Der Transitverkehr über den Brenner nimmt weiter zu

Brenner erneut stärker Transit-belastet als gesamte Schweiz

Donnerstag, 28. Mai 2026 | 07:24 Uhr

Von: apa

Der Brenner ist fast dreimal so stark durch den Transit von Schwer-Lkw belastet wie die gesamte Schweiz. Über den Brenner fuhren im Vorjahr 2,42 Mio. Schwerlast-Lkw, über alle vier Schweizer Alpenpässe zusammen 0,86 Mio., teilte die Mobilitätsorganisation VCÖ in einer Aussendung mit. “Der Aufschrei der Bevölkerung ist nachvollziehbar”, resümierte man kurz vor der Demonstration auf bzw. bei der Tiroler Brennerautobahn (A13) am Samstag samt damit verbundener Totalsperre.

Die Zahl der Lasten- und Sattelzüge auf den vier Schweizer Alpenrouten (Gotthard, San Bernardino, Simplon, Gr. St. Bernhard) sei 2025 im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben. Über den Brenner habe die Zahl der schweren Lkw hingegen gegenüber dem Vorjahr – damals waren es 2,37 Mio. – um weitere zwei Prozent zugenommen. Auch im heurigen ersten Quartal sei erneut eine Zunahme von 4,5 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres verzeichnet worden, rechnete der VCÖ vor. “Während in den vergangenen 25 Jahren die Zahl der Lkw auf den Schweizer Alpentransitrouten um rund ein Drittel zurückgegangen ist, nahm der Lkw-Verkehr über den Brenner um die Hälfte zu”, betonte VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Maut in Schweiz deutlich höher

Als ein Faktor dabei wurde die in der Schweiz höhere Lkw-Maut identifiziert. Dementsprechend empfahl der VCÖ eine Ausschöpfung der EU-Wegekostenrichtlinie. Zusätzlich würde die Abschaffung des Dieselprivilegs in Österreich dazu beitragen, dass Transit über den Brenner gegenüber der teureren Schweizer Route nicht mehr künstlich verbilligt werde. Auch brauche es “eine stärkere Verlagerung von der Straße auf die Schiene über die Staatsgrenzen hinweg.”

Generell wies die Mobilitätsorganisation auf starke Abgas- und Lärmbelastung infolge des Transitverkehrs für Anrainer sowie die Verkehrsbelastung für weitere Verkehrsteilnehmer und eine massive Belastung der Straßen hin. Ein 40-Tonnen-Lkw mit fünf Achsen belaste die Straße so stark wie rund 32.000 durchschnittliche Pkw, hieß es.

Demonstration wegen überbordender Transitbelastung

Am Samstag, dem 30. Mai, wird auf bzw. bei der Tiroler A13 gegen die überbordende Transitbelastung demonstriert. Die Brenner-Demo bei Matrei am Brenner war vom Bürgermeister von Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger, als Privatperson beantragt worden. Die Kundgebung war von der Bezirkshauptmannschaft zweimal nicht erlaubt worden. Das Tiroler Landesverwaltungsgericht gab dann jedoch einer Beschwerde gegen den entsprechenden Bescheid wegen Rechtswidrigkeit bzw. Verletzung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit statt. Daraufhin untersagte die Behörde die Demonstration nunmehr nicht.

Aufgrund der zu erwartenden weitreichenden und überregionalen Auswirkungen auf den Verkehr durch die mit der Demonstration einhergehenden Totalsperre des Brennerkorridors rief die Versammlung auch Kritik hervor. Die A13 ist am 30. Mai zwischen 11.00 und 19.00 Uhr ohne Ausnahmen und lokale Ausweichmöglichkeiten komplett gesperrt. Die Brennerstraße (B182) sowie die Ellbögener Straße (L38) werden ebenso für den Durchzugsverkehr gesperrt. Gleiches gilt für die Stubaitalstraße (B183). Ausgenommen ist nur der Ziel- und Quellverkehr. Für Transit-Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen, die Tirol über den Brenner durchqueren möchten, gilt am 30. Mai zudem ein generelles Fahrverbot im Bundesland.

Bezirk: Wipptal

Kommentare

Aktuell sind 4 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen