Unternehmerverband "offen für eine sachliche Lohndiskussion"

“100 Euro Nettolohn verursachen weitere 120 Euro an Abgaben”

Freitag, 15. März 2019 | 17:05 Uhr

Bozen – „Unsere Unternehmen wissen den großen Wert ihrer Mitarbeiter zu schätzen und die Leistung zu belohnen: wir sind daher offen für eine sachliche Diskussion über Löhne. Diese sollte aber die Sozialpartner in den Mittelpunkt stellen und auf objektive Daten aufbauen“, betont der Präsident des Unternehmerverbandes Südtirol mit Bezug auf die Forderungen nach generell höheren Löhnen auf lokaler und auf den Vorschlag eines Mindestlohnes auf nationaler Ebene.

  • Unsere Mitarbeiter sind das größte Kapital unserer Unternehmen. Südtirol weist italienweit das höchste Lohnniveau auf. Mit Personalkosten von durchschnittlichen56.394 Euro je Mitarbeiter garantieren die Mitgliedsbetriebe des Unternehmerverbandes zudem eine Entlohnung, die um 40 Prozent über dem Landesdurchschnitt liegt.

  • Der Lohn ist an die Produktivität gebunden. Daher zahlen Industrieunternehmen und besonders jene, die auf Innovation und Export setzen, generell höhere Löhne aus. Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, ihrer Innovationskraft und ihrer Internationalisierung führt zu höheren Löhnen und zur Schaffung hochqualifizierter Arbeitsplätze.

  • Einen Mindestlohn haben wir bereits: er wird durch die jeweiligen nationalen Kollektivverträge festgelegt. Das nationale Institut für Sozialfürsorge INPS-NISF belegt, dass die Kollektivverträge italienweit heute schon 90 Prozent der Arbeitnehmer in der Industrie einen Mindestlohn garantieren, der über der Grenze liegt, die gerade angedacht wird (neun Euro pro Stunde). In Südtirol dürfte dieser Prozentsatz noch weit höher sein.

  • Kollektivverträge garantieren neben der Entlohnung zusätzliche Leistungen und Rechte, wie beispielsweise Welfareleistungen oder Aus- und Weiterbildungsstunden, die bei einer gesetzlichen Festlegung des Mindestlohnes wohl nicht mehr vertraglich verankert wären.

  • Industrieunternehmen entlohnen qualifizierte Arbeiter in Südtirol größtenteils übertariflich.

  • Die Sicherheit des Arbeitsplatzes ist für viele unserer Mitarbeitern ein zusätzlicher Mehrwert. In der Südtiroler Industrie sind 87,1 Prozent der Arbeitsverträge unbefristet: das ist der höchste Wert unter allen Wirtschaftssektoren. Im öffentlichen Sektor liegt dieser Wert bei 78,1 Prozent, der Landesdurchschnitt beträgt 70,6 Prozent.

  • Vertragsverhandlungen obliegen ausschließlich den Sozialpartnern. Die Politik hat aber durchaus auch Gestaltungsmöglichkeiten, vor allem indem sie die Schere zwischen Nettolohn und Lohnkosten reduziert. 100 Euro Nettolohn verursachen heute weitere 120 Euro an Sozial- und Steuerabgaben. Gelingt es ihr durch Einsparungen und effiziente Verwaltung die Lohnnebenkosten zu senken, so bleibt unseren Mitarbeitern mehr Netto vom Brutto.

 

“Die Unternehmen der Industrie und industrienahen Dienstleistungen übernehmen Verantwortung für ihre Mitarbeiter. Wir wünschen uns aber, dass die Diskussion auf
Grundlage des objektiven Sachverhaltes geführt wird“, unterstreicht der Präsident des Unternehmerverbandes und bestätigt seine Bereitschaft für einen konstruktiven Dialog.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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40 Kommentare auf "“100 Euro Nettolohn verursachen weitere 120 Euro an Abgaben”"


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Spartacus
Spartacus
Grünschnabel
4 Tage 1 h

Ich ( Arbeitnehmer ) verstehe, dass der Arbeitgeber nur ungern einer Gehaltserhöhung zustimmt, wenn von 220 Euro nur 100 beim Lohnempfänger, ankommt ! Dieses Problem kann weder der Unternehmer noch die Landespolitk, wirklich lösen. Die Steuerpolitik müsste die Steuerlast so verschieben, dass sich die Lohnnebenkosten ordentlich senken.

cooler Typ
cooler Typ
Tratscher
4 Tage 35 Min

Einfach von unserer Apfel-Industrie Steuern kassieren.

Tabernakel
4 Tage 47 Sek

Oder Wassergeld vom Fuchs einziehen.

alles oder nichts
alles oder nichts
Grünschnabel
3 Tage 21 h

@cooler Typ oder einfache nicht mehr subventionieren😂😂😂

Seidentatz
Seidentatz
Tratscher
3 Tage 21 h

Ich hätte einen ganz einfachen Vorschlag: Genau wie der Unternehmer mehr oder weniger alle Unkosten abschreiben kann, sollte der Arbeitnehmer auch diese Möglichkeit haben. Das würde einmal verhindern dass Dienstleistungen schwarz gezahlt werde (Hydrauliker, Elektriker, Mechaniker, Zahnarzt, Treibstoff usw), ich will die Rechnung, denn ich kann sie ja abschreiben. Und zweitens bliebe mir automatisch mehr Geld übrig. Der Staat würde mehr Steuern kassieren, also ginge die Steuerlast für alle zurück. Ist in anderen Ländern längst ganz normal, nur bei uns natürlich geht es nicht. Warum wohl??

sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
3 Tage 19 h

@Seidentatz wenn alle abschreiben könnten zahlt ja niemand mehr die Steuern ..man kann nur abschreiben was man Steuerlast hat. Keine Angst, das Privileg Steuern zu zahlen bleibt dem normalen Lohnempfänger vorbehalten. Dafür werden die Lobbyisten schon sorgen….

denkbar
denkbar
Kinig
3 Tage 13 h

Man muss vor allem bedenken, dass den Mitarbeitern grundsätzlich ein Bruttolohn zusteht und es deshalb die Mitarbeiter sind, die den größten Anteil an Abgaben bezahlen!!! Sie sind diejenigen die für den Löwenanteil der Steuern aufkommen und die gerechtfertigte Reise für ihre Rente einzahlen. Weil in Italien diese Aufgabe der Einzahlung der Arbeitgeber übernimmt, tut er auch gleich so, als er dafür aufkommt. Aber es wird eben vom Bruttolohn der Arbeitnehmer bezahlt. Bitte bedenkt Mal das!!!

giftzwerg
giftzwerg
Universalgelehrter
3 Tage 11 h

am bestn isch ,die betribe kriegn zuschüsse und die orbeiter orbeiten gratis

Spartacus
Spartacus
Grünschnabel
3 Tage 11 h

@sakrihittn
Doch doch, es bleibt immer noch etwas übrig zum versteuern, Pizza essen ghen, Urlaub, Luxus allgemein u. s. w. Der Kommentar von Seidentatz ist gut Du solltest ihn nochmals durchlesen.

denkbar
denkbar
Kinig
3 Tage 11 h

@Seidentanz👍👍👍👍👍

Seidentatz
Seidentatz
Tratscher
3 Tage 11 h

@sakrihittn, warum zahlte dann niemand mehr Steuern? Es würde ja bei jeder Rechnung die Mehrwertsteuer fällig. Aber wegen den Privileg hast du natürlich recht. Diese Lobbys, in Südtirol aber auch Europa und Weltweit pressen uns Arbeitssklaven aus wie die Zitronen. Bin neugierig wann die Schmerzgrenze erreicht und das Volk mobil macht.

werner66
werner66
Superredner
3 Tage 10 h

Diese Rechnung stimmt einfach nicht.
Allein schon deswegen, weil der Unternehmer ja die Löhne von der Steuer abschreibt.

Zugspitze947
Zugspitze947
Grünschnabel
3 Tage 9 h

Seidentanz du worsch sicher no nia selbständig ? weil Sem wüsstes du dass ma zB. a Gschäftsauto in Italia lei zu 20 % oschreiben konn,und die IVA isch a no futsch! Stell dir vor in Deitschlond schreib i des Autgo zu 100 % ob und die IVA kriag i innerholb 4 Wochen automatisch afs Konto ohne lottern !!! Des isch gerecht ! Drum floriert der Autowechsl in De perfekt . Do konn an Orbeter laufend günschtige Gebrauchte fa di Firmen noch 4 Johr kafen 🙂 do gabs no sehr Viel wos dort viel viel besser isch 🙂

M.A.
M.A.
Grünschnabel
3 Tage 8 h

@Seidentatz
wenn man Steuerhinterziehung wirklich bekämpfen möchte,gäbe es viele Möglichkeiten. Aber es hat den Anschein man will nicht.
Ich stimme Ihnen abdolut zu. Sage noch dazu man könnte so eine Art Punktekarte einführen wo jeder Einkauf verbucht wird und ende des Jahres eine Art Bonus wieder gutgeschrieben wird. Jeder würde das nutzen, wenn dann der Kleine noch abschreiben zusätzlich kann…noch besser…

giftzwerg
giftzwerg
Universalgelehrter
4 Tage 1 h

wos echt ? südtirol zohlt soo guat ?
wie isch es noar meglich ,dass viele  net bis zin monatsende kemen?

lenzibus
lenzibus
Tratscher
3 Tage 11 h

@giftzweg weil sie nicht mehr sparen können, und jeder muss den ganzen Luxus haben!

heinold
heinold
Tratscher
4 Tage 1 h

Große Beträge sehen gut aus, verzerren aber die Realität. 56.394,- Euro abzüglich Abgaben Kosten und Steuern ergeben einen durchschnittlichen Nettolohn von ca. 1.500,-Euro/Monat. Dem gegenüber steht eine durchschnittliche Bruttowertschöpfung pro Arbeitnehmer von ca. 7.300,-/Euro/Monat.   

Andreas1234567
Andreas1234567
Grünschnabel
4 Tage 18 Min

Hallo zum Abend,

56394 Euro jährlich wären gerundet 4200 Brutto monatlich. Und da bleiben wirklich nur 1500 Netto?
Vom Lohn würden über 70 % aufgefressen.
Ist das wirklich so?
Laut offizieller Gehaltstabelle
http://www.provinz.bz.it/verwaltung/personal/downloads/Stipendi_NETTI_dal_01.05.2017_.pdf

würden etwa 36000 Euro oder etwas über 3000 Euro monatlich beim Lohnempfänger verbleiben..

Habe ich was übersehen?

Gruss nach Südtirol

Rechner
Rechner
Superredner
3 Tage 18 h

mit dem Lohn steigen die Abgaben, aber von 56.000 Brutto auf 1500 Netto monatlich wäre doch etwas weit hergeholt.

FlorianEgger
FlorianEgger
Neuling
3 Tage 11 h

Ja hast du, jene Nebenkosten, welche nicht auf der busta vermerkt sind.

VES
VES
Grünschnabel
3 Tage 10 h

@Andreas1234567 Ja Sie haben etwas entscheidendes übersehen. Versteuerbares Bruttoeinkommen des Arbeitnehmers sind nicht die Bruttokosten des Arbeitsplatzes.

Zugspitze947
Zugspitze947
Grünschnabel
3 Tage 9 h

super erklärt und stimmt aso ! 🙂

Andreas1234567
Andreas1234567
Grünschnabel
3 Tage 6 h

@VES
Danke für die Erklärung..

Hätte ich mir denken können. Es ist eine Aussendung des Unternehmerverbandes, da nimmt man dann eben gern die beeindruckendere Zahl.
Da steht dann auch tatsächlich durchschnittliche Personalkosten pro Mitarbeiter..Geht dann alles rein, Personalverwaltung etc.

Ein schönes Wochenende nach Südtirol

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
3 Tage 4 h

Man verwechsle nicht Personalkosten mit Gehalt (so wie es im Artikel vermischt wird).
Neben dem Gehalt kommen noch ein paar andere Kosten dazu.

Zugspitze947
Zugspitze947
Grünschnabel
4 Tage 2 h

Das ist leider absolut richtig so ! Die Verwaltungen und Kosten der Politik sind in vielen Ländern einfach unverschämt altmodisch und ineffiezient 🙁

Aurelius
Aurelius
Superredner
4 Tage 53 Min

die Lohnnebenkosten sind das grosse Problem…ein Arbeitgeber würde gerne mehr bezahlen, wenn der Arbeitnehmer etwas spüren soll, kostet es dem Chef 140% bei den Lohnnebenkosten müsste der Hebel angesetzt werden

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
3 Tage 23 h

genauso ist es, auch was prämien betrifft, um einem mitarbeiter 2.000,00 nettoprämie auszahlen zu können muss der arbeitgeber brutto 4.800,00 Euro locker machen….das ist inakzeptabel und unproduktiv

Rechner
Rechner
Superredner
3 Tage 17 h

Das Problem ist Lohnebenkosten sind nur teilweise Steuern. Den größten Teil macht die Inps aus. Ca. 40 Prozent.
Aber das Geld der Inps wird dringend gebraucht. In Italien geht einer der Vollzeit gearbeitet mit 78-80 Prozent des letzten Nettolohn in Rente.
In Deutschland sind es ca. 52 Prozent.
Hört man ja immer wieder 40 Jahre gearbeitet und 700 Euro Rente.
Aber sie Zahlen auch nur die Hälfte ein.

wellen
wellen
Superredner
3 Tage 22 h

Hier wird so getan, als ob die Mitarbeiter nur Kostenfaktoren sindn. Was die aber an Produktivität einbringen, müsste wohl auch mitkalkuliert werden

lenzibus
lenzibus
Tratscher
3 Tage 11 h

@wellen werde Selbstständig!

meinungs.freiheit
3 Tage 23 h

In Italien sind die Steuern einfach zu hoch

Plodra
Plodra
Grünschnabel
4 Tage 1 h

Einzugehen wäre auch auf das Lohnniveau der gering qualifizierten Mitarbeiter und der prekär Beschäftigten. Ob die Einstufung den tatsächlichen Aufgaben entspricht, ist auch eine gute Frage, da ja immer mehr Leistung bei gleichem Lohn verlangt wird. Jetzt sind alle gespannt auf die Stellungnahme des LVH und des hds. Mal schauen, wie deren Anteil an übertariflichen Löhnen und Sonderleistungen ausfällt. Der LVH lehnt es ja ab, auf Landesebene Lohnverhandlungen zu führen. Betriebsabkommen wird es nicht viele geben, mit denen die Produktivitätszuwächse zumindest teilweise an die Belegschaft weitergegeben werden. 

giftzwerg
giftzwerg
Universalgelehrter
3 Tage 11 h

Mit Personalkosten von durchschnittlichen  56.394 Euro je Mitarbeiter 

do müssen ihre schon wirklich echt viel verdienen ,wenn des der durchschnitt isch

Zugspitze947
Zugspitze947
Grünschnabel
3 Tage 9 h

dia tramen oder hobn kuane Ohnung 😉

Bernd
Bernd
Grünschnabel
3 Tage 10 h
Wieso funtioniert es in der Schweiz das z.B. von 5.000.-€ der Arbeinehmer ca. 4:000.-€ netto bekommt ? Dort werden 12 Gehälter bezahlt mit einer Mindest Sicherung. Bei uns z.B. Im Handel 16 Gehälter 13-14-Abfertigung-5 Wochen Urlaub! Die hohen Lohnnebenkosten kommen von daher, dass es z.B. Renten zu finanzieren gibt die unverschämt hoch sind und diese kassieren meist jene die keinen Mehrwert. Erwirtschaften wie Politiker, Richter Militär und Beamte. Würde man da mal ansetzen und so wie in Österreich oder der sSchweiz eine Max Rente 3500.-€ einführen könnte man die Lohnnebenkosten drastisch senken ! Jeder sollte eine Mindestrente bekommen aber wenn… Weiterlesen »
Boerz
Boerz
Grünschnabel
3 Tage 8 h
ich finde es beschähmend dass die Unternehmer sich da wie die die für alles aufkommen müssen und sozusagen unser land derholtn darstelln!! Fakt ist das diese alles abschreiben dürfen das sogar in vielen Fällen zu 130%.. also zahlen sie kaum Steuern, die bleiben ALLE zu lasten der Arbeitnehmer!! der muss den ganzen Karren zihen worauf es sich diese herren sehr gut gehen lassen… dann werden noch überstunden verlangt…und noch zum preis den SIE sagen und der ist nicht verhandelbar!!! wenn sie etwas verkaufen dann machen sie auch den Preis dann wäher wohl das mindeste das wenn er mir die Überstunden… Weiterlesen »
Supergscheider
Supergscheider
Tratscher
2 Tage 10 h

Boerz könnte ein Unternehmen in Italien nicht abschreiben gäbe es in kürzester Zeit keine Privatwirtschaft mehr.

redbull
redbull
Grünschnabel
3 Tage 9 h

i fir mi miaset 1600 verdienen um zin monatsende zi kemmen und no eps zi sporn. obor im hondl kriagsch sel nia als verkäufer. obr um tarifdiskussionen hert men lei eps von do industrie oder von die londesbeamten!

FlorianEgger
FlorianEgger
Neuling
3 Tage 11 h

Dazu sollte auch gesagt werden, daß der Endverbraucher wesentlich mehr bezahlen muss, wenn Produzent 100 Euro mehr Nettolohn bezahlt, und ebenso der Frächter und der Großhändler, und wieder ein Frächter und der Zwischenhändler, und wieder ein Frächter und der Detailhändler,…..

M.A.
M.A.
Grünschnabel
3 Tage 8 h

Lohnerhöhung könnte auch in Form von Einkaufs und Tankgutscheinen oder sonstigen Benefits sein. Kostet dem Arbeitgeber weit weniger, kann alles absetzen und der Arbeitgeber hat mehr davon..Oder?

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