Wie in Wien

AFI bringt “Berufswanderkarten” für Südtirol ins Spiel

Freitag, 03. Juli 2026 | 07:55 Uhr

Von: luk

Bozen – Der Südtiroler Arbeitsmarkt steht durch Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, den demografischen Wandel und den Klimawandel vor tiefgreifenden Veränderungen. Das AFI (Arbeitsförderungsinstitut) schlägt deshalb vor, das Modell der sogenannten „Berufswanderkarten“ nach dem Vorbild der Arbeiterkammer Wien auch in Südtirol zu prüfen.

Die Berufswanderkarten sollen Beschäftigten den Wechsel von Berufen mit unsicheren Zukunftsaussichten in gefragte Tätigkeiten erleichtern. Sie zeigen auf, welche vorhandenen Kompetenzen bereits für einen neuen Beruf genutzt werden können und welche zusätzlichen Qualifikationen erforderlich sind. Ziel ist es, den Einstieg in Zukunftsberufe zu erleichtern, ohne dass Betroffene ihre Ausbildung komplett neu beginnen müssen.

Nach Ansicht des AFI braucht Südtirol jedoch ein eigenes Modell, das auf die heimische Wirtschafts- und Bildungslandschaft zugeschnitten ist. Dafür müssten gefährdete Berufe und künftige Fachkräfteengpässe frühzeitig erkannt sowie passende Aus- und Weiterbildungsangebote entwickelt werden.

Als positives Beispiel nennt das Institut die Möglichkeit für Quereinsteiger in der Elektrotechnik, sich bereits erworbene Berufserfahrung anrechnen zu lassen und berufsbegleitend einen Lehrabschluss nachzuholen. Solche modularen Qualifizierungswege sollten künftig ausgebaut werden.

Neben einer besseren Anerkennung vorhandener Kompetenzen fordert das AFI auch finanzielle Unterstützung für Umschulungen. Weiterbildung müsse zeitlich und finanziell so abgesichert werden, dass Beschäftigte ihren Lebensunterhalt sichern können. Gleichzeitig brauche es flexible Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen, damit diese Mitarbeitende für Qualifizierungsmaßnahmen freistellen können, ohne den Betriebsablauf zu gefährden.

AFI-Präsident Stefano Mellarini betont, dass der Strukturwandel am Arbeitsmarkt nur gelingen könne, wenn Arbeitnehmer bei der beruflichen Neuorientierung nicht allein gelassen werden. Weiterbildung sei der Schlüssel für die Zukunft, dafür müssten öffentliche Hand und Unternehmen gemeinsam die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.

Bezirk: Bozen

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