Verbraucherschützer warnen vor versteckten Schulden

“Buy Now, Pay Later” boomt – auch Risiken wachsen

Donnerstag, 23. April 2026 | 10:19 Uhr

Von: luk

Bozen/Rom – Erst kaufen, später zahlen: Was für viele Verbraucher bequem klingt, entwickelt sich zunehmend zu einem finanziellen Risiko. Die Zahlungsmethode „Buy Now, Pay Later“ (BNPL) breitet sich in Italien rasant aus – doch mit der Beliebtheit wachsen auch die Probleme.

Darauf weisen das Europäische Verbraucherzentrum Italien und die Verbraucherzentrale Südtirol hin. Grundlage ist ein aktueller Bericht der Banca d’Italia, der die Entwicklung genau unter die Lupe nimmt.

Nutzung explodiert – vor allem bei Jüngeren

Die Zahlen sind deutlich: Nutzten 2022 noch rund vier Prozent der italienischen Haushalte BNPL, sind es 2025 bereits etwa 30 Prozent. Besonders verbreitet ist die Methode bei jungen Menschen – zunehmend greifen aber auch finanziell schwächere Haushalte darauf zurück.

Dabei bleibt es oft nicht bei einzelnen Käufen. Viele Nutzer kombinieren mehrere Ratenzahlungen gleichzeitig und verlieren so schnell den Überblick.

„Unsichtbare“ Verschuldung als Risiko

Das zentrale Problem: Viele Konsumenten nehmen BNPL gar nicht als Kredit wahr. Der Abschluss erfolgt digital, schnell und meist ohne aufwendige Bonitätsprüfung. Genau das kann zu Spontankäufen verleiten – mit gravierenden Folgen.

Laut Bericht liegt der Anteil notleidender Kredite im BNPL-Bereich bei rund fünf Prozent und damit deutlich höher als bei klassischen Konsumkrediten. Besonders betroffen sind Haushalte mit geringem Einkommen oder bereits bestehenden Schulden.

Neue EU-Regeln sollen schützen

Ab November 2026 greift eine neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie (CCD2), die auch viele BNPL-Angebote erfassen wird. Geplant sind strengere Bonitätsprüfungen, mehr Transparenz bei Vertragsbedingungen und bessere Schutzmechanismen für Verbraucher.

Ziel ist es, Überschuldung vorzubeugen und die Risiken im schnell wachsenden Markt einzudämmen.

Verbraucherschützer geben klare Tipps

Das EVZ Italien und die Verbraucherzentrale Südtirol raten zu einem bewussten Umgang mit der beliebten Zahlungsmethode. Wichtig sei vor allem:

  • nur Käufe tätigen, die wirklich notwendig sind
  • das eigene Budget realistisch einschätzen
  • nicht mehrere Ratenkäufe parallel abschließen
  • Vertragsbedingungen genau prüfen, insbesondere Gebühren bei Zahlungsverzug
  • bei Problemen immer sowohl Händler als auch Zahlungsplattform kontaktieren

Viele fühlen sich unsicher

Eine Umfrage im Rahmen eines Verbraucherprojekts zeigt zudem: Viele Menschen nutzen BNPL häufiger als früher, fühlen sich dabei aber unsicher im Umgang mit den Angeboten.

Sollte es zu Problemen bei Ihrem Einkauf kommen, ist das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Italien für Verbraucher da. Es bietet kostenlose Unterstützung bei Streitigkeiten mit ausländischen Anbietern mit Sitz in der EU, Island, Norwegen und dem Vereinigten Königreich. Kontaktiert werden kann das EVZ telefonisch unter 0471 980939 oder per E-Mail an info@euroconsumatori.org.

Bei Schwierigkeiten mit Online-Käufen gibt es auch die Möglichkeit, ein Schlichtungsverfahren über das von der Verbraucherzentrale (VZS) eingerichtete Schlichtungsorgan Onlineschlichter.it einzuleiten. Verbraucher melden sich einfach auf dem Portal www.onlineschlichter.it an, um Zugang zu dem kostenlosen außergerichtlichen Schlichtungsverfahren für Verbraucherstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem Online-Verkauf von Waren und Dienstleistungen zu erhalten.

Bezirk: Bozen

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