… aber ohne Bauern keine Zukunft – Kommentar

Arme Bauern, reiche Bauern

Donnerstag, 15. Februar 2024 | 01:50 Uhr

Bozen – Die Bauern haben bei gar einigen Südtirolern keinen leichten Stand. Von ihnen wird gesagt, dass sie sich mit Äpfeln und Wein dumm und dämlich verdienen, alle nur möglichen Beiträge abgreifen, kaum Steuern zahlen, unzählige Privilegien genießen und sich aufgrund ihres politischen Einflusses im Land so benehmen, als gehöre es ihnen allein.

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Das mag für Einzelfälle und einige Großbauern zutreffen, aber die meisten Südtiroler wissen, dass vielen Bauern große Sorgen plagen. Hohe Energiekosten, die ausufernde Bürokratie und die vor allem in der Berglandwirtschaft zu geringen Erlöse lassen nicht wenige Landwirte an ihrer bäuerlichen Zukunft verzweifeln. Nicht wenige von ihnen versuchen, sich mit einem Nebenerwerb und der touristischen Vermietung von Wohnungen und Zimmern über Wasser zu halten, aber bei allem Idealismus ist diese Doppel- und Dreifachbelastung kaum zumutbar. Wer kein Licht am Ende des Tunnels mehr sieht, auf seinem Hof keine Familie gründen kann und einen Zwölf-Stunden-Tag ohne Urlaub und freie Wochenenden nicht mehr zu stemmen vermag, gibt auf. Auch im reichen Südtirol werden Höfe aufgelassen.

sbb

Hinzu kommt der Glaube Brüssels, dass die Landwirte, ihre Traktoren und ihre Kühe schuld am Klimawandel seien. Viele Bauern fürchten zu Recht, dass der Kampf gegen die Erderwärmung auf ihrem Rücken ausgetragen werden soll. Die schiere Angst um die eigene Existenz treibt die Bauern, die sonst so gar nicht zu öffentlichen Demonstrationen neigen, mit ihren Traktoren auf die Straße. Ihnen geht es in ihrer übergroßen Mehrheit nicht um die Wahrung von Privilegien, sondern um die Zukunft ihrer Betriebe. Dabei zeigen sie auch auf, dass am Ende nicht „nur“ die Bauern, sondern auch die Konsumenten – also wir alle – die großen Verlierer sein werden.

sbb

In Südtirol gibt es zwar noch genug Bauern, die wenig Grund zur Klage haben, aber viele heimische Bauern werden sich allein schon aus Solidarität mit ihren italienischen und europäischen Kollegen an den Protesten beteiligen. Denn es gilt, dass es zwar reiche und arme Bauern, es ohne Bauern aber keine Zukunft gibt.

Von: ka

Bezirk: Bozen

Kommentare

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26 Kommentare auf "Arme Bauern, reiche Bauern"


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Corones
Corones
Neuling
1 Monat 30 Tage

Die EU könnte einfach die minium Preise festlegen, statt Förderungen an Grossbauer verschenken.

Faktenchecker
1 Monat 29 Tage

Du könntest direkt beim Bauern kaufen, nicht beim Sottocosto -Discounter.

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 29 Tage

.
Das hat im letzten Jahrhundert schon mal nicht funktioniert.
Warum denkst du, dass es diesmal klappen könnte?
Zahlt faire Preise, am besten im Hofladen oder auf dem Markt, dann haben die Bauern und nicht der Handel etwas davon.

Staenkerer
1 Monat 29 Tage

@Look_at_Yourself solog im hoflodn und aufn bauernmorkt de produkte gleich teuer und teurer sein als im fochhondl und beim discounter bring sell meiner geldtasch a nix!

Wohlzeit
Wohlzeit
Superredner
1 Monat 29 Tage

Deiner Brieftasche mag es vielleicht nichts bringen, aber deinem Gaumen und deiner Gesundheit sehr wohl. Schau mal nach, wie groß dein Steak aus dem Supermarkt nach dem Braten noch ist und jenes vom Bauernhof?

Faktenchecker
1 Monat 29 Tage

@doolin kauft nur sottocosto?

Staenkerer
1 Monat 29 Tage

@Wohlzeit wer konn mit garantie sogn das es obst aus ondre regionen, EUländer, no mehr gspritzt isch?
wer behauptet das es gemüse dort no mehr gedüng isch?
wer dorf behaupten das überoll, außer in südtirol, mehr antibiotika im fleisch steckt?
blei als vorteil allso lei der kurze lieferweg, ober den gleich i mit wieniger essn aus, denn
wieniger essn = wieniger einkauf mocht a wieniger lieferweg, tuat zusätzlich mein gewicht guat wos wieder meiner gsundheit zu gute kimmt!
also, nix mit gsundheitsschadn, lei weil i unsren bauern nit ihr überteuertes zuig obkaf!

Oswi
Oswi
Grünschnabel
1 Monat 28 Tage

@staenkerer, du kaufst nicht dem Bauern überteuertes Zeug ab sondern dem Geschäft und den Lieferanten. Der Bauer kriegt einen lächerlichen Preis für seine Ware. Z. Info, ich bin kein Bauer, aber ich informier mich über Dinge die mir wichtig sind. Ich kaufe gerne und alles was ich kann beim Bauer.
Du kannst Zeug gerne vom Ausland kaufen, gesünder ist es sicher nicht, denn es wird überall gedüngt und gespritzt!!!

Staenkerer
1 Monat 28 Tage
@Oswi les es obere des i gschriebn honn: auf INSRE bauernmorkt und in de hofladelen, also DIREKT VOM BAUER isch de GLEICHE WARE zum teil teurer wie im fochhondl und beim diskaunter! warum soll i nor teures gemüse und obst kafn? lei weil insre bauern nit wissn wos verlongen oder, wenns sell des teurer sein nit erklärt, weils auf den goldenen boden südtirols gewochsn und mitn goldenen wosser gossn werd? oder wellt es olle nit-südtiroler-bauern für blöd erklären de ihre ware dem fochhondl und in de discounter zu an preiß liefern das de es, trotz verdienstspanne, no billiger oder gleich… Weiterlesen »
Oswi
Oswi
Grünschnabel
1 Monat 28 Tage

@staenkerer, glaubst du wirklich der Handel würde es zulassen das am Bauernmarkt die Preise niedriger sind als im Geschäft!

Oracle
Oracle
Kinig
1 Monat 27 Tage

@Staenkerer…. ich gehe davon aus, wir haben in der Eu die höheren Lebensmittelproduktionstandards! Bestimmte Dinge zu fordern (fast bzw. Abschaffung des Pestizideinsatzes) würde nur bedeuten, dass die Produktion vieler Lebensmittel in der Eu fast unmöglich wäre, dafür müßte man alles vom Ausland importieren, wo wir nichts kontrollieren können und wo andere dort die Produktionsregeln geben. Ob das die linksgrünen Idealisten wohl bedacht haben? Nach dem Motto “aus den Augen aus dem Sinn”? … aber schlussendlich überhaupt nicht besser?

Staenkerer
1 Monat 27 Tage

@Oswi sell wern de gschäfte kaum zu bestimmen hobn!
wenn nit der profitgier de bauern dazua treib, kannt i mir schun eher vorstelln das der bauernbund den bauern de preiße vorgebn, damit der verbraucher nit mitkimmt wieviel de genossenschoftn schun obsahnen und weiterhin den händlern den schworzn peter der preißtreiberei zuaschiebn zu können!
ober, egal wie: i sichs nit ein das i ban produzent a produkt gleich teuer und teurer kafn soll als noch 2, 3, 4 zwischnhändler!

Staenkerer
1 Monat 27 Tage
@Oracle du redsch im erstn sotz von der EUnorm und EUkonntrolle und i red darüber das man zb. fleisch vom trentino, salot von der poebene oder von spanien, spargeln von grichenlond und onderes obst von mittel/ südtitalien oder ondre EUländern, des allso olles a der gleich EU norm und den gleichn EU konntrolln unterworfn, billiger isch als des, des von insre bauern kimmt! hoaßt für mi allso, do de bauern in ondre regionen, stootn a orbeitn müaßn, spesn hobn, obgobn hobn, spritzn und düngen müßn und pech mitn wetter, hobn kennen, kroftfutter und medikamente gebn, gleich wie insre bauern, so… Weiterlesen »
montechristo
montechristo
Tratscher
1 Monat 28 Tage

Kann das nicht mehr hören. Es gibt auch arme und reiche Handwerker und Touristiker. Da gibt es auch viel Bürokratie und vor allem zahlen sie Steuern.. aber keiner würde auf die Idee kommen zu demonstrieren. Oder ist irgendeiner auf die Barrikaden gegangen also die Investitinsförderungen (waren eh die einzigen) weitgehend abgeschafft wurden.
Was mir aber noch mehr auf den Sack geht, ist die Behauptung: die Bauern zahlen viele Steuern. Das ist schlichtweg falsch. Es wäre schonmal an der Zeit, dass der Bauernbund ofiziell verlautbaren lässt, dass Bauern so gut wie keine Einkommenssteuern bezahlen! Dann glauben die Genossen es vielleicht auch mal!

Oberjoggler
Oberjoggler
Tratscher
1 Monat 28 Tage

@montechristo des Öfteren schon erwähnt, es geht nicht nur um die Einkommensteuer (IRPEF und alles, was dazu gehört), sondern auch um jede Menge andere Steuern. Taxfree Area gilt im Übrigen für alle. Kleines Beispiel: es gibt Gemeinden, in denen der Großteil der ex. ICI bzw. jetzt GIS von den Bauern aufgebracht wird (Steuer auf die Immobilien der Obst- bzw. Kellereigenossenschaft). Fairerweise sollten diese Steuern auch “berücksichtigt” werden, nicht immer nur die Steuer auf Einkommen…

CK
CK
Neuling
1 Monat 27 Tage

Montechristo: der Handwerker und der Touristiker können auch mit dem Preis für ihr Produkt bzw. ihre Dienstleistung hochfahren wenn die Kosten steigen. Beim Bauern klappt das aufgrund der Agrarpolitik der EU leider nicht. Kann man so nicht vergleichen!
Der selbe Grund würde beim Thema Einkommenssteuer dazu führen dass die meisten kleinen Betriebe sterben würden und sich alles in wenige große verschieben würde. …und das nicht zum Wohle der Gesellschaft!

l OneManArmy l
l OneManArmy l
Universalgelehrter
1 Monat 26 Tage

@CK genau andersrum.
einkommenssteuer bei wenig einkommen ist 0, bis sehr wenig.
die reichen zahlen viel, die armen nichts oder wenig.

es gleicht das nettoeinkommen an, und zwar von oben nach unten.

Ti_75
Ti_75
Neuling
1 Monat 29 Tage

“Die EU” könnte, sollte, müsste… Die EU setzt um was die nationalen Regierungen entscheiden… Und dort wurde vor allem von DE und FR entschieden das Agragrsubventionen über einen Flächenschlüssel vergeben werden… Je größer der Betrieb desto mehr Subventionen… Und die kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betriebe haben in ganz Europa das nachsehen…. Würden die Subventionen über Qualität, Tierwohl und Nachhaltigkeit vergeben würde die Agrarindustrie das Nachsehen haben…

TirolerSued
TirolerSued
Superredner
1 Monat 29 Tage

tiaz lei fleißig der EU nochrennen. der Verein gheret sofort obgschoft. Nit EUROPA sondern die EU

Apuleius
Apuleius
Tratscher
1 Monat 27 Tage

@TirolerSued ah, du kimmsch amol so richtig mit, gell?

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 27 Tage

@TirolerSued
…die Bauern kriegen die meisten EU-Beiträge…

l OneManArmy l
l OneManArmy l
Universalgelehrter
1 Monat 29 Tage

reiche sollten steuern zahlen, arme nicht.
so wie jeder andere auch.
wieso die keine einkommenssteuer zahlen müssen, das land aber trotzdem über 60% der hagelversicherung übernimmt, erschließt sich mir nicht

Wohlzeit
Wohlzeit
Superredner
1 Monat 26 Tage

auch in anderen Branchen gibt es Betriebe, die unrentabel sind und Folge dessen schließen müssen, weil sie keine Förderungen erhalten.

Pasta Madre
Pasta Madre
Superredner
1 Monat 25 Tage

Der Bauer ist der Verlierer und der Händler der Gewinner.

PJNY
PJNY
Neuling
1 Monat 25 Tage

Ich muss ehrlich sagen ich habe die Diskussion noch nie verstanden.
Wieso nicht einfach, wie bei jedem Betrieb eine normale Ausgabe ind Einahme Rechnung machen und dann auf dem Gewìnn Steuern zahlen. Müssen doch alle. Wo ist bitte das Problem. Wenig Gewinn = wenig Steuern, viel Gewinn = mehr Steuern.
Logisch das der Viehbauer mit 10 Kühen oder 1 ha Wiese dann fast 0 Steuern bezahlt.
Aber der mir zb 30 Kühen oder 5 ha wiesen halt mehr..
Ein kleines Geschäft muss doch auch Steuern bezahlen und hat es nicht einfach..

giftzwerg
giftzwerg
Tratscher
1 Monat 25 Tage

Hast recht ,und die 5 tagewoche und 6 Wochen urlaub…..

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