Von: apa
Der Chef des staatlichen Ölkonzerns der Vereinigten Arabischen Emirate (ADNOC), Sultan Ahmed Al Jaber, hat vor drastischen und langfristigen Folgen durch die Angriffe auf sein Land im Zuge des Iran-Krieges gewarnt. Bei einer Veranstaltung des US-Thinktanks Atlantic Council betonte er zudem den weltweit enormen künftigen Energiebedarf, der unter anderem durch den Vormarsch Künstlicher Intelligenz (KI) massiv angetrieben werde.
Al Jaber, der neben ADNOC auch dem Energie-Investmentunternehmen XRG vorsteht und Industrieminister der Emirate ist, verurteilte die jüngsten Drohnen- und Raketenangriffe, die auch zivile Ziele wie das Kernkraftwerk Barakah trafen. Der Angriff sei illegal und unprovoziert gewesen, sagte Al Jaber. “Egal, ob direkt oder durch Stellvertreter ausgeführt, dies war ein terroristischer Akt.” Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges und der Sperre der Straße von Hormuz seien enorm. “Selbst wenn dieser Konflikt morgen endet, wird es mindestens vier Monate dauern, um wieder auf 80 Prozent der Vorkonflikt-Mengen zu kommen, und die vollen Mengen werden nicht vor dem ersten oder sogar zweiten Quartal 2027 zurückkehren”.
Minister: Ölreserven wieder auffüllen
Im Hinblick auf die strategischen globalen Ölreserven warnte der Energiemanager vor gefährlich niedrigen Beständen. In nur zwei Monaten habe die Welt rund 250 Millionen Barrel aus den Speichern entnommen. “Wir haben eine effektive Deckung von 30 bis 35 Tagen. Wir müssen das zumindest verdoppeln”, forderte er einen raschen Wiederaufbau und Investitionen in die Reserven.
Trotz des globalen Wandels werde der Durst nach fossilen Brennstoffen hoch bleiben, weshalb alle Energieformen wichtig bleiben würden. Der weltweite Ölbedarf werde “auch in den 2040er-Jahren noch deutlich über 100 Millionen Barrel pro Tag” liegen. Ein wesentlicher und bisher zu wenig beachteter Treiber für den künftigen Stromhunger sei die Technologiebranche: “Die Welt unterschätzt, wie energieintensiv die KI-Revolution sein wird”, betonte Al Jaber. Der Strombedarf globaler Rechenzentren werde sich schon bis zum Ende dieses Jahrzehnts voraussichtlich verdoppeln, so Al Jaber, der auch Technologieminister der VAE ist.
ADNOC ist Kernaktionär der OMV
Für Österreich ist die Entwicklung bei ADNOC von besonderer strategischer Bedeutung: Der staatliche emiratische Öl- und Gaskonzern ist mit 24,9 Prozent der zweitgrößte Kernaktionär der heimischen OMV. XRG und die OMV haben erst in diesem Frühjahr den neuen Kunststoff-Giganten Borouge International gebildet. Dafür wurden die bisherige OMV-Tochter Borealis und Borouge zusammengelegt sowie das kanadische Unternehmen Nova Chemicals integriert, um einen globalen Marktführer für Polyolefine zu schaffen.




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