Von: mk
Bozen – Sternförmige weiße Blüten im Frühjahr, schmackhafte violette Früchte im Sommer, leuchtend bunte Blätter im Herbst: Die Felsenbirne ist ein Strauch für jede Jahreszeit. Trotzdem ist sie bislang wenig bekannt. Der deutsche Verein Heckenretter e.V. möchte das ändern und hat die Gewöhnliche Felsenbirne (Amelanchier ovalis) zum Strauch des Jahres 2026 gekürt.
Die schneeweißen Blüten sind ein Insektenmagnet und locken im zeitigen Frühjahr zahlreiche Bestäuber an. Zu einer Zeit, in der das Nahrungsangebot für Insekten noch überschaubar ist, sind die nektar- und pollenhaltigen Blüten der Felsenbirne für Wildbienen, Hummeln und Schwebfliegen eine lebenswichtige Nahrungsquelle nach dem Winter. Wegen der sternförmigen Blüten ist die Felsenbirne auch als Edelweiß-Strauch bekannt. Die Blätter wiederum dienen verschiedenen Schmetterlingsraupen als Nahrung.
Zwischen Juni und August reifen nach und nach, also nicht gleichzeitig, die kleinen, roten bis dunkelblauen, süßlichen Früchte. „Ihr Geschmack wird als Mischung aus Heidelbeere und Pflaume mit einem Hauch von Marzipan beschrieben“, erklärt Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol. „Da Amseln, Haussperlinge, Drosseln, Stare und Rotkehlchen sowie Siebenschläfer die Früchte als wertvollen Energiespender schätzen, ist es aber fraglich, ob für den Menschen etwas übrigbleibt.“ Im Herbst schließlich färben sich die Blätter der Felsenbirne leuchtend gelb, orange und rot und erfreuen das Auge.
Filigran und kraftvoll zugleich – die Felsenbirne wächst bis zu drei Meter hoch als mehrstämmiger Strauch mit feinen, leicht geschwungenen Zweigen. Sie ist robust, verträgt sommerliche Hitze und Trockenphasen ebenso wie winterlichen Frost, wächst in Gebirgslagen bis 2.000 Metern Höhe und an sonnigen bis halbschattigen Standorten in nahezu jedem Gartenboden, auch auf nährstoffarmen Böden. Mit den wechselnden Witterungsbedingungen im Klimawandel kommt die Felsenbirne besonders gut zurecht und ist zudem pflegeleicht, da sie kaum geschnitten werden muss. Eine ideale Pflanze also für naturnahe Gärten, für Heckenpflanzungen und als heimisches Gehölz im öffentlichen Grün und in Agroforstsystemen.
Die Früchte der Felsenbirne sehen aus wie Beeren, sind aber eigentlich kleine Äpfelchen, da die Felsenbirne zu den Kernobstgewächsen gehört. Sobald die Farbe ins Dunkle umschlägt und sie auf Druck leicht nachgeben, sind sie reif. Man kann die Früchte frisch vom Strauch naschen oder zu Gelee, Marmelade, Kompott, Chutney, Kuchen, Muffins, Cookies, sommerlichen Getränken oder Likör verarbeiten oder die Früchte trocknen. Von Letzterem rührt auch ihr Volksname als „Rosinenstrauch“.
Die Früchte der Felsenbirne sind reich an antioxidativ wirksamen Anthocyanen, Mineralstoffen (Kalium, Kalzium, Phosphor, Magnesium und Eisen) sowie Vitamin E. Die Kerne enthalten geringe Mengen an Blausäure. Üblicherweise rufen diese geringen Mengen keine Beschwerden hervor – dafür müsste man schon große Mengen an Kernen zu sich nehmen und akkurat zerkauen –, da der Darm die ganzen Kerne unverdaut wieder ausscheidet. Bei der Zubereitung von Marmelade oder Saft wird empfohlen, die Kerne mit einem Sieb zurückzuhalten.




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