Von: apa
“Wir waren ausgebrannt!”: The Last Dinner Party hatten Ende 2024 deshalb die letzten Konzerte ihrer gefeierten Tournee rund um den Hype um ihr Albumdebüt abgesagt, betroffen war auch ein zweiter Wien-Termin. “Wir haben daraus gelernt, unser Tempo zu drosseln”, sagte Sängerin Abigail Morris am Donnerstag im APA-Gespräch. Man legt nun zwar Pausen ein, aber nicht auf der Bühne: Die Briten spielten am Abend bei ihrer Rückkehr in die Bundeshauptstadt einen temperamentvollen Gig.
Man fühlt sich bei The Last Dinner Party fast wie im Theater. Erzählt werden Dramen in Form von Songs wie “Agnus Dei” (der catchy Opener, der das Publikum sofort im Griff hatte), “Riffle” (anspruchsvoll instrumentiert) oder “Nothing Matters” (der erste Hit im Katalog beendete den regulären Teil, ehe es mit dem neuen Gassenhauer “This Is The Killer Speaking” in die Zugaben ging). Lässig mischten Morris und Co. Indie-, Barock- und Folk-Pop mit Rock, um daraus den eigenständigen Dinner-Party-Sound zu kreieren. Davor hatte sich die englisch-amerikanische Dream-Pop-Band Sunday (1994) mit einem unterhaltsamen Set vorgestellt.
In einer BBC-Umfrage nach dem vielversprechendsten Popact des Jahres auf Platz eins gelandet, ging der Rummel um The Last Dinner Party Anfang 2024 richtig los. Als dann das Album “Prelude To Ecstasy” erschien, war die Ekstase kein Vorspiel mehr, die Nachfrage nach Konzertkarten enorm. Aber die Band zog zunächst eine geplante Club-Tour durch. Laut Morris hat das Sinn gemacht: “Wir sind sehr glücklich, dass wir uns stetig auf die nächste Stufe weiterentwickeln konnten – von sehr kleinen Popshows beginnend in Clubs zu wechseln und nun auf den größeren Bühnen anzukommen. Wir wollen dem Publikum das beste Erlebnis bieten. Für einen zu frühen Wechsel in große Hallen wären wir vielleicht nicht bereit gewesen. Es ist nett, emporzuklettern.”
“Vielleicht hatten wir einfach Glück”
Mehr Platz, mehr Bewegung: Vor und im Bühnenbild, das mit weißen Vorhängen und Torbögen an einen verwunschenen Ballsaal in einem Gothic-Märchenschloss erinnerte, zogen The Last Dinner Party in obligaten Barock-Kostümen eine Show mit der richtigen Prise Theatralik ab, sodass die Bewegungen, Tänze und Interaktionen nie aufgesetzt wirkten. Kräftige Gitarrenduelle, eine einfühlsame Flöte, Folklore, Powerpop und Eindringliches wie das von Keyboarderin Aurora Nishevci auf Albanisch gesungene “Gjuha” – all das hat gut Platz im Sound der Formation.
Mit “The Pyre” haben die fünf Musikerinnen vor rund vier Monaten einen starken Nachfolger des Debüts abgeliefert. Mit den Erwartungshaltungen nach dem Rummel scheinen sie erfolgreich umgegangen zu sein. “Vielleicht hatten wir einfach Glück”, schmunzelt die Sängerin. “Oder anders gesagt: Wir haben keinen Druck zugelassen. Man denkt natürlich immer ein wenig darüber nach, wie die Kritiken ausfallen werden und ob man das neue Album mit dem Vorgänger vergleichen wird. Natürlich tun sie das! Lustig, in manchen Kritiken heißt es, die beiden Alben würden zu gleich klingen, in anderen, sie seien komplett anders. Wir selbst haben darüber nicht viel nachgedacht, sondern nur darüber, was besser und anders werden soll.”
Gingen die Songs auf “Prelude To Ecstasy” schneller ins Ohr, haben die Lieder auf “The Pyre” noch ausgefeiltere Instrumentierungen. Der Track “The Scythe” sei etwa “eine besondere Herausforderung” gewesen, betonte Emily Roberts (Gitarre, Mandoline und Flöte). “Weil der Text eine bestimmte Melancholie, aber auf eine fröhliche Art, zum Ausdruck bringt. Diese Stimmung mit Musik einzufangen, war tricky.”
Gegenseitige Herausforderung
“The Pyre” sei ein Album, “das Geschichten erzählt – mit Charakteren”, sagte Morris. “Ich habe aber keine Ahnung, wie das nächste sein wird. Wir sind fünf Frauen in der Band und jede hat andere Inspirationen. Wir fordern uns gerne heraus – auch gegenseitig. So werden die Songs zu unterschiedlichen Biestern.”
Nun gilt es wieder zahlreiche Konzerte zu absolvieren. “So eine Tournee geht an die Substanz, aber man will immer weitermachen”, betont Morris. “Wir haben jetzt die strenge Regel, nicht mehr als zwei Shows hintereinander zu spielen und danach einen freien Tag einzulegen. Wir wollen uns nie wieder in die Lage bringen, Shows absagen zu müssen. Das war furchtbar.”
(Von Wolfgang Hauptmann/APA)




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