Von: apa
Der steirisch-deutsche Halbleiter- und Lichtkonzern ams-Osram ortet großes Potenzial im Geschäft mit Komponenten für Augmented-Reality-Brillen. “Die Funktionen von AR-Brillen sind vielfältig. Wir denken, dass sie in der Zukunft für viele Menschen zum täglichen Begleiter werden”, sagte Vorstandschef Aldo Kamper vor Journalistinnen und Journalisten in Wien. Auch im Bereich hochauflösender Scheinwerfer, wo ams-Osram bereits etabliert ist, erwartet er sich Zuwächse.
Schon jetzt liefert der Konzern Sensorelemente an Hersteller von AR-Brillen, wenn auch in “überschaubarem” Ausmaß. Mittelfristig werde der Markt stark wachsen. Kamper hält es für denkbar, dass Anfang der 2030er-Jahre weltweit gut 50 bis 100 Millionen Stück pro Jahr verkauft werden, ab der Mitte des Jahrzehnts möglicherweise noch mehr.
AR-Brillen erweitern reale Umgebung
Im Kern geht es bei AR-Brillen darum, die reale Umgebung für die Nutzerinnen und Nutzer zu erweitern und bestimmte Informationen ins Gesichtsfeld zu projizieren. Potenzielle Funktionen sind etwa Navigation, die Gesichtserkennung durch eingebaute Kameras sowie die Überwachung von Vitalparametern. “Jeder wird diese Brillen unterschiedlich nutzen, den Möglichkeiten sind hier wenig Grenzen gesetzt”, sagte der Manager.
Als weiteres Geschäftsfeld, das für ams-Osram an Bedeutung gewinne, hob der CEO digitale Photonik bzw. “intelligente” LED-Technologien hervor, die etwa in der Unterhaltungsbranche oder in Fahrzeugen zum Einsatz kommen, wo sie für mehr Sicherheit sorgen sollen. Aktuell bringen diese “intelligenten” Scheinwerfertechnologien Erlöse im zweistelligen Millionenbereich, für das Jahr 2028 peilt Kamper mehr als 100 Mio. Euro Umsatz an. Zukunftschancen ortet das Unternehmen darüber hinaus in Lasersystemen für den Rüstungssektor, wo man ebenso mit weiterem Wachstum rechne. Momentan seien die Umsätze in der Sparte “Defense” allerdings noch ausbaufähig.
Standort Premstätten steht “nicht zur Debatte”
Der Standort in Premstätten in der Steiermark spiele bei den strategischen Überlegungen trotz des unlängst verkündeten Deals mit Infineon jedenfalls weiter eine tragende Rolle, betonte Kamper. Bis 2030 investiert der Konzern wie berichtet 600 Mio. Euro in den Ausbau seines dortigen Halbleiterwerks, wovon bereits mehr als die Hälfte geflossen sind. Schon deshalb stehe dessen Zukunft “nicht zur Debatte”. Der Mitarbeiterstand werde sich bis dorthin von aktuell 1.450 auf 1.550 erhöhen – und das trotz jener 70 Personen, die im Rahmen des Teilverkaufs künftig bei Infineon tätig sein werden.
ams-Osram hatte das Automotive-, Industrie- und Medizinsensorgeschäft unlängst für 570 Mio. Euro an Infineon veräußert, das Closing soll bis Mitte des Jahres erfolgen. Mit dem Deal wandern rund 200 Mio. Euro Jahresumsatz zu Infineon, das sind 20 Prozent der von dem aus Premstätten gesteuerten Geschäftsbereich erzielten Erlöse bzw. in etwa 30 Prozent der Erträge. Jene Entwickler von ams-Osram, die zu Infineon wechseln, sollen aber in den kommenden Jahren schrittweise ersetzt werden, erklärte Kamper. Außerdem blieben bisherige Kernbereiche des Unternehmens wie Sensorik für Smartphones wichtige Grundpfeiler, auch wenn man dort langfristig geringere Wachstumsraten als in den neuen Feldern erwarte, so Kamper.
Schuldenlast sinkt
Der Unternehmenschef sprach hinsichtlich des Verkaufs an Infineon von einem “chirurgischen Eingriff”, um die Gruppe stabiler aufzustellen und die Entschuldung – ams-Osram sitzt nach Rückschlägen wie dem Absprung eines Großkunden auf einem Schuldenberg von rund 2 Mrd. Euro – voranzutreiben. Mit der Veräußerung fällt davon rund ein Drittel weg, außerdem werde die Zinslast durch das damit einhergehend bessere Rating reduziert. Die jährliche Schuldenlast soll sich damit innerhalb der nächsten zwei Jahre von 300 Mio. auf 150 Mio. Euro halbieren.




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