Von: Ivd
Neapel – Pompeji gilt bis heute als Symbol römischer Badekultur, Hygiene und technischer Raffinesse. Doch neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeichnen ein deutlich weniger idyllisches Bild – zumindest für die frühen Badeanlagen der antiken Stadt.
Ein internationales Forschungsteam aus Mainz, Oxford, Berlin und Innsbruck hat erstmals die Wasserqualität in Pompejis Thermen systematisch untersucht. Grundlage der im Fachjournal PNAS veröffentlichten Studie sind geochemische Analysen von Kalkablagerungen, die sich vor fast 2.000 Jahren in Brunnen, Becken und Wasserleitungen gebildet haben.
Diese Ablagerungen wirken wie ein natürliches Archiv: In ihren chemischen Signaturen ist gespeichert, woher das Wasser kam, wie oft es gewechselt wurde – und wie sauber es war.
Brunnen statt Aquädukt
Besonders ernüchternd fallen die Ergebnisse für die sogenannten Republikanischen Bäder aus, die um 130 v. Chr. entstanden und zu den ältesten öffentlichen Badeanlagen Pompejis zählen. Dort stammte das Badewasser nicht aus einer Quelle oder einem Aquädukt, sondern aus tiefen Brunnen, die stark mineralisiertes Grundwasser aus vulkanischen Gesteinsschichten anzapften.
„Die hygienischen Bedingungen waren alles andere als ideal“, sagt Studienleiterin Gül Sürmelihindi von der Universität Mainz. Die Isotopenwerte im Kalk deuten darauf hin, dass das Wasser stark organisch belastet war – ein Hinweis auf Schweiß, Schmutz, möglicherweise auch Urin und andere Verunreinigungen. Vermutlich wurde das Wasser nur einmal täglich gewechselt.
Ein Grund dafür war die aufwendige Förderung: Das Wasser musste mit Hebemaschinen nach oben geholt werden, die von Sklaven über große Treträder angetrieben wurden. Häufiges Ablassen und Neubefüllen der Becken war entsprechend teuer und mühsam.
Schwermetalle im Badewasser
Hinzu kommt eine weitere Belastung: In den Ablagerungen fanden die Forschenden erhöhte Konzentrationen von Blei, Kupfer und Zink. Offenbar gelangten diese Metalle aus Kesseln und Rohrleitungen ins Wasser – ein bekanntes Problem römischer Wassertechnik, das hier erstmals direkt in einem Badebetrieb nachgewiesen wurde.
Nach späteren Umbauten stieg zudem die Wassertemperatur in den Becken, was wiederum das Wachstum von Bakterien begünstigt haben dürfte.
Besseres Wasser durch den Aquädukt
Erst mit dem Bau eines Aquädukts in der Zeit des Augustus änderte sich die Lage. Von da an wurde Pompeji mit frischem Quellwasser in deutlich größerer Menge versorgt. Die Bäder konnten häufiger gespült werden, die Wasserqualität stieg – und mit ihr wohl auch die tatsächliche Hygiene.
Die neue Studie zeigt damit: Der berühmte römische Badekomfort war kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis technischer Entwicklung. In den frühen Jahrzehnten badeten die Pompejaner zwar stilvoll – aber nicht unbedingt sauber.




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