Von: apa
Sie war Wirtin, Schlagergröße, Dancing Star und ist immer noch ein Original: Martha Butbul, besser bekannt als Jazz Gitti, feiert heute ihren 80. Geburtstag und kann auf ein ereignisreiches Leben zurückblicken. Mit Hits wie “A Wunda” oder “Kränk di net” Anfang der 1990er-Jahre höchst erfolgreich, liegt ihr bisher letztes Album “Gib net auf!” inzwischen zehn Jahre zurück. Nun hat sie bekanntgegeben, sich noch heuer endgültig von der Bühne zurückzuziehen.
“Wann’s Zeit wird für mi” heißt die brandneue Single der Sängerin, mit der sie zugleich Adieu sagt. “Das Abschiedslied ist mehr als nur ein weiterer Titel – es ist eine musikalische Reise durch ihr Lebenswerk. In den Strophen verarbeitet die Künstlerin ihre größten Erfolge und bekanntesten Lieder, während der Refrain eine klare Botschaft trägt: Dankbarkeit. Dankbarkeit gegenüber einem Publikum, das sie über Jahrzehnte begleitet, getragen und gefeiert hat”, heißt es dazu auf dem Facebook-Account der Sängerin. Trostpflaster: Bevor es endgültig soweit ist, geht sie noch einmal auf eine bis November dauernde Abschiedstour. Ein Highlight ist der für den 5. Juli geplante Headliner-Auftritt auf der Schlagerbühne am Donauinselfest.
Vor der Musik kam die Gastronomie
Geboren wurde die Künstlerin und Sympathieträgerin am 13. Mai 1946 als Martha Bohdal in Wien. Bereits mit 16 Jahren gewann sie einen Jugendwettbewerb mit dem Lied “Lulila”. Ein Album war in Planung, allerdings kamen ein Verwandtenbesuch in Israel und die Liebe dazwischen. Die Sängerin heiratete und lebte bis 1971 in Haifa, wo sie 1965 auch ihre Tochter Shlomit zur Welt brachte. Nach der Rückkehr nach Österreich arbeitete sie zunächst als Kellnerin in einem Jazz-Club, bevor sie selbst als Gastronomin tätig wurde und 1973 das “Cafe Zuckerl” gründete. Zwei Jahre später sollte der erste Wiener Jazz-Heurige folgen, dem sie auch ihren damaligen Spitz- und heutigen Künstlernamen zu verdanken hat.
Erste musikalische Schritte in der heimischen Konzertlandschaft unternahm sie Anfang der 1980er-Jahre mit den österreichischen Bühnen-Berserkern von Drahdiwaberl. Mit ihrer eigenen Band, den Discokillers, tourte sie in den darauffolgenden Jahren mit einer Mischung aus Jazz-und Blues-Standards sowie Schlager-Songs durch Österreich und Deutschland.
Hits und TV-Auftritte
1990 folgte schließlich das “Wunda” und der Durchbruch, für 190.000 verkaufte Exemplare der Hitsingle “Kränk di net” erhielt sie u.a. 1991 einen “World Music Award”. Bis heute hat sie insgesamt 15 Studioalben veröffentlicht, die teils Gold- und Platin-Status erlangten. Einmal gefragt, ob es in ihrem Oeuvre ein Lieblingslied gibt, meinte sie in einem Interview: “Na, mir taug’n alle. Aber eins geht so: ‘Es gibt so vü Trotteln auf da Wöd’, das lieben die Leute, und warum? Weil’s wahr ist!”
Obwohl die Musik das fixe Standbein der stattlichen Sängerin ist, wagte Jazz Gitti immer wieder auch kleinere Ausflüge ins Theaterfach, trat in Musicals auf und war Anfang der 1990er-Jahre Teil des ORF-Satireformats “Tohuwabohu”. Später folgten Auftritte in der Kultserie “Kaisermühlen Blues”.
2016 tanzte sie sich bei der ORF-Show “Dancing Stars” in die Herzen des Publikums und erreichte den fünften Platz. Ihre Teilnahme am Erfolgsformat hatte allerdings ein gerichtliches Nachspiel: Künstleragentin Marika Lichter klagte Jazz Gitti auf Honorarzahlung, da diese aufgrund Lichters Vermittlungstätigkeit erst Kandidatin geworden sei. Die Klage wurde allerdings abgewiesen.
Im Bett mit Voodoo Jürgens
Aus ihrem Herzen hat die extrovertierte Entertainerin nie eine Mördergrube gemacht. Politisch hat sie nie einen Hehl daraus gemacht, “eine Rote” zu sein und diverse Angebote für einen Quereinstieg ausgeschlagen zu haben – denn: “Ich bin österreichweit eine beliebte Person, also warum soll ich mich unbeliebt machen?”
Gesundheitlich war es für Jazz Gitti auch nicht immer einfach. Sie berichtete von Knieoperationen, Herzproblemen, Depressionen und Diabetes – was dazu geführt habe, dass sie ihre Lebensweise radikal umgestellt und schon vor einigen Jahren von 120 auf 75 Kilo abgespeckt hat. Derart erschlankt, landete sie 2019 im Bett mit Liedermacher Voodoo Jürgens – im Video von “‘s klane Glücksspiel” des gleichnamigen Albums. Auch ihre Stimme ist im Song zu hören, was ihr wohl auch beim jungen Publikum abseits des Schlagerpops einige Lässigkeitspunkte einbrachte. Vor zwei Jahren stellte sie sich für die Trash-Sparte von ATV in den Dienst und ließ sich ins “Forsthaus Rampensau” einquartieren. Und erst im Vorjahr trat sie – einmal mehr – beim Donauinselfest auf. Auch wenn sie das Bühnenleben heuer endgültig hinter sich lassen will – man kann sich kaum vorstellen, dass es völlig still wird um das Wiener Original.
(S E R V I C E – http://www.jazz-gitti.at)




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