"Polemik führt zu nichts"

ASGB: “Suspendierungen können nicht das Mittel zum Zweck sein”

Mittwoch, 14. Juli 2021 | 12:30 Uhr

Bozen – Der Vorsitzende des Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbundes (ASGB), Tony Tschenett, zeigt sich überrascht über die Forderung des Arbeitsrechtlers und Vorsitzenden der SVP-Wirtschaft, Josef Tschöll, dass Arbeitgeber zukünftig ermächtigt werden sollten, ungeimpfte Mitarbeiter zu suspendieren.

Tony Tschenett warnt davor, die Schuldigen nur bei den Arbeitnehmern zu suchen. Es gebe auch genügend Betriebsinhaber, die bis dato nicht geimpft seien. “Was sollte mit denen passieren? Wenn man konsequent die Forderung von Tschöll weiterspinnen würde, sollte man denen den Betrieb zusperren?”

„Ich denke, dass Polemik in dieser Phase zu nichts führt. Wir müssen gemeinsam überlegen, wie wir das Aufkeimen einer vierten Welle unterbinden bzw. diese abschwächen können. Natürlich ist die Durchimpfung der Gesellschaft eine conditio sine qua non, um dieses Ziel zu erreichen. Aber durch Drohgebärden erreichen wir gar nichts – das hat man bereits bei jenen Betroffenen gesehen, die trotz Impfpflicht im Sanitäts- und Betreuungsbereich die Suspendierung in Kauf genommen haben. Für mich erweckt es den Anschein, als wolle man für die sich anbahnende vierte Welle bereits heute die Schuldigen suchen: nämlich die Lohnabhängigen, die sich nicht impfen lassen wollen“, so Tschenett.

Dabei sei die Situation viel komplexer. Angefangen bei den Feierlichkeiten, die nach jedem Sieg der italienischen Nationalmannschaft stattgefunden haben und in deren Rahmen jegliche Verordnungen und Regeln ignoriert wurden: „Die Menschen, die bislang ungeimpft sind, lassen sich nicht pflanzen. Einerseits sehen sie tausende Fußballfans, die ausgelassen den Sieg ihrer Mannschaft feiern, als hätte es Covid-19 nie gegeben, andererseits sollen sie als Sündenböcke für zukünftige Wellen herhalten. Ich denke, wir müssen uns viel stärker auf Aufklärung und Informationskampagnen fokussieren. Impfbusse sind gut und recht und eine nette Idee, die beansprucht aber kein Impfzweifler. Ich plädiere für massive Informationskampagnen, die in jeder Gemeindestube stattfinden sollen und in deren Rahmen wirkliche Fachleute den Menschen Rede und Antwort stehen“.

Der ASGB-Chef spricht in diesem Zusammenhang auch den Arbeitskräftemangel an. „Ich gehe davon aus, dass Josef Tschöll bewusst ist, dass Suspendierungen viele Betriebe vor einen Personalnotstand stellen würden. Adäquater Ersatz ist kurzfristig auch nicht unmittelbar zu finden. Wollen wir die Situation wirklich nochmal verschlimmern? Wir sehen ja im Südtiroler Sanitätsbetrieb und in den Seniorenheimen wer die wirklich Leidtragenden der Suspendierungspolitik sind: jene, die sich ihre Impfung abgeholt haben und nun Überstunden schieben müssen, weil Personalmangel in den Strukturen herrscht“, so Tschenett, der darauf pocht, Initiativen zu setzen, die den Zusammenhalt der Gesellschaft stärken und nicht noch stärker die Gesellschaft auseinanderzudividieren.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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5 Kommentare auf "ASGB: “Suspendierungen können nicht das Mittel zum Zweck sein”"


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Orch-idee
Orch-idee
Superredner
21 Tage 2 h

Herr Tschenett sie haben vollkommen recht.. 👍

Der letzte Satz ist besonders wichtig 👏

KingCrimson
KingCrimson
Tratscher
21 Tage 52 Min

Ihnen ist aber schon klar, dass ein Arbeitgeber u.U. haftet, wenn er nicht für sichere Arbeitsumgebung sorgt? Wie glauben Sie kann er das garantieren, wenn nicht mittels Impfung? Jeden Tag ein Test?

thomas
thomas
Universalgelehrter
21 Tage 4 h

wie gewohnt eine glasklare Analyse, bravo Tony Tschenett!

Waiby
Waiby
Tratscher
20 Tage 21 h

Na nix bravo

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
20 Tage 6 h

Soforrige Entlassung einführen. Nur weil Arbeitnehmer glauben sie haben nur Rechte ist es an der Zeit die die nicht wollen den Platz anderen überlassen!

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