Von: mk
Bozen – Der Mai ist ein Monat voller bedeutender Anlässe, die auf den ersten Blick verschieden erscheinen mögen, jedoch thematisch eng miteinander verbunden sind. Drei besondere Tage rücken die oft unsichtbare, unverzichtbare Care-Arbeit in den Fokus unserer Aufmerksamkeit. Darauf macht der Landesverband der Sozialberufe aufmerksam.
Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit feiern wir traditionell die Leistungen aller Arbeitnehmer. „An diesem Tag sollten wir besonders auch die Care-Arbeit würdigen – jene Tätigkeiten in der Sorge, Pflege und Unterstützung von Menschen, die meist unbezahlt, von Frauen geleistet und gesellschaftlich wenig anerkannt werden“, erklärt der Landesverband.
Trotz ihrer grundlegenden Bedeutung erfahre Care-Arbeit nur wenig gesellschaftliche Anerkennung und werde meist als selbstverständlich angesehen. Klassische Wohlstandsindikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt bilden diese Arbeit nicht ab.
Das häufig geringschätzig betrachtete „Sich-Kümmern“ sei kein „Privatproblem“, sondern eine zentrale gesellschaftliche Ressource, wie Verkehrsinfrastruktur oder Energieversorgung.
Diese ungleiche Verteilung hat weitreichende Folgen: „Wer mehr unbezahlte Care-Arbeit leistet, arbeitet häufiger in Teilzeit, unterbricht die Erwerbstätigkeit oder verzichtet auf Karriereschritte. Das führt zu einem geringeren Einkommen, weniger Vermögensaufbau und niedrigeren Renten. Altersarmut ist deshalb überdurchschnittlich weiblich.“
Eine Woche später, am 10. Mai 2026 ist Muttertag. Dieser stellt sich erneut die zentrale Frage nach dem Wert von Erziehungs- und Pflegearbeit.
„Mamas bekommen oft Blumen und Pralinen, dabei wäre ein Umdenken in der Gesellschaft und eine gerechtere Verteilung der unbezahlten Arbeit viel wichtiger. Aber nicht nur dass: Frauen leisten nicht nur mehr Arbeitsstunden bei Kinderbetreuung und Haushalt, sondern übernehmen auch in höheres Ausmaß die ganze Denkarbeit rundherum, die sich aus der Organisation des Familienalltags ergibt“, so der Landesverband. Als Begriff habe sich dafür „Mental Load“ etabliert.
Am 12. Mai 2026 folgt der internationale Tag der Pflege, der ganz gezielt die Bedeutung der Pflegeberufe hervorhebt. Neben der privaten Care-Arbeit wird auch die berufliche Care-Arbeit überwiegend von Frauen geleistet.
80 Prozent der Arbeit in Gesundheitsberufen, Pflege oder Erziehung werden von Frauen geleistet. „Trotz der Systemrelevanz dieser Berufsgruppen sind die Arbeitsbedingungen häufig belastend, die Entlohnung in Bezug zu Qualifikation und Verantwortung niedrig und der Personalschlüssel knapp. Die Folge ist ein strukturelles Problem: Schlechte Bezahlung und hohe Arbeitsbelastung führen dazu, dass Fachkräfte fehlen“, so der Landesverband.
Sind Betreuungsplätze knapp oder fehlen Pflegeangebote, müssten Angehörige – meistens Frauen – dies mit zusätzlicher Care-Arbeit ausgleichen. „Strukturelle Probleme im Care-Bereich verstärken so die Verfügbarkeit von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und fördern die Ungleichheit insgesamt.“
Die Care-Krise ist jedoch kein rein nationales Problem, sondern hat in einer globalisierten Welt grenzüberschreitende Auswirkungen.




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