AFI-Barometer

Die Stimmung sinkt auf das Niveau des ersten Lockdowns

Mittwoch, 27. Januar 2021 | 12:38 Uhr

Bozen – Zwei Quartale in Folge hatte sich die Stimmung bei Südtirols Arbeitnehmern wieder aufgehellt – dann kam die zweite Pandemie-Welle. Im Dezember sind die Aussichten für Südtirols Wirtschaftsentwicklung wieder auf das Niveau des ersten Lockdowns abgerutscht. „2020 wird für die Südtiroler Wirtschaft als eines der schwärzesten Jahre der Nachkriegsgeschichte in Erinnerung bleiben. Doch eine wirtschaftliche Katastrophe war es nicht, zumal sich die verlorene Wirtschaftsleistung noch im einstelligen Bereich bewegen wird“, sagt AFI-Direktor Stefan Perini. Der Aufschwung dürfte sich 2021 in die Länge ziehen. Perini bildlich: „Die Südtiroler Wirtschaft ist mit dem Aufzug in den Keller gerauscht und fährt nun mit der Rolltreppe wieder hoch – aber eben, langsamer als erwartet.“

Nach einem positiven dritten Quartal 2020 beeinträchtigt die zweite Pandemie-Welle die wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum merklich. Zwar dürfte sich diese Erholung nach dem Dämpfer fortsetzten, doch das konjunkturelle Umfeld bleibt noch das gesamten ersten Halbjahr 2021 über von vielen Unsicherheitsfaktoren geprägt. Mit fortschreitender Durchimpfung der Bevölkerung und zunehmender natürlicher Immunität erwartet man, im zweiten Halbjahr von einer annähernd stabilisierten Lage sprechen zu können.

Alle wichtigen Volkswirtschaften mussten 2020 schmerzhafte BIP-Rückgänge hinnehmen. In den meisten Fällen dürften sich diese im einstelligen Bereich bewegen (USA -3,6 Prozent; Euro-Raum -7,8 Prozent; D -5,0 Prozent; I -9,8 Prozent). Für 2021 rechnet das gewerkschaftsnahe IMK (Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung) Berlin mit einer deutlichen Erholung in diesen Ländern (USA +3,2 Prozent; Euro-Raum +5,7 Prozent; D +4,9 Prozent; I +5,2 Prozent). Die wirtschaftliche Wiederbelebung dürfte allerdings territorial, zeitlich und von der Intensität her unterschiedlich stark ausfallen, was zu asymmetrischen Konjunkturzyklen führen könnte.

„Annus horribilis“ für Südtirol

Wie viele andere Volkswirtschaften auch, erzielt Südtirol 2020 seine wahrscheinlich schlechteste Wirtschaftsbilanz der Nachkriegszeit. Immerhin, eine wirtschaftliche Katastrophe konnte vermieden werden. Die Arbeitnehmerzahl ist gesamtwirtschaftlich betrachtet rückläufig (-3,5 Prozent), mit starker Differenzierung nach Vertragstyp, Staatbürgerschaft und Wirtschaftssektor (vor der Gefahr einer Segmentierung des Arbeitsmarkts hat das AFI schon bei früheren Gelegenheiten gewarnt). Vor allem auf das Kündigungsverbot und den Lohnausgleich lässt sich zurückführen, dass die amtliche Arbeitslosenrate (3,3 Prozent) noch nicht nach oben geklettert ist. Besonders negativ war das Jahr 2020 für die Tourismusbranche: Die Nächtigungen sind um ein Drittel eingebrochen. Demgegenüber halten sich die Rückgänge im Außenhandel in Grenzen (Exporte: -6,3 Prozent; Importe: -11,8 Prozent). Die Inflation bleibt in Bozen moderat (0,8 Prozent). Der Kreditmarkt expandiert nach wie vor kräftig (+4,6 Prozent), vor allem was die Kreditvergabe an Privatpersonen anbelangt (+7,6 Prozent).

Wirtschaftsaussichten trüben sich wieder ein

Südtirols Arbeitnehmer sind in der Winterausgabe des AFI-Barometers recht bescheiden in ihren Zukunftserwartungen. Der Indikator, der die Aussichten für Südtirols Wirtschaftsentwicklung abbildet, ist auf das Niveau des ersten Lockdowns zurückgefallen, nachdem er zuvor zwei Quartale in Folge nach oben zeigte. Und das erwarten Südtirols Arbeitnehmer noch: eine tendenziell ansteigende Arbeitslosigkeit, zunehmende Schwierigkeiten bei der Suche nach neuen Arbeitsmöglichkeiten, aber nach wie vor kein konkretes und unmittelbares Risiko, den eigenen Job zu verlieren. Die Fähigkeit, mit dem Lohn über die Runden zu kommen, verbessert sich für Arbeitnehmer-Familien ein weiteres Mal (Grund: für Konsum fehlen Lust und Möglichkeiten). Doch Achtung: Im AFI-Barometer werden nur Personen befragt, die einen Arbeitsvertrag haben. Die Stichprobe beinhaltet also keine Personen, die kürzlich ihre Arbeit verloren haben oder schon seit längerer Zeit erwerbslos sind.

Die BIP-Prognosen des AFI: -6,5 Prozent für 2020, +5,6 Prozent für 2021

Bekräftigt von den letzten verfügbaren Zahlen kommt das AFI zum Schluss, dass es gelungen ist, den wirtschaftlichen Einbruch im Jahr 2020 in einem verträglichen Rahmen zu halten. Mit -6,5 Prozent schätzt das AFI den BIP-Rückgang geringer ein als WIFO (-10,0 Prozent) und ASTAT (zwischen -6,8 bis -11,3 Prozent). Gleichzeitig zeigt sich das AFI allerdings vorsichtig, was die Prognosen 2021 betrifft. Mit +5,6 Prozent ist das AFI hier zuversichtlicher als das WIFO (+1,0 Prozent bis +5,0 Prozent), aber vorsichtiger als das ASTAT (zwischen +6,0 Prozent und +8,3 Prozent).

Kündigungsverbot und Lohnausgleichskasse nicht zu früh zurückfahren!

Das AFI warnt davor, Entlassungsstopp und Abfederungsmaßnahmen zurückzufahren, bevor sich die Erholung ausreichend gefestigt hat. Der Wunsch der Unternehmen, die eigene Wettbewerbsposition am Markt zu verbessern, sei verständlich, doch dies müsse unabhängig von Kündigungsverbot gelingen, nämlich durch andere Hebel. Gerade in diesem Zusammenhang ist die Corona-Krise ein regelrechter Innovationstreiber. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer haben ihr Geschäftsmodell überdacht, neue Geschäftsfelder gesucht, mit neuen Arbeitsmodellen experimentiert, haben Ausschau nach neuen Märkten und neuen Vertriebskanäle gehalten. In kurzer Zeit fand ein Digitalisierungsschub ungeahnten Ausmaßes statt. Dieser Strukturwandel vollzog sich schleichend, unbeachtet von Kündigungsverbot und Lohnausgleich. Aufgrund der Unmöglichkeit, externe Flexibilität wirken zu lassen, hat betriebsinterne Flexibilität stattgefunden. Corona wirkte in diesem Sinne als Nagelprobe für die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen und Organisationen, aber auch der dort Mitarbeitenden.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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29 Kommentare auf "Die Stimmung sinkt auf das Niveau des ersten Lockdowns"


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bislhausverstond
bislhausverstond
Superredner
29 Tage 6 h

Die katastrophe kimp erst, die soziale 💣tickt

DontbealooserbeaSchmuser
28 Tage 19 h
Mir scheint, bei dem Institut mussten einige “Arbeit”splätze für Studierte geschaffen werden… Die schlechteste Wirtschaftsbilanz seit dem Krieg? Und was war mit den 50ern und 60ern, als viele Südtiroler in Armut leben mussten? 😠 2021 ein Wirtschaftsaufschwung? Ja sicher, wir sperren jetzt zu und verdienen damit das große Geld 🤦🏼‍♀️ Die Krise kommt noch und das verdanken wir der falschen Politik der sinnlosen Maßnahmen. Alle reden über das falsche Verhalten der USA, wo ja alle an Corona sterben, da es keine Maßnahmen gab. Und warum hat Deutschland, das strenge, disziplinierte Deutschland, dann höhere Todeszahlen per Capita? Risikogruppen impfen, wer Angst… Weiterlesen »
Smirre15
Smirre15
Tratscher
29 Tage 4 h

Die Prognosen? Man brauch keine Statistiker, keine PC die dir Prognosen ausrechnen usw.
Schaut dorthin wo die Leute sind, momentan schleifen wir mit unserem Ersparten dahin, die einen länger die einen kürzer und je länger dieses Hickhackgesülze weitergeht umso größer wird die Bombe die danach einschlägt.
Und ich traue mich mal zu prognostizieren das die Folgeschäden von Corona wesentlich mehr Opfer fordern werden wie Corona selbst.

Moods
Moods
Grünschnabel
29 Tage 5 h

Vielen Leuten steht längst das Wasser über dem Kopf und nicht nur bis zum Hals. Kleinbetriebe werden reihenweise ihre Tätigkeit auflassen, Schulden können nicht mehr beglichen werden. Wir stehen kurz vor dem Kollaps! 

PuggaNagga
29 Tage 1 h

Alles zum Wohle unser aller Gesundheit!
Sagt euren Kindern dass zukünftigt zwei Knödel weniger in den Teller kommen.
Die Hose mit Loch geht auch noch

ghostbiker
ghostbiker
Superredner
29 Tage 4 h

Sell isch in die Politiker gleich…kassiern munter weiter u.sogor noch a Aufbesserung

Blitz
Blitz
Universalgelehrter
29 Tage 6 h

Kein Virus, kein Lockdown macht mir Angst, was mir Angst macht, ist die Politik .

falschauer
29 Tage 2 h

wenn die reserven aufgebraucht sind, die arbeitslosenzahlen in die höhe schnellen und das hick hack um den einzigen hoffnungsschimmer, der impfung, so weiter geht dann wird es tragisch, wir können nur hoffen, dass es nicht so weit kommt und dass die vernunft, die solidarität und der hausverstand siegt, denn zur zeit können wir zwietracht zwischen den menschen , uneinigkeiten in der politik und streitereien um die impfung, am wenigsten gebrauchen

PuggaNagga
29 Tage 2 h

@falschauer
Warst nicht du ein grosser Verfechter der Lockdowns und harten Massnahmen?
Warum jetzt der Sinneswandel?
Sind deine Reserven plötzlich gefährdet?
Ist der vermeintlich sichere Job gefährdet?

falschauer
29 Tage 45 Min

@PuggaNagga …ja das war ich und bin es auch immer noch, nur wenn dieser nicht eingehalten wird ist er für die katz, also ohne wirkung, aber du hast mich ja nie so richtig verstanden, ist auch egal….was mich betrifft musst du dir keine sorgen machen, ich habe meine schäfchen schon im trockenen, sodass mir ja egal sein könnte was so abläuft, ist es mir aber nicht! in unserer familie wird solidarität groß geschrieben, auch wenn dies zur zeit nicht unbedingt in zu sein scheint, soziales engagement und altruismus ist mir ein großes anliegen und wird es immer bleiben

GTH
GTH
Tratscher
28 Tage 22 h

@PuggaNagga honn mir grot des selbe gedenkt

PuggaNagga
28 Tage 21 h
@Falschauer Die Lockdowns werden ja eingehalten! Oder etwa nicht? Auch die Regeln. Man sieht Leute ja nur mehr mit Maske, dort wo es erforderlich ist. Im Freien und weit über 5m Abstand passiert ja nichts. Ab Sonntag ist der „Infektionsherd“ Gastronomie wieder zu. Du müstest dich unglaublich darüber freuen. Was kann und soll man deiner Meinung als nächstes schliessen? Wie Lange? Für 3 Wochen, 3 Monate oder 1 Jahr? Du wirst auch irgendwann erkennen dass unser gegangene Weg der falsche war! Wir drehen uns im Kreis ohne Plan B und ohne Lösung. Die Politik macht immer das gleiche. Hoffe deine… Weiterlesen »
falschauer
28 Tage 11 h

@PuggaNagga darüber mach dir keine sorgen, das taten wir auch vor corona….was die einhaltung des lockdowns anbelangt erwähnst du nyr das was du auf der straße siegst, das ist so als ob der italuenische staat nur die erklärten steuern im auge behalten würde, in wirklichkeit werden zig milliarden hinterzogen, ich glaube wir haben uns verstanden

alternativefakten
alternativefakten
Grünschnabel
29 Tage 2 h

die stimmung sinkt und die wut steigt.

Storch24
Storch24
Kinig
29 Tage 6 h

Mit immer wieder schreibenden Stimmungsschwankungen, Tiefs bewirkt man eigentlich nichts positives.
Viele Menschen lassen sich davon beeinflussen. Schreibt auch mal was positives. Es gibt auch in dieser Zeit Positives.

versteherin
versteherin
Tratscher
29 Tage 1 h

genau, Storch, fang du damit an, mal was positives zu schreiben…

PuggaNagga
29 Tage 3 h

Bis jetzt haben wir nur eine Kostprobe erhalten.
Das dicke Ende kommt noch…
Wenn der Kündigungsschutz aufgehoben wird, dann wird es erst „interessant“

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Superredner
29 Tage 5 h

Mich würde wundern was aus den ganzen Geisterkubaturen wird die in den letzten Jahren aus dem Boden gestampft wurden im Bereich der Hotelmegabauten.  Wie ich in einer Doku über Ischgl gesehen habe fällt dort die Millionenpyramide zusammen und die Leute drehen durch. Ohne die Millionen von außen ist da gar nix mehr. 

PuggaNagga
29 Tage 2 h

Die Karten werden neu gemischt. Es findet gerade eine riese Umverteilung steil nach oben statt.
Die einst Reichen haben nun kein Einkommen mehr.
Richtig reich waren die gar nicht, nur reich an Umsatz und Arbeit! Wenn nun die Umsätze einbrechen, dann bleiben nur die Schulden die zu bedienen sind.

falschauer
29 Tage 39 Min

@PuggaNagga

reiche benötigen kein einkommen, für die arbeitet ihr kapital

Storch24
Storch24
Kinig
29 Tage 8 Min

Und warum wird immer noch gebaut und alles wird teurer ? Die Nachfrage macht den Preis

Aufwachen
Aufwachen
Grünschnabel
29 Tage 1 h
Mi wunderts nicht, wia viel leit sein nen in a scheiss Situation, koane Geld, Ehen de ausanondorgian weils niamend mehr ausholtet und dor gonze Frust, sorgen usw. jeden tog dein tog bestimmen , obor hell heart man nirgends, isch olles net wichtig, haupsoch olm es gleiche Pingo Palino Spiel weitormochn und Ende isch noch an johr olm no net in Sicht, mit de gonzn Versprechungen wos se gemacht hobn … Und wenn mor des Tian nor Greg mor wiedor a bissl Freiheit zrug, miasn zomholtn jo jo olm es gleiche , af ins kimmb no einiges drauf zua Lai hot… Weiterlesen »
Makke
Makke
Grünschnabel
29 Tage 5 h

I hon nö net öft an selan Blödsinn gilesn. Oanfoch la Schwachsinn

Trina1
Trina1
Superredner
29 Tage 1 h

@ Makke, les die Bibel wenn dir schun olles blöd vorkommt. Oder eine andere Möglichkeit wäre du schreibst ein Kommentar was Kopf und Fuss hat!

MrRobot
MrRobot
Tratscher
29 Tage 3 h

Die tolle Stimmung hängt am Galgen

Trina1
Trina1
Superredner
29 Tage 1 h

Des isch logisch, alle müde bei sehr vielen Zukunftsängste und Psychische Probleme. Keiner weiss wie es weitergeht, wir hängen alle in der Luft!

Mico
Mico
Superredner
29 Tage 3 h

wem wunderts…?…. der rattenschwanz kommt noch…..

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
29 Tage 5 h

Das ist jetzt aber nicht eine ganz so überraschende Schlagzeile!!!

Staenkerer
29 Tage 1 h

insre politik scheint momentan vom panikmochen auf der pan seit und schönfärben auf der ondern zu basiern, und mit versprechn von hilfe und beistond zu lebn!
allso: erst olles herplockiern und einbremsen damit man nor als großer wohltäter stimmen einsommelt! olls schun dogwesn, olles nix neues!

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