Von: mk
Bozen – Strahlend schöne, jugendliche, faltenlose, elastische Haut und schmerzfreie Gelenke sollen Kollagenpräparate bringen, wenn man den Werbeversprechen Glauben schenkt. Tatsächlich ist das Stützprotein Kollagen ein wesentlicher Bestandteil von Haut, Haaren, Nägeln, Bändern, Sehnen, Knorpeln und Gelenken und spielt auch bei der Wundheilung eine Rolle. Ab dem 25. Lebensjahr sinkt jedoch die körpereigene Kollagenbildung, so dass mit fortschreitendem Alter die Straffheit und Elastizität der Haut abnehmen und Falten sichtbar werden. Kollagendrinks in Ampullen, Kollagenpulver oder Kollagenhydolysat in Kapseln sind daher schon seit Jahren ein Renner. Stars schwören angeblich auf „Glow-Coffee“ zum Frühstück, eine Tasse Kaffee mit etwas Kollagenpulver.
Zwar gibt es Studien, die eine Verbesserung der Hautstraffheit durch die Einnahme von Kollagen zum Ergebnis haben. Einer Metaanalyse aus 2025 (Myung und Park 2025) zufolge, welche die Ergebnisse von 23 einzelnen klinischen Studien auswertete, zeigten aber lediglich jene Studien, die von Pharmaunternehmen finanziert worden waren, eine positive Wirkung der Kollagenpräparate auf Falten, Elastizität und Feuchtigkeit der Haut. Unabhängige Studien ohne Finanzierung durch Pharmaunternehmen konnten keine Wirkung von Kollagen auf die Hautalterung nachweisen.
Eine ganz aktuelle, 2026 veröffentlichte Metaanalyse berücksichtigte die Ergebnisse von 113 klinischen Studien (Ravindran et al. 2026) und kam zum Schluss, es gebe Hinweise auf eine positive Wirkung einer langfristigen Einnahme von Kollagenhydrolysaten auf die Elastizität und Feuchtigkeit der Haut sowie auf die Linderung von Schmerzen bei Menschen mit Arthrose. Die Ergebnisse der einzelnen Studien seien jedoch aufgrund der Vielzahl an Methoden, Dosierungen und Messverfahren schwierig miteinander zu vergleichen, so Heba Ghazal, Pharmazie-Dozentin an der Londoner Kingston University. Viele Studien würden zudem nur wenige Teilnehmende und kurze Zeiträume umfassen, weitere wissenschaftliche Untersuchungen seien notwendig.
Um eine wahrnehmbare Verbesserung der Hautqualität zu erreichen, müsste man laut der Wiener Fachärztin für Dermatologie Kerstin Ortlecher täglich zehn bis 40 Gramm Kollagen einnehmen, gängige Nahrungsergänzungsmittel würden jedoch nur drei Gramm pro Ampulle enthalten. Andere Faktoren wie Sonnen- und UV-Schutz, ausreichend Schlaf, Verzicht auf Rauchen und hohen Zuckerkonsum dagegen könnten die Hautalterung effektiv verzögern.
„Der Effekt von Kollagenpräparaten auf die Haut ist also fraglich, der Effekt auf die Geldbörse aber in jedem Fall groß“, fasst Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol, den Wissensstand zusammen. „Laut der Stiftung Warentest, die 2022 Schönheitsdrinks mit Kollagen beziehungsweise Hyaluronsäure getestet hat, waren für das teuerste Produkt im Test 3,95 Euro für die Tagesration und somit 1.442 Euro im Jahr zu berappen. Immerhin 321 Euro jährlich waren es für das günstigste Produkt im Test, bei 0,88 Euro für die Tagesration.“
Das in Europa eingesetzte Kollagen wird übrigens aus Schlachtabfällen wie Schweineschwarte, Rinderspalt (eine dünne Schicht in der Haut von Rindern) oder Sehnen von Rindern, Schweinen und Hühnern gewonnen, ein Teil auch aus Fischhaut und Fischschuppen. Produkte mit Kollagen könnten daher allergische Reaktionen auslösen. „Vegetarisches“ oder „veganes Kollagen“ gibt es nicht, auch dürfen diese irreführenden Bezeichnungen nicht verwendet werden.
Laut der EU-Health-Claims-Verordnung müssen auch für Schönheitsprodukte gesundheitsbezogene Werbeaussagen behördlich genehmigt werden. Aussagen wie „für ein strafferes Hautbild“, „für das Stützgerüst unserer Haut“, „hautglättende Wirkung“, „ernährt die Haut“, „weniger Falten“, „Hautlifting“ oder „Anti-Aging“ sind aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Beweise bis heute nicht für kollagenhaltige Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel zugelassen und folglich rechtswidrig.




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