70 Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung geht über die Alpen

ANITA: Für einen nachhaltigen und umweltverträglichen Transport über den Brenner

Freitag, 27. April 2018 | 17:56 Uhr

 

Bozen – ANITA, ANFIA und UNRAE haben den institutionellen Stakeholdern und der Presse ihre Vorschläge und Lösungen für einen wirtschaftlich effizienten und umweltverträglichen Warentransport über den Brenner vorgestellt.

70 Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung geht über die Alpen und der Brenner ist Basis für die Exporte zu den bedeutenden Märkten im Zentrum und Norden Europas. Es braucht deshalb eine gemeinsame Transportpolitik im Alpenraum, die Umweltbedürfnisse mit Wirtschaftlichkeit vereinbart.

“Einseitige Initiativen, wie die in Tirol eingeführte Blockabfertigung, sind nicht nur wettbewerbsverzerrend und EU-rechtswidrig, sondern sie haben auch kontraproduktive Auswirkungen auf das Stauaufkommen und den Schadstoffausstoß, wie die langen LKW-Schlangen in Tirol an den Tagen mit Fahrverbot zeigen. Zudem sind sie auch ein soziales Problem für die LKW-Lenker“, erklärte ANITA-Präsident Thomas Baumgartner.

„Bereits derzeit ist der kombinierte Warentransport eine weit verbreitete Lösung, auf die es sicherlich noch stärker zu setzen gilt, allerdings ist es einschränkend und kurzfristig auch unrealistisch zu glauben, dass die einzige Lösung für einen nachhaltigen Warentransport im alpinen Raum in der Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf der Schiene liegt.“

“Die Verringerung der negativen Auswirkungen des Warentransports kann nicht rein über die Verlagerung erfolgen, sondern kann im Einklang mit dem grundlegenden Prinzip des freien Warenverkehrs erreicht werden“, so Baumgartner weiter, der die Lösungsvorschläge von ANITA vorgestellt hat: Abschaffung des Nachtfahrverbotes und der Blockabfertigungen; ROLA auch für PKWs; Gleichstellung des Transitverkehrs mit dem Ziel- und Quellenverkehr in der EUREGIO; Stärkung und Erhöhung der Verladeterminals; öffentliche Anreize für den intermodalen Verkehr und Verbesserung der Qualität der Dienstleistung; alternative Antriebsmethoden für die Schwerfahrzeuge (wie z.B. Flüssigerdgas); Verbreitung der Motoren der neuesten Generation (Euro VI); innovative Lösungen für die Optimierung des Transports, wie autonome Fahrweise in Platooning oder die erweiterte Kombination der Lasten wie Ökokombi.

Aus der Sicht der Hersteller erklärte Pierre Lahutte, ANFIA – Brand President IVECO: “Heute sind die Herstellerfirmen mehr als je zuvor dazu aufgerufen, Lösungen zu finden, um eine Produktpalette anzubieten, die einerseits die immer strengeren Umweltauflagen und andererseits die immer komplexeren Bedürfnisse des Transports, sowohl für die Langstrecke, u.a. im Alpenraum, als auch für die Kurzstrecke im lokalen und urbanen Bereich erfüllt.

Flüssigerdgas – so Pierre Lahutte weiter – ist im Moment die einzig konkret vorhandene Technologie, die sofort eine Reduzierung der Emissionen ermöglicht. Im Fall von Biomethangas würde dies – lt. well to wheel Parameter – zu einer Reduzierung von fast 110.000 Tonnen/jährlich an CO2 Emissionen führen, im Vergleich zu einer gleichwertigen Dieselmotorisierung. In diesen Zusammenhang nimmt die Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Logistikunternehmen und Institutionen eine strategische Rolle ein, um die Energiewende. Die italienische Automotivebranche will dabei nicht nur Zuschauer sondern Darsteller sein, indem dem Warentransport, insbesondere für umweltsensible Zonen, wie den Alpenraum, sofort umsetzbare Lösungen angeboten werden“.

Franco Fenoglio, Präsident der Sektion Industriefahrzeuge des Verbandes UNRAE, ist überzeugt, dass “das nationale und europäische Transportwesen immer stärker auf den intermodalen Verkehr setzen wird, in diesem Zusammenhang aber das Industriefahrzeug auch weiterhin aufgrund seiner Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit für die gesamte Logistikkette eine fundamentale Rolle spielen wird. Dies beweist die Tatsache, dass in Europa 78 Prozent der Waren auf der Straße transportiert werden“.

Präsident Fenoglio weiter: “In unserem Land, wo mehr als 64,8% der Fahrzeuge den Klassen Euro 0, I, II, III angehören (d.h. sie haben einen Altersdurchschnitt von mehr als 11 Jahren, höher als in den anderen europäischen Ländern), wäre eine Erneuerung des Fuhrparks dringend notwendig.

Die Hersteller der Industriefahrzeuge haben hohe Summen investiert, um dem Markt Fahrzeuge der letzten Generation (Euro VI, LNG, CNG, Hybrid…) anbieten zu können. Dadurch ist ein Qualitätssprung sowohl im Bereich der Umweltverträglichkeit als auch der Wirtschaftlichkeit, aber auch bei der Sicherheit auf der Straße möglich.“

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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2 Kommentare auf "ANITA: Für einen nachhaltigen und umweltverträglichen Transport über den Brenner"


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heinold
heinold
Grünschnabel
27 Tage 2 h

70% der italienischen Wirtschaftsleistung geht über den Brenner! Also nur 30% bleiben im Lande? Wenn es so wäre, bräuchten wir uns nicht zu wundern daß es uns so schlecht geht! Oder ist es etwa anders rum?

Mentar
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Neuling
25 Tage 5 h

Die Kraftfahrzeuge müssten nach Schadstoffemissionen Maut bezahlen. Elektro-LKW 0 Euro, Erdgas etwas mehr usw. Die Entlastungen auf der einen Seite müssten dann den “Schadstoffschleudern” aufgebürdet werden, damit unterm Strich weniger Umweltbelastung für die Anwohner bei gleichbleibenden Mautgebühren für die Frächter herauskommt.

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