"Ein Ereignis, das alles verändert hat"

Simon Messner hört mit dem Bergsteigen auf

Sonntag, 18. Januar 2026 | 05:30 Uhr

Von: mk

Meran – Simon Messner, der 36-jährige Sohn von Bergsteiger-Legende Reinhold Messner, legt seine eigene Kletterkarriere – zumindest vorübergehend – auf Eis. Dass er Expeditionen endgültig den Rücken kehrt, ist nicht ausgeschlossen. Grund dafür seien eine Reihe von Entwicklungen, wie Simon Messner in einem Schreiben auf Facebook offenlegt. Schmerzlicher Höhepunkt war ein Kletterunfall im August, wodurch er praktisch zu einer Auszeit gezwungen wurde.

„In der letzten Zeit hat sich in meinem Leben viel verändert – als Bergsteiger, als Salewa-Athlet und vor allem als Mensch“, schreibt Simon Messner auf Facebook.

Bauer zu werden und gemeinsam mit seiner Frau Anna einen traditionellen Bergbauernhof in Südtirol zu führen, sei die erste große Herausforderung gewesen, das sei auch jetzt noch so. „Zeit abseits der Arbeit zu finden, ist fast unmöglich geworden, da unsere Tiere Begriffe wie Urlaub oder Wochenende nicht kennen. Der Hof muss laufen, Tag für Tag. So wurde das Klettern natürlich allmählich zur Seltenheit“, erklärt der 36-Jährige.

Facebook/Simon Messner

Vor genau einem Jahr – kam eine wirklich einschneidende Veränderung: „Unsere Tochter Valentina wurde geboren. Was für eine Freude! Es gibt nichts Erfüllenderes, als Vater zu werden und ein Kind aufwachsen zu sehen.“ Gleichzeitig verschwand die Zeit zum Klettern fast wie von Zauberhand komplett. „Alle Eltern da draußen wissen genau, was ich meine“, so Messner weiter.

Dann sei der Tag gekommen, der alles auf den Kopf gestellt habe. „Im August dieses Jahres, nur wenige Tage vor unserer Expedition nach Pakistan, genoss ich eine letzte Trainingseinheit mit meinem Kumpel Philipp im örtlichen Klettergarten – nur wenige Minuten von meinem Zuhause entfernt. Ich kann wohl behaupten, dort jeden einzelnen Griff jeder Route zu kennen. Doch das verhinderte nicht, dass mein rechter Fuß von einem eigentlich riesigen Tritt abrutschte. Die Wucht verlagerte sich plötzlich voll auf meine linke Schulter, die daraufhin auskugelte“, beschreibt Simon Messner den Unfall.

Da er die lang geplante und sehnlichst erwartete Pakistan-Expedition nicht absagen wollte, sei ihm keine Wahl geblieben: Er brach mit einer linken Schulter auf, die alles andere als funktionstüchtig war. „Definitiv keine idealen Bedingungen für eine Besteigung im Alpinstil an einem extrem abgelegenen Berg.“ Aber Missgeschicke passieren eben immer dann, wenn man sie am wenigsten erwartet. Weiter schreibt Messner:

„Nach der Rückkehr von unserem Abenteuer im Karakorum war mein erster Weg der zum Arzt. Leider gab es keine andere Option als eine Operation, die Anfang Dezember in Innsbruck stattfand. Die Verletzungen stellten sich als schwerwiegender heraus als gedacht: eine fast vollständig gerissene Bizepssehne, abgesplitterte Knochenfragmente und abgelöster Knorpel machten einen umfangreichen chirurgischen Eingriff erforderlich.

Die Wunde wird heilen, da bin ich zuversichtlich. Aber es wird Monate dauern, und ob ich jemals wieder mein früheres Kletterniveau erreichen werde, ist momentan völlig ungewiss.

Aus diesen Gründen habe ich mich entschieden, von meiner Rolle als aktiv unterstützter Salewa-Athlet zurückzutreten. Gleichzeitig bleibe ich stolzer Teil des ‚Salewa People‘-Teams und bekräftige damit meine Verbundenheit zu unserer langjährigen Partnerschaft.“

Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen. Immerhin sei das traditionelle Klettern und Bergsteigen seit über zwanzig Jahren der wichtigste Teil seines Lebens gewesen. „Es aufgeben zu müssen – vorübergehend oder vielleicht sogar für immer – ist ein Gefühl, das sich kaum beschreiben lässt“, so Simon Messner.

Facebook/Simon Messner

Im kommenden Jahr will er sich daher voll auf seine Genesung konzentrieren und die Zeit nutzen, um so viel wie möglich für seine kleine Familie da zu sein. „So betrachtet kann man diesem Unfall sogar etwas Positives abgewinnen“, erklärt Messner abschließend.

Bezirk: Burggrafenamt

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