Öffentliche Ausschreibungen bereiten Handwerkern Bauchschmerzen

Bernard: „Es gibt eine klare Schmerz- und damit Existenzgrenze!“

Donnerstag, 31. Mai 2018 | 16:59 Uhr

Bozen – Die öffentlichen Ausschreibungen bereiten den Handwerkern arge Bauchschmerzen. Dieses Mal geht es um die Preise, die bei einigen Bauvorhaben dermaßen abgesenkt werden, sodass einheimische Betriebe kaum mehr Interesse an Aufträgen mit der öffentlichen Hand haben.

Bereits mehrfach sei es passiert, dass aufgrund zu hoher Projektkosten die Preise für die effektiven Arbeiten bei öffentlichen Aufträgen um 35 bis 50 Prozent gesenkt wurden. Und dies obwohl das Richtpreisverzeichnis für den Hoch- und Tiefbau vorliegt. lvh-Baugruppenobmann Markus Bernard spricht klare Worte: „Warum sollten wir weiterhin das Richtpreisverzeichnis führen, um auf Landesebene faire Preise festzulegen, wenn diese gar nicht erst zur Anwendung kommen? Drastische Preisabsenkungen bringen gefährliche Auswirkungen für den gesamten Wirtschaftskreislauf mit sich. Einheimische Betriebe können zu solchen Konditionen nämlich nicht anbieten und arbeiten. Es gibt eine klare Schmerz- und Existenzgrenze.“ Bedenken müsse man vor allem den volkswirtschaftlichen Schaden, der dadurch für die einzelnen Gemeinden entstehe: auswertige Firmen nehmen nicht nur einheimische Aufträge, sondern auch Arbeitsplätze weg, sodass eine bedeutende Wertschöpfung im Ort verloren geht. Häufig verzögern sich Projekte auch, weil provinzfremde Firmen in Konkurs gehen und die Arbeiten erneut ausgeschrieben werden müssen. Auch die Schwarzarbeit würde durch solche Abgebote ungewünschten Nährboden finden.
Bernard richtet seinen Appell vor allem an die Architekten und Planer: „Richtpreisverzeichnisse haben den Sinn und Zweck, ein Hilfsinstrument bei der Preisdefinition darzustellen. Alle bei öffentlichen Ausschreibungen beteiligten Subjekte sollten entsprechende Verantwortung übernehmen und Bauvorhaben effizient, transparent und gewinnbringend planen. Mehrkosten löst man nicht damit, indem einfach die Preise gesenkt werden.“

Architektenkammer ebenso empört

Unverständnis für derartige Preisgestaltungen äußert auch der Präsident der Südtiroler Architektenkammer Johann Vonmetz: „Die Richtpreisverzeichnisse werden im paritätischen Einverständnis offiziell genehmigt und müssen zur Anwendung kommen, ansonsten sind in der Bauphase Probleme bis hin zu Konkursen vorprogrammiert.“ Angesprochen wurden die Problematik und die Konsequenzen von drastischen Preisangeboten auch bei der gestrigen Jahresversammlung des Kollegiums der Bauunternehmer.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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3 Kommentare auf "Bernard: „Es gibt eine klare Schmerz- und damit Existenzgrenze!“"


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CH-1964
CH-1964
Grünschnabel
20 Tage 6 h

Wilkommen in der freien Marktwirtschaft. Wieso sollen für das Land andere Regeln gelten als für jeden privaten. Der Markt regelt den Preis.Geiz ist nicht immer Geil.

jefferson
jefferson
Grünschnabel
20 Tage 5 h

…” drastische Preisabsenkungen bringen gefährliche Auswirkungen mit sich “… “Einheimische Betriebe können zu solchen Konditionen nicht arbeiten ” ecc.
Wasser predigen und Wein trinken !

berthu
berthu
Tratscher
19 Tage 14 h

Die allermeisten Arbeiten werden nur über den Preis vergeben.
Das sieht man dann an unseren Straßen, die neu geteert meist den nächsten Regen nicht überleben, und die Straßenmarkierungen an Gehsteigen keine drei Monate sichtbar sind.
Qualität und Kontrolle ist da in jedem Fall “billiger”.
Nachhaltigkeit ist sowieso ein Fremdwort. Zur Verantwortung gezogen wird dann niemand, außer und wenn, nur einheimische Firmen.

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