The Pretty Wylde rockten ordentlich

“Viel Schönes und viel Wildes” nach Kälte am Nova Rock

Freitag, 12. Juni 2026 | 16:24 Uhr

Von: apa

Nach eiskalter Nacht – es kühlte auf sechs Grad ab – ist das Nova Rock am Freitag bei moderatem Wetter fortgesetzt worden. Die niedrigen Temperaturen hatten Festivalbesuchern auf den Pannonia Fields laut dem Roten Kreuz Burgenland zu schaffen gemacht. Als Headliner auf den drei Bühnen wurden The Cure, Ice Nine Kills und Thrown erwartet. “Heute ist so viel Schönes und so viel Wildes los”, sagte Jules Wylde von der Band The Pretty Wild, die auf der Red Bull Stage gastierte.

Denn neben The Pretty Wild, die US-Formation um die Schwestern Jules und Jyl Wylde, standen noch The Pretty Reckless mit Sängerin Taylor Momsen und die Rockgruppe Black Label Society mit Ausnahmegitarrist und Sänger Zakk Wylde am Programm. Der musikalische Reigen am Freitag hatte auf der Red Bull Stage seinen Lauf genommen. Pure Chlorine alias Claudia Bruckner hatte sich den Auftritt über einen Wettbewerb gesichert.

Rotes Kreuz blickt auf “Kälteeinsätze” zurück

“Nach einem langen Festivaltag unterschätzen viele Besucherinnen und Besucher, wie rasch der Körper auskühlen kann”, wurde der Einsatzleiter des Roten Kreuzes und Landesrettungskommandant Christoph Frimmel in einer Aussendung zitiert. Man setzt daher zusätzliche Maßnahmen zur Beheizung der Versorgungszelte im Bühnenbereich und hält für Patienten und Patientinnen bei Bedarf zusätzliche Wolldecken bereit. Bis Freitagvormittag wurden vom Roten Kreuz insgesamt 428 Personen medizinisch versorgt. Behandelt wurden vor allem kleinere Verletzungen, Kreislaufprobleme oder wetterbedingte Beschwerden. 13 Personen wurden ins Spital überstellt.

Eyeliner ein Must

Zurück zu The Pretty Wild: Die beiden Schwestern, die Klargesang und Gebrüll ebenso souverän beherrschen, haben im Herbst 2025 mit “zero.point.genesis” ihr bisher bestes Album abgeliefert. Nach Nickelsdorf waren sie im Rahmen einer Europa-Tour mit einem Van angereist. “Ich habe keine Liste mit Dingen, die ich unbedingt mit brauche”, sagte Julia “Jules” Wylde. “Wir sind gut im Improvisieren. Uns reicht eine reflektierende Fläche zum Fertigmachen. Da reicht eine Autoscheibe.” Zwischenruf der Schwester: “Eyeliner muss unbedingt dabei sein! Das ist alles, was wir brauchen, Eyeliner und eine reflektierende Fläche”, lachte das Duo.

Auch wenn sich die in Las Vegas lebenden Schwestern auf der Red Bull Stage wirklich schön wild präsentierten und eine beeindruckende Schar anzogen – in einem Zelt auf den Pannonia Fields würden sie nicht schlafen. “Das klingt furchtbar. Aber ich bewundere die Leute, die das können. Ich glaube, ich könnte das nie”, so Jules. “Ich mag Camping”, warf Jill “Jyl” Wylde ein. “Vielleicht sollten wir mal ein Festival nur mit Camping veranstalten, uns richtig reinhängen und richtig einleben.”

“Was geht ab?”

Keine Probleme als erster Act des Tages hatte Pure Chlorine: “Ich bin rausgerannt mit dem Ruf: Nova Rock, was geht ab? Und plötzlich waren ganz viele Leute da, viel mehr, als ich mir gedacht hätte um die Uhrzeit. Diese Energie hat mir dann selbst mehr Energie gegeben.” Die Band um die Namensgeberin “gibt es seit 2019, wir machen Alternative Rock und Alternative Pop”, so die Sängerin. Musik sei für sie ein Safe Space, um Sachen zu sagen, “die ich sonst nicht sagen kann”.

Angetan von seiner Performance zeigte sich auch Zascha. “Die Leute waren total verrückt. Ich konnte nicht abschätzen, wie viele Leute vor der Bühne standen. Aber in dem Moment, als ich runtergesprungen bin, wurde mir klar, dass Nova Rock ein gefährliches Festival ist”, sagte der in Wien lebende Musiker, dessen Projekt sich zwischen Pop-Punk, 80er-Rock, Industrial und Gothic bewegt.

Trippiges und Puristisches zum Hauptbühnen-Auftakt

Einen Auftakt, wie er nicht unterschiedlicher sein könnte, bekamen die Early Birds auf den beiden Hauptbühnen zur erweiterten Mittagszeit kredenzt: Da warteten die pannonischen Felder mit Ohrenfutter aus dem Shoegaze-Fahrwasser auf, dargebracht von der irischen Formation Just Mustard (dt. “einfach Senf”). Die relativ wenigen Besucher vor der riesigen Blue Stage sahen sich mit übermäßig effektgetränkten Soundgebilden konfrontiert, wo teils kaum überschwellig eine Art feenhafter Gesang und treibende, verwaschene Drums im trippigen Brei auftauchten – vielleicht kam diese Kost dann doch etwas früh am Tag auf den Teller. Im Anschluss schlug dann die US-Formation Magnolia Park ihre Zelte auf der größten Nova-Bühne auf – und zog das Tempo stark an.

Wie ein gelungenes und fröhliches Leben an den absoluten Rändern der menschlichen Stimme über Jahrzehnte hinweg gelingen kann, zeigte Death-Metal-Altmeister Chris Barnes mit den kultigen Six Feet Under auf der Red Stage. Gut gelaunt pflügte man durch ein halbstündiges Mini-Set vor einer stattlichen Menge an freudig dahinblickenden Metal-Puristen. Das Angebot des reinigenden Erlebnisses der dunkleren Art in grellem Sonnenschein mit viel Teufelskralle zeigen, Headbangen und vereinzeltem Crowdsurfen wurde entsprechend dankbar angenommen.

Biertaufe und Do-it-yourself Partyturm

Buntes Treiben herrschte am Campingplatz. Ein “Papst” zelebrierte dort etwa eine “Trichtertaufe” (Bier oben rein, Metalfan darunter mit offenem Mund kniend das Getränk empfangend). Andere hatten sich aus Holz sehr professionell eine Party-Aussichtsplattform gebaut. Eine Gruppe zog “Hare Krishna” singend und trommelnd durch die Zeltstadt und wollte hartgesottene Slayer-Fans “bekehren”.

Zelteinbrüche und Reifenschäden

Die Landespolizeidirektion Burgenland vermeldete am Freitag vier Zelteinbrüche. Dabei dürften Geldbörsen und Handys gestohlen worden sein, die Erhebungen liefen noch. Im Dauereinsatz war das ÖAMTC-Team am Gelände. Etliche Autoschlüssel waren verloren gegangen oder im Wagen eingesperrt. Außerdem galt es, Reifenschäden zu beheben und Starthilfen zu geben. Auch ein Zelt musste repariert werden, hieß es auf APA-Anfrage.

(S E R V I C E – www.novarock.at )

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