DJ Ötzi hat an seiner Stimme gearbeitet und Depeche Mode gecovert

Neues DJ-Ötzi-Album zeigt auch “den Mann unter der Haube”

Mittwoch, 22. April 2026 | 06:00 Uhr

Von: apa

Vor mehr als 25 Jahren veröffentlichte DJ Ötzi sein erstes Album, am Freitag erscheint sein neues mit dem Titel “Öha”. Zu hören gibt es nicht nur Partysongs, weil der Sänger “mehr Zugang zu sich selbst” gefunden hat und auch “den Mann unter der Haube” zeigt, wie er im APA-Interview sagt. Das sei kein Versuch eines Imagewechsels: “Ich stehe zu 100 Prozent zu dem, was ich die letzten 27 Jahre gemacht habe. Ich will ja nicht wer anderer sein. Ich will das einfach nur abrunden.”

Auf den Erfolgen der Vergangenheit wolle er sich auf keinen Fall ausruhen, betont der Tiroler mit bürgerlichem Namen Gerhard Friedle. Darum arbeitet er mit einer Trainerin seit einigen Jahren intensiv an seiner Stimme, was man vor allem bei den ruhigeren Songs deutlich hört. “Ich habe keine Kopfstimme, aber einen extrem hohen Ton in mir drinnen”, so der 55-Jährige. “Keine Ahnung, was da mit mir passiert ist. Aber meine Stimme ist jetzt weniger rauchig.”

Nicht nur darum sei das Spektrum auf “Öha” ein breites. “Irgendwann einmal muss man schon bereit sein dazuzulernen”, betont DJ Ötzi. “In jedem Bereich – ob im Friedenschließen mit der Vergangenheit oder mit der Stimme. Ich will das Beste geben, deswegen immer besser werden als gestern. Das ist mein Zugang. Weil ich noch viel vorhabe.”

Die Seele ganz öffnen

Ein Gedanke stehe da im Raum: “Was wäre, wenn das, was bisher war, erst der Anfang gewesen ist?” Und vielleicht wird sein letztes Album – Friedle: “das ist ‘Öha’ meines Erachtens sicher nicht” – ausschließlich den “Mann unter der Haube” präsentieren, “der seine Seele ganz öffnen kann. Nicht nur bei zwei, drei oder vier Liedern wie bei dem aktuellen Album, sondern ein ganzes Lebenswerk. Aber das ist Zukunftsmusik.”

Mit seiner Tochter Lisa-Marie interpretiert DJ Ötzi “In The Ghetto”, ein Lied aus dem Repertoire von Elvis Presley. Die Grundidee liegt lange zurück: “Ich war 2002 beim 25. Todestag von Elvis in Memphis und durfte dort mit der TCB-Band, der Band von Presley in den 70er-Jahren, auftreten”, erzählt Friedle. “In der Halle sah ich ein Video, in dem Elvis mit seiner Tochter Lisa-Marie dieses Lied singt. Das hat mich emotional mitgenommen.”

Seine eigene Tochter, geboren kurz nach diesem Event, erhielt ihren Namen bekanntermaßen in Verehrung des Kings. “Elvis, Winnetou und Jesus, das sind meine Helden”, sagt Friedle. “Alle drei verkörpern Werte, die ich auch empfinde. Und Elvis hatte dieses Charisma.”

Depeche Mode als Partysong

Aber auch Kings Of Leon (“Sex On Fire”) und Depeche Mode (“Just Can’t Get Enough”) covert DJ Ötzi auf “Öha”. Von letzterer Band sei er schon lange Fan, 1991 reiste er extra nach London zu einem Konzert. “Ich mag die Melodiefolge des Songs und, dass die Nummer so extrem nach vorne geht. Das Lied hat es verdient, unbedingt einmal in meiner Vita aufzutauchen”, sagt Friedle.

Ganz DJ Ötzi hat er beide Songs partymäßig aufbereitet. “Logisch, man erwartet das von mir. Bei ‘Hey Baby’ und ‘Sweet Caroline’ war das nicht anders. Meine Versionen werden heute noch auf der ganzen Welt gespielt.” Dass nicht alle Musikfans mit seinen Versionen Freude haben, sei ihm bewusst, aber: “Die sind mir egal. Die Aufreger, die braucht man auch. Dann kann man vielleicht sogar noch besser werden. Meine Musik wird ja nicht nur auf Skihütten gespielt, sondern sogar bei der Super Bowl, dem größten Sportevent weltweit. Es gibt immer Leute, die irgendetwas nicht mögen. Verstehe ich ja, weil ich auch nicht alles mag.”

Wo würde sich DJ Ötzi mittlerweile selbst musikalisch einordnen? “Als DJ Ötzi. Ich mache DJ-Ötzi-Musik. Ich finde es immer so lustig, wenn sie mich da oder dort einordnen. Bin ich Schlager? Bin ich Party? Bin ich Rock? Bin ich Pop? Was bin ich? Ich kann nur sagen, ich bin ich.”

Den Rucksack abgeworfen

Das Cover von “Öha” zeigt den Sänger mit mehreren Gesichtsausdrücken, repräsentativ für den emotionalen Inhalt des Albums. Nur böse blickt er auf keinem Foto – obwohl er das auch sein kann, wie er sagt: “Unehrlichkeit triggert mich! Aber meine Aufgabe ist es, den Leuten eine gute Zeit zu geben und ihnen kein hässliches, böses Gesicht zu zeigen.” Eine aggressive, kritische Nummer wird es daher nicht geben: “Ich bin politisch sehr interessiert, aber das ist nicht meine Aufgabe.”

Beim Interview wirkt Friedle überaus entspannt. “Ich habe viel Frieden schließen können mit meiner Vergangenheit, habe den Rucksack abgeworfen und bin viel mehr angekommen als in den letzten Jahren”, betont er. “Ich bin ruhiger. Ich will die Zeit viel mehr wahrnehmen und bei mir sein. Das tut mir einfach gut.”

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E – https://djoetzi.at )

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