Ambulatorium für Gebirgsmedizin

Fit für die Berge: Eurac Research startet Mountain Clinic in Bozen

Mittwoch, 08. April 2026 | 15:42 Uhr

Von: luk

Bozen – Ein multidisziplinäres Team von Eurac Research hat auf der Grundlage von über fünfzehn Jahren Forschung und fundierter klinischer Erfahrung in der Gebirgsmedizin ein Ambulatorium für die breite Bevölkerung geschaffen. Dieses wurde heute offiziell eröffnet.

Die Mountain Clinic befindet sich im NOI Techpark und ist eine der wenigen Einrichtungen ihrer Art in Italien, deren Leistungen auch von Patientinnen und Patienten aus anderen Regionen genutzt werden können. Die offizielle Eröffnung fand heute im Beisein des medizinischen Teams sowie von Vertretern des Landes und des Südtiroler Sanitätsbetriebs statt, die die Initiative unterstützen.

Der menschliche Körper reagiert auf die mit zunehmender Höhe sinkende Sauerstoffkonzentration. Gelingt die Akklimatisation nicht ausreichend oder bestehen Vorerkrankungen, können gesundheitliche Probleme auftreten: Am häufigsten ist die Höhenkrankheit, die in der Regel ab 2.500 Metern auftritt und sich durch Übelkeit und Kopfschmerzen äußert, in schweren Fällen aber auch zu Hirn- oder Lungenödemen führt. Studien haben gezeigt, dass zwischen 2.500 und 3.000 Metern mehr als jede zehnte Person betroffen ist; zwischen 3.000 und 4.000 Metern steigt der Anteil auf über vierzig Prozent.

„Besonders gefährdet sind Risikogruppen wie Kinder und Jugendliche und alle, die bereits an Höhenkrankheit gelitten haben. Aber auch Menschen, die in den Bergen arbeiten oder sporteln, können betroffen sein. Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem schwangeren Frauen, älteren Personen und Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Bluthochdruck oder Diabetes sowie bei Lungenproblemen oder Migräne“, erklärte Giacomo Strapazzon, Leiter des Ambulatoriums für Gebirgsmedizin von Eurac Research. „Unsere Beratungen richten sich grundsätzlich an alle, die sich in den Bergen aufhalten und dort körperlich aktiv sind, denn neben der Höhe spielen auch Kälte und verschiedene Umweltgefahren eine Rolle. Wir unterstützen dabei, Risiken richtig einzuschätzen, sich sicher zu akklimatisieren, die Leistungsfähigkeit zu erhalten, nach akuten Ereignissen den richtigen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg zu finden oder bei der Anpassung von Therapien.“

Während besonders vulnerable Personen meist vorsichtiger sind, besteht bei Menschen, die alpinistische Ambitionen haben, Reisen in die Anden oder den Himalaya unternehmen oder aber regelmäßig in den Bergen arbeiten – etwa Bergführerinnen und Bergführer, Hüttenpersonal, Seilbahnbedienstete oder Rettungsteams – die Gefahr, dass sie die Auswirkungen der Höhe unterschätzen. Umso wichtiger ist die Möglichkeit einer fachärztlichen Abklärung. Darauf wies auch Maurizio Lutzenberger, Bergführer und Ausbilder des nationalen Bergrettungsdienstes, hin: Gesunde Bergsportlerinnen und -sportler bedeuten weniger Unfälle, weniger Einsätze und geringere Kosten.

Die Leistungen des Ambulatoriums für Gebirgsmedizin können privat oder über den Südtiroler Sanitätsbetrieb in Anspruch genommen werden. Voraussetzung dafür ist eine ärztliche Überweisung. „Unser Team bietet multidisziplinäre Untersuchungen und Beratungen in der Gebirgsmedizin an – von der kardiopulmonalen bis zur neurologischen Abklärung. Zudem führen wir diagnostische Tests wie Hypoxietests durch, um die individuelle Toleranz gegenüber der Höhe zu prüfen“, erklärte Katharina Plenk, Koordinatorin der Mountain Clinic. „In der Pilotphase haben wir bereits dreißig Personen betreut, auch von außerhalb der Provinz und aus anderen Regionen. Ein Drittel kam aus beruflichen Gründen.“

„Wir leben in einer Bergregion, in der sich viele Menschen aus beruflichen Gründen, in der Freizeit oder zum Sport in großen Höhen aufhalten, außerdem zieht unsere Bergwelt zahlreiche Gäste an. Unser Gesundheitssystem hat dadurch bereits viel Erfahrung mit höhenbedingten Erkrankungen gesammelt. Diese neue Initiative stärkt die Prävention und festigt unsere Rolle als Spezialistinnen und Spezialisten in diesem Bereich“, betonte bei der Eröffnung Hubert Messner, Landesrat für Gesundheitsvorsorge und Gesundheit.

„Mit der Mountain Clinic setzt der Südtiroler Sanitätsbetrieb gemeinsam mit seinen Partnern ein starkes Zeichen für eine moderne Gesundheitsversorgung: Im Mittelpunkt der Gebirgsmedizinforschung stehen Prävention, frühzeitige Diagnostik und eine personalisierte Betreuung, die gezielt auf die besonderen Herausforderungen des Lebens und der Aktivitäten in den Bergen eingeht. So leisten wir einen wichtigen Beitrag, um gesundheitliche Risiken rechtzeitig zu erkennen und die Sicherheit sowie Lebensqualität der Menschen nachhaltig zu stärken“, so Christian Kofler, Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes.

Bezirk: Bozen

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