Von: APA/dpa
Die kanadische Serie “Heated Rivalry” über die Liebe zwischen zwei Eishockeyspielern hat in Amerika für Furore gesorgt. Weltstar Miley Cyrus will für die zweite Staffel unbedingt einen Song beisteuern. Inzwischen sind auch hierzulande die Timelines bei Leuten, die eigentlich niemals danach suchten, voll mit Bildern und Clips aus dieser Serie oder über diese Serie. Am Freitag nun startet “Heated Rivalry” beim neuen Streamer HBO MAX endlich auch in Österreich.
In Nordamerika hat der Sex-, pardon, Sechsteiler von Jacob Tierney (46) einen regelrechten Hype ausgelöst. Seit Wochen ist er großes Thema unter Serienfans. Es geht um schwule Eishockeyspieler, also Homosexualität im Profisport, einem nach wie vor mächtigen Tabu. Was hat es mit der Serie, die die “New York Times” zu den “größten Überraschungen der jüngeren Fernsehgeschichte” zählt, auf sich?
Softpornovibes ziehen
“Heated Rivalry” (auf Deutsch in etwa Heftige/Intensive Rivalität oder Hitziges Duell) handelt von zwei konkurrierenden Eishockey-Assen, die jenseits der Arena heiße Gefühle füreinander entwickeln – und (“Spiegel”-Zitat) “gefühlt im Fünfminutenserientakt im Bett landen”. Das hat leichte Softpornovibes und erfreut offenbar die schwule Community ebenso wie viele heterosexuelle Frauen.
Es geht um den aus Ottawa stammenden japanisch-kanadischen Eishockeyspieler Shane Hollander von den Montreal Metros (gespielt vom 24-jährigen Hudson Williams) und den aus Russland stammenden Ilya Rozanov von den Boston Raiders (gespielt vom 25-jährigen Connor Storrie). Das Ganze basiert auf einer Buchreihe der kanadischen Autorin Rachel Reid (45), die soeben den dritten Band über die Fanlieblinge Shane und Ilya ankündigte (“Unrivaled” soll im September erscheinen).
Connor Storrie und Hudson Williams saßen bei den Golden Globes – bei denen sie aber nicht mal nominiert waren – in der ersten Reihe, neben Stars des Abends wie Paul Mescal und Jessie Buckley vom Sieger-Dramafilm “Hamnet”. Sie waren dort, um den Preis für die beste Nebendarstellerin einer Fernsehserie zu verkünden und überreichen.
Storrie spielte nervös, Williams versuchte, ihn zu beruhigen. Er solle tief durchatmen und sich die Leute im Publikum … vorstellen, brach er ab, ohne das Wort “nackt” auszusprechen. Storrie sagte, er wisse nicht, ob das funktioniere, denn alle hätten sie beide ja so gesehen. Die Moms und Töchter und so weiter.
Topbewertungen der Fans
Die Chemie zwischen den (stets sexy gefilmten) Hauptdarstellern, über deren sexuelle Orientierung gern spekuliert wird, haut offensichtlich viele Fans um. Die Romantik zwischen zwei Männern begeistert viele, auch wenn es natürlich beileibe nicht die erste schwule Serie ist (man denke an “Queer as Folk”, “Looking”, “Heartstopper”, “Young Royals” oder “Uncoupled”). In der Bewegtbilddatenbank IMDb (Internet Movie Database) bekam die erste Staffel von Nutzerinnen und Nutzern einen Topwert von über 9 (von 10); die Episoden fünf und sechs sogar 9,9 – das sind unglaubliche Werte, die die Serie in eine Sphäre mit Produktionen wie “Breaking Bad”, “Chernobyl”, “The Wire” oder “Better Call Saul” katapultieren.
Memes rund um die Serie fluten die sozialen Medien, machen sogar – wie etwa bei der Comedy-Central-Sendung “The Daily Show” – Donald Trump zum vermeintlichen Fan. Es scheint fast nur Extremmeinungen zu geben. Erotik und Sport sowie gut aussehende Männer (wie etwa auch in den Augen vieler der Schauspieler François Arnaud als Eishockeyspieler Scott Hunter) reichen Millionen Menschen, um sich in die Serie zu verlieben.
Kritik nur am Rande
Kritik gibt es aber am Rande auch. Die Serie verharmlose homophobe Mechanismen in der Gesellschaft, wärme unkritisch toxische Männlichkeit auf und feiere fast schon schwulen Selbsthass, indem sie die Heimlichtuerei der Sportler romantisiere. In Trump-Zeiten, in denen die US-Regierung einen Kampf gegen angeblich zu viel Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion ausgerufen hat, kann der Erfolg der Serie als oppositionelles Kulturphänomen gedeutet werden. Was im klassischen Filmgeschäft oft der Fall war, nämlich junge Frauen auf ihre Sexiness zu reduzieren, geschieht in “Heated Rivalry”-Zeiten mit jungen Männern. Endlich auch, könnte man sagen, wenn man es gutheißt.




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