AFI: „Ein bisschen ist nicht genug“

Die Löhne sind gestiegen – die Kosten auch

Freitag, 29. August 2025 | 11:59 Uhr

Von: mk

Bozen – Zwischen 2018 und 2023 sind die Nominallöhne in der Südtiroler Privatwirtschaft um +11,8 Prozent gestiegen – die Lebenshaltungskosten jedoch um +20,3 Prozent. „Einmal mehr müssen wir feststellen, dass die Löhne in der Privatwirtschaft mit den steigenden Preisen nicht Schritt halten“, betont AFI-Direktor Stefan Perini. „Die aktuell angekündigten Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst setzen ein wichtiges Signal. Nun ist auch die Privatwirtschaft gefordert.“

Mit 76 Prozent hält die Privatwirtschaft einen wesentlich größeren Anteil an der Südtiroler arbeitnehmerähnlichen Beschäftigung als der öffentliche Sektor (24 Prozent). Dabei stellt sich also die Frage: Inwiefern halten die Löhne in der Privatwirtschaft mit den steigenden Lebenshaltungskosten in der Provinz Bozen mit? Die am 4. August dieses Jahres vom Nationalen Fürsorgeinstitut INPS veröffentlichten Daten für 2023 erlauben nun, die durchschnittliche Lohnentwicklung im Fünfjahreszeitraum 2018-2023 nachzuzeichnen.

Nominallöhne in der Privatwirtschaft 2018-2023: +11,8 Prozent im Schnitt

Kam eine in der Privatwirtschaft in Südtirol lohnabhängig beschäftigte Person im Jahr 2018 noch auf eine durchschnittliche Brutto-Tagesentlohnung von 112 Euro, so war dieser Betrag im Jahr 2023 bereits auf 126 Euro angestiegen – dies entspricht einem nominellen Zuwachs von +11,8 Prozent. Tendenziell ist zu beobachten, dass die höheren beruflichen Qualifikationen einen stärkeren Lohnzuwachs erfahren konnten als die niedrigeren: +15,9 Prozent errechnet sich für Führungskräfte, +12,7 Prozent für höhere Angestellte, +11,3 Prozent für einfache Angestellte und lediglich +10,2 Prozent für Arbeiterinnen und Arbeiter.

Lebenshaltungskosten 2018-2023: +20,3 Prozent

Zwischen 2018 und 2023 sind die Lebenshaltungskosten in der Provinz Bozen um +20,3 Prozent gestiegen. Die starke Zunahme ist in erster Linie auf die Steigerung der Preise aufgrund der Energiekrise 2022 zurückzuführen, wobei 2023 ein weiterer Preisschub beobachtet werden konnte. „Daraus erschließt sich, dass die nominelle Lohnentwicklung in der Privatwirtschaft nur ca. 60 Prozent der Steigerung der Lebenshaltungskosten abgedeckt hat“, unterstreicht AFI-Direktor Stefan Perini. „Keine der Kategorien hat mit dem Anstieg der Lebenshaltungskosten mitgehalten, doch die Berufe mit höheren Qualifikationen sind weniger stark zurückgeblieben als jene mit niedrigen.“

Zur Methode

Grundlage der Analyse sind die durchschnittlichen Brutto-Tagesentlohnungen von Vollzeitbeschäftigten in der Südtiroler Privatwirtschaft. Damit werden Verzerrungen durch Teilzeit ausgeschlossen. Erfasst sind nicht nur kollektivvertragliche Grundlöhne, sondern die tatsächlich ausbezahlten Beträge inklusive möglicher Zuschläge und Überstunden. Die Berechnungsmethode unterscheidet sich leicht von jener des ASTAT, ändert jedoch nichts an der Tendenz.

Bezirk: Bozen

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