Von: mk
Innsbruck – Seit dieser Woche fangen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Innsbruck im gesamten Stadtgebiet Amseln – schonend, kurz und für die Vögel ohne Schaden. Das Projekt untersucht, wie das Leben in der Stadt eine der häufigsten Vogelarten in Innsbruck genetisch, körperlich und physiologisch beeinflusst.
Wer in den kommenden Wochen in Innsbruck unterwegs ist, könnte ein ungewohntes Bild erleben, denn es werden vorübergehend feine Japannetze zwischen Büschen und Bäumen aufgehängt. Verfängt sich eine Amsel, wird sie sofort von geschulten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern befreit, in wenigen Minuten vermessen, beprobt und anschließend wieder freigelassen. Dahinter steckt ein neues Projekt der Arbeitsgruppe Molekulare Ökologie unter der Leitung von Birgit Schlick-Steiner und Florian Steiner, Professoren am Institut für Ökologie. Durchgeführt wird die Untersuchung von den Masterstudierenden Alina Wolfbauer und Daniel Egger. Die Expertinnen und Experten wollen folgende Fragestellung im Lauf des Projektes beantworten: Wie wirkt sich die Intensität menschlicher Einflüsse – die sogenannte Hemerobie – auf die Amsel aus? Untersucht werden unterschiedliche Gebiete in Innsbruck, vom naturnahen Waldrand bis zur dicht versiegelten Innenstadt.
Die Amsel als ideales Studienobjekt
Die Amsel ist ursprünglich eine Waldvogelart, die den Siedlungsraum erst später besiedelt hat, heute aber zu den häufigsten Vögeln in allen Teilen Innsbrucks zählt. Als überwiegend ortstreuer Standvogel bleibt sie ganzjährig im selben Gebiet und spiegelt damit den Zustand ihrer direkten Umgebung besonders zuverlässig wider – sie fungiert gewissermaßen als biologischer Indikator für den Zustand des städtischen Lebensraums. An mehreren Standorten werden insgesamt 250 adulte Amseln beprobt. Neben genetischen Analysen, gewonnen aus einer einzelnen Feder, werden Körpermaße wie Schnabel-, Flügel- und Tarsuslänge, die Länge des Laufes, erfasst. Stabile Isotopen geben Aufschluss über langfristige Ernährungsgewohnheiten, zusätzlich wird die Belastung durch Schwermetalle, darunter Blei, Quecksilber und Cadmium, untersucht. „Vögel haben eine wichtige ökologische Funktion und wir wollen mit der Amsel-Studie eine Datengrundlage schaffen, die helfen kann, in der Stadtplanung Wildvögeln Lebensraum und Lebensgrundlage einzuräumen“, so Daniel Egger und Alina Wolfbauer.
Wissenschaft mitten in der Stadt
Da das Projekt im öffentlichen Raum stattfindet, werden an den Fangstandorten Infotafeln aufgestellt, die das Vorhaben verständlich erklären. Die Projektwebsite www.uibk.ac.at/de/projects/die-amsel-in-innsbruck informiert die Bevölkerung laufend über Ziele und Fortschritt der Studie. Die Ergebnisse sollen Grundlagen für den Arten- und Umweltschutz in urbanen Räumen schaffen und direkt in Stadtplanung und Umweltpolitik einfließen.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen