilige Comedyserie im ORF, die – no na – zumindest nicht meilenweit entfernt war vom realen Leben des Andreas Vitásek. Das Drehbuch schrieb der Kabarettist gemeinsam mit Uli Brée.

Auch wenn es mit der Theaterschauspielerei als Hauptberuf nicht geklappt hat, ist der Jubilar den Brettern, die angeblich die Welt bedeuten, stets verbunden geblieben – als Darsteller etwa in den 2000er-Jahren in Nestroy- und Raimund-Stücken am Volkstheater, aber auch als Regisseur in den 90ern, in denen er etwa am Volkstheater, am Schauspielhaus Wien oder am Stadttheater Baden inszeniert hat. Seit 2024 leitet Vitásek außerdem den Kultursommer Güssing.

Abseits der zweifachen Verleihung des Österreichischen Kabarettpreises hat man dem Kabarettisten, Schauspieler und Autor inzwischen eine Reihe weiterer Preise angedeihen lassen. Darunter finden sich der “Salzburger Stier” ebenso wie der “Ybbser Spaßvogel”, die Schweizer Kabarettauszeichnung “Cornichon”, der Deutsche Kleinkunstpreis und das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien. Dass der Mann guten Geschmack hat, weiß die Welt spätestens seit 2018, als ihm die “Gault Millau”-Auszeichnung “Feinschmecker des Jahres” zu Ehren wurde. “Er isst mit Leidenschaft und Hingabe, kein Hindernis kann ihn aufhalten, keine Distanz abschrecken”, lautete die Begründung.

(S E R V I C E – https://www.vitasek.at/ )

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