Bedingungsloses Grundeinkommen erreicht Südtirol – ein Kommentar

Ausweg oder Irrweg?

Donnerstag, 03. Mai 2018 | 08:00 Uhr

Bozen – Noch vor wenigen Jahren wurden die Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) belächelt oder gar als Spinner gescholten, aber seit weltweit Globalisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt immer mehr Abgehängte schaffen, gerät die wahlweise auch Bürgergeld oder Staatsbürgerschaftsgeld genannte Idee ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Während in Finnland mit dem BGE bereits experimentiert wird und in Italien mit dem Versprechen eines „Staatsbürgerschaftsgelds“ bereits eine Wahl gewonnen wurde, steckt in Südtirol die Diskussion noch in den Kinderschuhen. Aber gerade zum ersten Mai ließ die Gewerkschaft AGO mit der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen aufhorchen.

Sowohl von öffentlicher Seite als auch im Kommentarbereich musste die Gewerkschaft viel Prügel einstecken. Neben dem Vorwurf, dass es sich beim BGE um ein unfinanzierbares, wenig durchdachtes Luftschloss handelt, sahen sich die Befürworter auch dem Verdacht der Faulheit ausgesetzt.

Reuters

Aber wäre ein Nachdenken nicht besser angebracht? Nördlich und südlich von uns werden Robotisierung und Digitalisierung die Arbeitswelt umkrempeln. Verschiedene Berufe werden wegfallen, manche Arbeiten von Maschinen übernommen und auf der anderen Seite neue „digitale Arbeitsplätze“ geschaffen werden. Ganz gleich, ob unterm Strich mehr oder weniger Arbeitsplätze herauskommen, werden viele besonders ältere Arbeiter und Angestellte mit dem Wandel nicht mitkommen. In diesem Fall könnte BGE die Härten der Umwälzungen abfedern und gleichzeitig in abgehängten Regionen die Armut lindern und die Wirtschaft wieder in Gang bringen. In Südtirol mag heute Vollbeschäftigung herrschen, aber viele Arbeitnehmer kommen mit den Lebenshaltungskosten nicht mehr mit. BGE könnte deren Einkommen aufstocken, ohne für die Unternehmen die Arbeitskosten zu erhöhen.

Wie immer liegt also der Teufel im Detail und es ist immer eine Frage, wie das BGE angewandt werden soll. Aber die Idee von vornherein als Spinnerei zu verwerfen, hilft weder den Arbeitnehmern noch dem zukünftigen Frieden.

Gerade nach dem Tag der Arbeit muss in einem Land, in dem Lebenshaltungskosten und Arbeitereinkommen immer weiter auseinanderdriften, diese Diskussion geführt werden.

Von: ka

Bezirk: Bozen

Kommentare

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26 Kommentare auf "Ausweg oder Irrweg?"


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lalala
lalala
Grünschnabel
20 Tage 10 h

Dasses olle no faulor werdn kennts

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
20 Tage 8 h

ich denke das gegenteil ist der fall. wer dazu verdient kann sich dann einen deutlich höheren standart leisten. der unterschied zwischen arbeiten und nicht arbeiten wäre dann auch sichtbar. jetzt ist es genau umgekehrt. jene die dazuverdienen verlieren anspruch an sozialleistungen und steuerbegünstigungen und unterm strich bleibt nichts übrig. also wieso arbeiten?  der niedrig und z.t der mitterllohnsektror bringt einen kaum vorteile. arbeit muss wieder an wert bekommen und einen wirklich vorwärts bringen.

enkedu
enkedu
Kinig
20 Tage 11 h

Jene, die offene Grenzen fordern sind auch für das bedingungslose Grundeinkommen. Das sagt schon alles.
Wer kann mir ein wissenschaftliches Modell bringen, dass so was aufgeht? Niemand. Das wissen Ökonomen, von den soziologischen, gesellschaftlichen Folgen ganz zu schweigen.

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
20 Tage 8 h

@enkedu
mit den offenen grenzen hast du recht.
ein model zum grundeinkommen gibt es, man muss sich nur damit beschäftigen. und nebenbei denkt jeder nur ans geld. es muss nicht geld sein mit dem das grundeinkommen finanziert wird. auch sachgüter wäre eine option. zb. wohnung, essen, strom, wasser. dann sind die 1000 euro schon aufgebraucht.

sakrihittn
sakrihittn
Superredner
20 Tage 6 h

so ist es, und nur so!

Supergscheider
Supergscheider
Grünschnabel
20 Tage 13 h

Zuerst Arbeit so hoch besteuern das der Lohn nicht zum Leben reicht dann vom Steuergeld jedem ein Grundeinkommen zu geben ist doch schier Wahnsinn.Auch das wir nur mehr hochspezialisierte Arbeitsplätze haben werden stimmt einfach nicht denn sogenante niedere Arbeiten werden nicht geachtet nur mies bezahlt und somit von Ausländern gemacht.

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
20 Tage 8 h

eine möglichkeit wäre das grundeinkommen als steuerbonus zu verrechnen. jene die kein einkommen aufweisen, wird es mit sozialleistungen verrechnet. wohnung, strom, wasser, lebensmittel usw. somit wären jenen die einkommen regenerieren bevorzugt.

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
20 Tage 1 h

Für die minusdrücker. Rechnet mal nach. Ohne Arbeit: wieviel Sozialhilfe in Euro? 6-700? Gratis Wohnung, keine kondominiumspesen, sogar gratis Elektrogeräte gibt’s, gratis Kindergarten, Mensa oder Ticketbefreiung usw. Wieviel kommt da am Ende zusammen? Weit über 1000€ im Monat. Andere arbeiten auch für weniger Lohn. Von Steuergeldern finanziert! Wieso nicht gleiches für alle?

honakoanonung
honakoanonung
Tratscher
20 Tage 19 h

Irrweg.

enkedu
enkedu
Kinig
20 Tage 11 h

Scheint die Suche der Linken Ecke nach neuen Lösungen zu sein. Die Suche selbst ist jedenfalls interessant. Überzeugend ist sie nicht.

Plodra
Plodra
Grünschnabel
20 Tage 1 h

Wenn alle 500.000 Einwohner/innen in Südtirol jeweils monatlich 750 Euro bekommen, so macht das im Jahr 4,5 Milliarden Euro aus. Der Haushaltsvoranschlag 2020 des Landes sieht 5,4 Milliarden Euro vor. Also würden 85 Prozent für das bedingungslose Grundeinkommen benötigt. Der Gesundheitsdienst allein benötigt 1,3 Milliarden Euro. Und es gibt noch allerhand sonst, das finanziert werden muss: Schule und Ausbildung, Transportwesen, Zivilschutz und Rettungsdienste, Wirtschaftsförderung, Verwaltungsapparat usw. Also muss der Ansatz wohl eher bedarfsorientiert ausgerichtet werden.

enkedu
enkedu
Kinig
19 Tage 12 h

Wo kommen die 4,5 Mrd. her? Genau. Über eine von Arbeitnehmer aller Sektoren, eine von den Rentnern, der Rest von den anderen Steuern und Abgaben.
Aber wie gesagt: der ökonomische Teil ist noch nicht alles. Der Soziologische und gesellschaftliche ist ebenso ernstzunehmen. Menschen brauchen Lebensinhalte. Sucht euch Jobs, die euch glücklich machen.

Mastermind
Mastermind
Superredner
17 Tage 5 h

Du vergisst das Bundesland Tirol nur 3.5 Mrd. braucht und mehr Leute, mehr Straßen, mehr Schulen, mehr Personal, mehr Universitäten zu unterhalten hat. Bei uns wird einfach 50% vom Haushalt verschwendet, da Politiker bei uns das 3-fache Verdienen, jeder Bürgermeister, jeder Staatsangestellte bekommt zu viel und es sind auch viel zu viele angestellt. Südtirol gibt unsinnig Geld aus, aber man wählt ja 80 Jahre SVP, man weiß im Lande, dass man machen kann was man will, es zahlen sowieso nur die Deppen oder nicht?

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
17 Tage 5 h

@mastermind
Das ist eine pauschale Aussage, die du jetzt auch belegen musst. Südtirol übernimmt viele öffentliche Einrichtungen vom Staat, die in den Haushalt einfließen. Sanität, Bildung usw. Wie sieht es in Tirol aus. Bitte ein Vergleich deinerseits, da du dich ja auszukennen scheinst

Mastermind
Mastermind
Superredner
16 Tage 2 h

@Mistermah 
http://www.provinz.bz.it/finanzen/haushalt/723.asp
https://www.tirol.gv.at/statistik-budget/landesbudget/landesbudget-20152016/landesvoranschlaege-20152016/

Tirol unterhaltet die Universitäten und Hochschulen der Bezirke Imst, Landeck, Innsbruck, Kufstein usw. selbst. Die Provinz Südtirol hat eine sehr beschränkte Auswahl an Schulen und weniger Schüler als Tirol, sowie nur eine einzige Universität die vom Land getragen wird. Des Weiteren hat das Land Tirol die ASFINAG und Südtirol die öffentliche Straßendienste, die sie selbst bezahlen und nichts vom Staat bekommen. Südtirol gibt alleine für öffentliche Angelegenheiten und dem öffentlichen Dienst den halben tiroler Landeshaushalt aus, für was? Das ist kein pauschale Aussage, sondern per öffentliche Dokumente belegt.

Mastermind
Mastermind
Superredner
16 Tage 1 h
Übrigens im Jahre 2002 war der Landeshaushalt noch 4 Mrd. und nun laut aktuellen Haushalt von 2017 sind wir bei 5,4 Mrd angekommen. Zunahme im Gesundheitsdienst seit 2002 um ganze 200 Mio. Euro und man hat in der Zwischenzeit Abteilungen geschlossen und die Sanität und deren Qualität ist gesunken! Absolute Spitze ist der Verwaltungsapparat mit mehr als 300 Mio. Zuwachs. Restliches ergibt sich aus weiteren Rückstellungen, die man Italien zu verdanken hat. Übrigens das Land Tirol listet jeden Ausgabe wie in einer doppelten Buchführung auf mit Kontotypnummer nach genormtem Raster. Herr und Frau Südtirol muss sich mit einer groben nichts… Weiterlesen »
Spitzpassauf
Spitzpassauf
Grünschnabel
20 Tage 23 h

Jawohl her damit aber bitte nur für die die schon länger hier leben

l OneManArmy l
l OneManArmy l
Superredner
20 Tage 4 h

i bin von der idee gespalten, obr uans isch sicher: Die Lebenserholtungskosten in Südtirol erreichen sologsom maße wou man leimr in kopf schitteln muas.
Besonders hervorzuheiben sein wohl die Wohungs und Grundstückkosten dei ibr 60% ibrn durchschnitt liegen. Teilweise sein si ba ins in Dort tuirer als in Berlin stadtzentrum… ibr soueppes terf man gor nit nochdenkn.

UND: insre löhne sein nia aui gongen (inflation), sondrn ollm gleich blieben auser du kreigsch a beförderung. in deitschlond passiert die inflationsounpassung automatisch.
do schlofn die gewerkschoftn ba ins uanfoch zu viel

michaelp
michaelp
Grünschnabel
19 Tage 5 h
Sobald genügend Geld für Familien und Kinder da ist und Mütter die ersten drei Jahre nach der Geburt ordentlich versorgt werden und nicht über Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld, sobald ausreichend Geld für Sanität und Infrastrukturen vorhanden ist sowie für die Bildung in allen Bereichen, dann kann man über ein solches bedingungsloses Grundeinkommen nachdenken. Ist ja lächerlich hierfür immer die nördlichen EU-Staaten wie Finnland und Schweden als Vergleich herzunehmen – erstens sind die viel reicher allein der Bodenschätze wegen und zweitens haben die alles, was ich vorher aufgezählt habe. Die haben halt ihre Hausaufgaben gemacht, was viele – und vor allem Italien… Weiterlesen »
Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
17 Tage 8 h

Es ist nicht lächerlich sich mit den besten zu vergleichen. Es ist lächerlich sich mit den schlechten zu vergleichen und dann zu sagen: was wollt ihr denn? Uns gehts ja 😊

lord schnee
lord schnee
Tratscher
18 Tage 8 h

ich hab mich nie mit dem bedingungslosen grundeinkommen beschäftigt. intressant finde ich nur, dass auf einer bestimmten ebene der wirtschaft, man könnte sie die höhere nennen, aber auch die tiefere, bedingungsloses grundeinkommen längst realisiert ist. nur dort wird es anders genannt: lassen wir das geld arbeiten zum beispiel oder jahresboni bei roten zahlen. da wird nie darüber geredet, dass dies nur möglich ist, weil ANDERE real arbeiten und reales geld verdienen.

enkedu
enkedu
Kinig
17 Tage 21 h

Du kannst es auch so sehen: alle öffentlichen haben es schon! 😂😂

Angel
Angel
Grünschnabel
17 Tage 23 h

Ich finde die Idee eigentlich ok. Wenn jeder volljährige Staatsbürger 1000 Euro bekommen würde, egal ob er arbeitet oder nicht. Sozialhilfe, Sozialwohnungen und die ganzen bürokratischen Spesen würden wegfallen. Die Wirtschaft würde angekurbelt. Dem Staat würde das günstiger ausfallen.

kleinerMann
kleinerMann
Grünschnabel
17 Tage 7 h

Sollte das bedingungslose Grundeinkommen kommen, werde ich auf der Stelle das Arbeiten lassen (zahle eh nur wie ein Blöder Steuern) und mich dann nach Asien absetzen u. dort ein genügsames Leben mit dem Grundeinkommen im Sonnenschein verbringen 🙂

Mastermind
Mastermind
Superredner
18 Tage 15 h

Dafür ist es noch 50 Jahre zu früh und benötigt, dann militärisch stark gesicherte Grenzen. So wie durch den Patriotact, wer illegal die Grenze übertretet kann erschossen werden. Falls es soweit kommt, werden sehr viele nichts mehr tun. Im Tourismus, Baugewerbe und einkommensschwache Sektoren würden man niemand mehr finden, weil man da sowieso nur arbeitet, um wieder zu arbeiten.

werner66
werner66
Superredner
17 Tage 39 Min

Das Bedingungslose Grundeinkommen gibt es schon längst. Es ist allerdings wesentlich höher und gilt nur für Politiker.
Ganz zu schweigen von deren Rente.

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