Schutzausrüstung spitz wie ein Igel

Bauer will Schafe mit Stachelhemd vor Wölfen schützen

Freitag, 29. Mai 2026 | 08:06 Uhr

Von: mk

Villach – Ein Bauer aus Kärnten sorgt derzeit für Aufsehen. Um seine Schafe vor Wolfsangriffen zu schützen, legt er ihnen eigens eine stachelige Rüstung an. Entwickelt wurde das wehrhafte Kettenhemd vom 72-jährigen Erfinder Rudolf Schaubach. Für Martin Martin – so heißt der Landwirt – aus dem Gailtal ist es zumindest einen Versuch wert.

Der Schafbauer hatte keinen Bock mehr, auf andere zu warten. Um seinen Bestand zu schützen, zog er Mutterschaf „Ananas“ kurzerhand das stachelige Kleid über – als Schutz vor dem Wolf.

Greift das Raubtier an, sind die Verluste der Schafbauern in der Regel hoch. Martin Martin will das in Zukunft verhindern. Mithilfe von Erfinder Rudolf Schaubach macht er sich die Verteidigungsstrategie des Igels zunutze.

Das Netz ist etwa 1,5 mal 1,6 Meter groß und wiegt rund zwei Kilogramm. Befestigt wird es mit Gurten und Bändern am Körper. Für Kopf, Beine, Hinterteil und Euter wurden eigens Löcher freigelassen.

Während man in Deutschland noch über Zäune, Abschüsse und Bürokratie streitet, setzt man in Kärnten offenbar auf Mittelalter-Look. Wie praxistauglich die bizarre Lösung ist, bleibt allerdings fraglich. Immerhin hat es über eine Stunde gedauert, bis „Ananas“ ihren neuen Schutzpanzer übergestreift hatte. Im Fall einer ganzen Herde wird das Anlegen damit wohl zur Geduldsprobe. Dennoch hat das Mutterschaf in seinem neuen Outfit in Österreich bereits für Schlagzeilen gesorgt.

Dass sich der Wolf von den Kunststoffspitzen des Netzes tatsächlich abschrecken lässt, muss allerdings erst noch bewiesen werden. Ein Angriffsversuch wurde in der Zwischenzeit nämlich nicht dokumentiert. Erfinder Schaubach hat auf der Weide allerdings eine Kamera installiert, die zeigen soll, wie ein Wolf auf den stacheligen Schafanzug reagiert.

Ähnlich wie in Südtirol geraten auch in Kärnten Viehhalter durch die Anwesenheit von Wölfen immer wieder unter Druck. Ob dieses Modell auch in Südtirol Anwendung finden wird oder ob man bei uns doch nach anderen Mitteln sucht, wird sich noch zeigen. Immerhin steht fest: Dank Autonomiereform ist das Land nun selbst für das Management von Großraubtieren zuständig.

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