Die Arbeiten am Brennerbasistunnel schreiten voran

BBT-Betrieb 2032 wird in Frage gestellt

Dienstag, 10. März 2026 | 10:50 Uhr
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Von: apa

Der wahrscheinliche Zeitplan für das Mammutprojekt Brennerbasistunnel (BBT) – Fertigstellung 2031 und Inbetriebnahme 2032 – dürfte wieder mit einem Fragezeichen versehen sein. Während der Bau des Tunnels gut voranschreitet, sorgen die Abstimmungen in Bezug auf die bahntechnische Ausrüstung laut Basistunnelgesellschaft BBT SE für “weniger zeitlichen Spielraum”. Man wolle jedenfalls im Laufe des heurigen Jahres ein aktualisiertes Bauprogramm vorlegen, hieß es auf APA-Anfrage.

Zuvor hatte die “Tiroler Tageszeitung” von einer im Raum stehenden, möglichen erneuten Verzögerung berichtet. Dass eine solche de facto schon feststehe oder wahrscheinlich sei, wollte man seitens der BBT SE indes nicht sagen. Man verwies auf ebenjenes aktualisiertes Bauprogramm, das noch heuer stehen soll. Ursprünglich war eine Inbetriebnahme des Tunnels bereits für Ende 2028 anvisiert worden, im Jahr 2021 kam es schließlich zu einer Rückdatierung auf 2032.

Derzeit würden noch die Planungsarbeiten für die bahntechnische Ausrüstung laufen. Dazu zählen unter anderem Gleise, Stromschiene, Leit- und Sicherungstechnik, Energieversorgung sowie Kommunikations- und Steuerungssysteme. “Insbesondere werden derzeit optimierte Projektlösungen geprüft, die darauf abzielen, die maximale Verfügbarkeit des Brenner Basistunnels in der Betriebsphase zu gewährleisten”, verlautete es in dem Statement der Errichtergesellschaft. Alle Projektentwicklungen und Optimierungen im Bereich der Bahntechnik würden momentan “neu bewertet und in die Aktualisierung des Bauprogramms einfließen.

Komplexe Bahntechnik

Indes wurde aus der Mitteilung der BBT SE klar, dass die Tatsache, dass zwei Länder – Österreich und Italien – an der Durchführung des Mega-Projektes beteiligt sind, in Hinsicht auf die Bahntechnik auch so einiges an Kopfzerbrechen mit sich bringt. Da es sich um ein “grenzüberschreitendes Eisenbahnprojekt mit unterschiedlichen nationalen und europäischen Vorschriften” handle, seien die “Abstimmungen für die Betriebsphase und die bahntechnische Ausstattung sehr komplex, sodass weniger zeitlicher Spielraum vorhanden ist”, hieß es demnach.

So würden im Brennerbasistunnel “unterschiedliche Systeme zur Traktionsstromversorgung” zum Einsatz kommen. Allein daraus ergebe sich jedoch noch kein notwendiger Wechsel des Stromabnehmers. Ausschlaggebend seien vielmehr die “unterschiedlichen technischen Anforderungen” der angrenzenden Bestands- und Neubaustrecken in Österreich und Italien. Erst das Zusammenspiel dieser Systeme mache einen Wechsel des Stromabnehmers erforderlich, so die BBT SE. “Wo dieser am sinnvollsten erfolgen kann, hängt von mehreren Faktoren ab – etwa von der Fahrgeschwindigkeit sowie von eisenbahnbetrieblichen und technischen Rahmenbedingungen wie Oberleitung oder Leit- und Sicherungstechnik”, erläuterten die Verantwortlichen. Die Festlegung erfolge daher in enger Abstimmung zwischen den Infrastrukturbetreibern. Dabei werde die gesamte Verkehrsachse von München bis Verona betrachtet, um eine möglichst reibungslose und zukunftsfähige Lösung für den internationalen Bahnverkehr sicherzustellen.

Zudem hatte es geheißen, dass die Ausschreibungen für den Bau der bahntechnischen Ausrüstung derzeit vorbereitet werden. Dann würden die entsprechenden Vergabeverfahren durchgeführt.

Bau schreitet gut voran

Beim eigentlichen Bau des Tunnels kommt man indes gut voran. Bis zur Fertigstellung der beiden Haupttunnelröhren voraussichtlich noch in diesem Jahr, seien maschinell und bergmännisch nur noch wenige Kilometer vorzutreiben, teilte die BBT SE mit. Mitte September erfolgte der Durchschlag des Erkundungsstollens. Ende Oktober 2025 waren bereits 204 der insgesamt 230 Tunnelkilometer und damit 90 Prozent der Gesamtstrecke herausgebrochen.

SPÖ-Landesrat will Transparenz, FPÖ sieht “Chaos”

Die mögliche Verzögerung in erster Linie aufgrund der Bahntechnik rief unterdessen auch die Tiroler Landesregierung auf den Plan. Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ) erwartete sich von der BBT SE “vollkommene Transparenz, was die anstehenden Umsetzungsschritte und Entscheidungen betrifft”, wie er gegenüber der “TT” erklärte. Ebenso drängte er auf eine realistische Einschätzung der Inbetriebnahme, die für Tirol und die europäischen Verlagerungsziele so wichtig sei. Er hoffe, dass die entsprechenden Gremien die nächsten Projektschritte gründlich planen und die weitere Vorgehensweise grenzüberschreitend definieren, so Zumtobel.

Die Tiroler FPÖ sah unterdessen “alarmierende Meldungen” und kritisierte die “Untätigkeit” von Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) und seines “glücklosen roten Verkehrslandesrates” Zumtobel. Was seit zig Jahren als Meilenstein für den Klimaschutz und die Transitentlastung verkauft werde, entpuppt sich “immer mehr als milliardenschweres Fiasko”, meinte Verkehrssprecherin Evelyn Achhorner. Der freie Landtagsabgeordnete Georg Dornauer richtete indes einen Appell an Mattle und Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) und ließ wissen: “Wir benötigen keine Besichtigungen und schöne Pressefotos mehr, sondern handfeste Entscheidungen.”

Der seit 2007 im Bau befindliche Brennerbasistunnel ist ein reiner Zugtunnel mit einer Gesamtlänge von 64 Kilometern, der zwischen Innsbruck und dem Südtiroler Franzensfeste in Italien – hier auf 55 Kilometern – verläuft. Er gilt als Kernelement der neuen Bahnverbindung von München nach Verona. Der für Güter- und Personenzüge vorgesehene Tunnel wird laut ÖBB die “längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt” darstellen. Als Gesamtprojektkosten wurden 10,5 Mrd. Euro veranschlagt.

Bezirk: Wipptal

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