Andrew wegen Epstein-Affäre weiter unter Druck

Früherer Prinz Andrew in Epstein-Affäre festgenommen

Donnerstag, 19. Februar 2026 | 13:53 Uhr

Von: APA/AFP/Reuters/dpa

Im Zusammenhang mit der Affäre um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ist der frühere britische Prinz Andrew in Großbritannien festgenommen worden. Dies gab die Polizei am Donnerstag bekannt. Sie hatte zuvor Ermittlungen gegen den Bruder von König Charles III. zu mutmaßlichem “Fehlverhalten in Ausübung offizieller Funktionen” eingeleitet. Andrew wird Geheimnisverrat an Epstein in seiner Zeit als britischer Handelsgesandter angelastet.

Der britische König Charles III. hat die Nachricht über die Festnahme seines jüngeren Bruders “mit größter Besorgnis” zur Kenntnis genommen. “Lassen Sie mich klarstellen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen”, teilte der König in einer schriftlichen Stellungnahme mit. “Was nun folgt, ist ein umfassendes, faires und ordnungsgemäßes Verfahren, in dem diese Angelegenheit in angemessener Weise und durch die zuständigen Behörden untersucht wird.”

Die Polizei habe die “uneingeschränkte und vorbehaltlose Unterstützung und Zusammenarbeit”, machte Charles klar und betonte: “Während dieses Verfahren andauert, wäre es nicht richtig, wenn ich mich weiter zu dieser Angelegenheit äußern würde.” Die königliche Familie werde weiter ihre Pflichten erfüllen.

Andrew Mountbatten-Windsor, der wegen seiner Verwicklung in den Fall Epstein bereits den Prinzen-Titel abgeben musste, war durch die jüngste Veröffentlichung neuer Akten zu dem weltumspannenden Skandal noch stärker unter Druck geraten. Neben der Festnahme des 66-Jährigen, der am Donnerstag auch Geburtstag hat, gab die Polizei am Donnerstag auch die Durchsuchung von zwei Grundstücken in England bekannt.

Mögliche Weitergabe vertraulicher Berichte

Der Straftatbestand des “misconduct in public office” bezieht sich im britischen Recht auf Amtsträger, die ihre öffentliche Stellung vorsätzlich missbrauchen oder vernachlässigen. Bei den Ermittlungen geht es um Hinweise, dass Andrew in seiner Zeit als britischer Handelsgesandter möglicherweise vertrauliche Berichte an Epstein weitergab.

König Charles III. hatte seinem Bruder wegen des Epstein-Skandals bereits Ende vergangenen Jahres alle Titel und Ehren entzogen, nachdem posthum die Memoiren des Epstein-Opfers Virginia Giuffre erschienen waren. Giuffre hatte darin detailliert ihren Vorwurf erneuert, der damalige Prinz Andrew habe Sex mit ihr gehabt, als sie erst 17 Jahre alt war.

Die Familie von Giuffre äußerte sich nach der Festnahme von Andrew erleichtert. “Endlich, heute wurde unser gebrochenes Herz durch die Nachricht getröstet, dass niemand über dem Gesetz steht, nicht einmal die Königsfamilie”, teilten die Geschwister der mittlerweile gestorbenen Giuffre mehreren Medien mit. Andrew sei “nie ein Prinz” gewesen, heißt es darin weiter. Giuffre hatte im Vorjahr im Alter von 41 Jahren Suizid begangen.

Epstein stand unter Verdacht, mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen sexuell missbraucht und teils an Prominente vermittelt zu haben. Er wurde 2008 erstmals verurteilt, weil er eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er damals aber nur eine 18-monatige Haftstrafe. Einen Monat nachdem Epstein 2019 unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen worden war, wurde er tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Nach offiziellen Angaben beging er Suizid.

König kündigte Unterstützung der Polizei an

König Charles III. hatte angekündigt, die Polizei bei etwaigen Ermittlungen gegen seinen jüngeren Bruder zu unterstützen. Der König habe seine tiefe Besorgnis über die Vorwürfe hinsichtlich des Verhaltens seines Bruders bereits durch Worte und ein beispielloses Vorgehen deutlich gemacht, sagte ein Sprecher des Palastes vergangene Woche einer Mitteilung zufolge.

Er hatte hinzugefügt: “Die konkreten Vorwürfe sind von Herrn Mountbatten-Windsor zu klären. Sollte sich die Thames Valley Police an uns wenden, stehen wir bereit, sie zu unterstützen, wie es sich gehört.” Die Gedanken und Sympathien des Königspaars seien stets bei den Opfern jeglichen Missbrauchs, hieß es in der Mitteilung.

Kommentare

Aktuell sind 12 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen