Mobbing, Belästigung und Diskriminierung

Gegen Gewalt in der Arbeitswelt: Südtirol startet landesweite Online-Umfrage

Montag, 11. Mai 2026 | 15:22 Uhr

Von: mk

Bozen – Im Innenhof des Palais Widmann in Bozen wurde am Montag, 11. Mai 2026, der neue Online-Fragebogen im Rahmen des Südtiroler Gleichstellungsaktionsplans 2023–2028 vorgestellt. Ziel der Initiative ist es, erstmals umfassend zu erfassen, wie verbreitet Mobbing, Belästigung und Diskriminierung am Arbeitsplatz in Südtirol sind – und auf dieser Grundlage gezielte Maßnahmen zur Prävention und Sensibilisierung zu entwickeln.

Aktuelle europäische Daten zeigen, dass Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt weit verbreitet sind: Rund jede achte beschäftigte Person in der EU erlebt unerwünschtes Verhalten wie Mobbing, Belästigung oder Gewalt am Arbeitsplatz, und zwischen fünf und zehn Prozent der Beschäftigten berichten jährlich von entsprechenden Vorfällen. Gleichzeitig wird ein großer Teil der Fälle nicht gemeldet. Frauen sowie bestimmte Berufsgruppen sind dabei besonders betroffen (Quelle: Eurofound – European Working Conditions Survey, 2023–2025).

„Hinschauen, Erfahrungen sichtbar machen, gezielt handeln“

„Der Gleichstellungsaktionsplan gibt uns den Auftrag, Gewalt in der Arbeitswelt gezielt anzugehen – diese Umfrage setzt genau das um. Wir wollen ein allumfassendes Bild der Situation in Südtirol gewinnen: speziell dort, wo sie unsichtbar bleiben. Gleichzeitig ist diese Initiative ein Signal an die Bevölkerung: Das Thema ist präsent, es wird ernst genommen, und jede Erfahrung zählt“, betonte Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer.

Die anonyme Online-Erhebung richtet sich an alle Arbeitnehmer:innen in Südtirol ab 15 Jahren und läuft vom 11. Mai bis zum 11. Juli 2026. Besonderes Augenmerk gilt den Erfahrungen von Frauen, LGBTQIA+-Personen und Menschen mit Behinderungen.

Breite institutionelle Unterstützung

Landtagspräsident Arnold Schuler erklärte: „Die Ergebnisse dieser Umfrage werden eine zentrale Grundlage für die politische Verantwortung des Landtags sein. Es ist unsere Aufgabe, daraus konkrete gesetzliche und strukturelle Konsequenzen abzuleiten und Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld gewährleisten.“

Landeshauptmann Arno Kompatscher betonte: „Gewalt, Diskriminierung und Mobbing am Arbeitsplatz bleiben oft unsichtbar. Diese Studie im Rahmen des Gleichstellungsaktionsplans schafft die notwendige Sichtbarkeit und damit die Grundlage für gezielte Maßnahmen.“

Landesrätin Magdalena Amhof, zuständig für Arbeit und Personal, ergänzte: „Sicherheit und gegenseitiger Respekt am Arbeitsplatz dürfen nie in Frage stehen.  Anonyme Befragungen sind ein sehr effektives Instrument, um Mobbing und Gewalt sichtbar zu machen und gezielte Gegenmaßnahmen einzuleiten. Darüber hinaus sind wir alle tagtäglich gefordert, hinzuschauen und niemanden allein zu lassen, wenn kritische Situationen erkennbar sind.“

Ulrike Oberhammer, Präsidentin des Beirats für Chancengleichheit für Frauen, der den Gleichstellungsaktionsplan erarbeitet hat, erklärte: „Mit unserem ambitionierten Gleichstellungsaktionsplan und konsequenter Gewaltbekämpfung, auch in der Arbeitswelt, setzen wir Maßstäbe – für eine Welt, in der Chancengleichheit nicht nur Theorie, sondern gelebte Praxis ist.“

Stimmen aus Sozialpartnerschaft und Zivilgesellschaft

Die Erhebung wird von einem breiten Bündnis aus Sozialpartnern, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft mitgetragen. Petra Piffer, Direktorin des Arbeitsinspektorats, betonte, dass rechtliche Kontrolle allein nicht ausreiche – Prävention und Sensibilisierung seien ebenso notwendig. Edi Casagrande, stellvertretende Direktorin des Dienstes der Arbeitsmedizin verwies auf die Bedeutung einer geschlechterspezifischen Differenzierung bei der Umsetzung von Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz sowie bei der Vorbeugung von Risiken durch Mobbing und Belästigung, Lukas Brunner, der Präsident des Südtiroler Wirtschaftsrings, auf die Bedeutung eines respektvollen und sicheren Arbeitsumfelds auch aus betrieblicher Sicht. Von der Befragung erhoffen sich die Wirtschaftsverbände im Wirtschaftsring wichtige Erkenntnisse darüber, inwieweit die bestehenden Maßnahmen zur Prävention von Belästigung und Gewalt in Betrieben und Unternehmen wirksam sind beziehungsweise, wo weiterer Handlungs- und Verbesserungsbedarf besteht.

Roberta Rigamonti, Präsidentin vom Dachverband für Soziales und Gesundheit „Die Umfrage hilft, auch die Erfahrungen von Menschen mit chronischen Erkrankungen sichtbar zu machen und Diskriminierung sowie Ausgrenzung am Arbeitsplatz entgegenzuwirken“, erklärte die Präsidentin des Dachverbands für Soziales und Gesundheit. Cristina Masera in Vertretung der Gewerkschaften CGIL-AGB, SGB-CISL, ASGB und UIL-SGK unterstrich, dass viele Betroffene schweigen – und dass es wichtig sei, ihnen eine Stimme zu geben. Roberta Arianna Miriam Fiumefreddo und Kae Sordi betonten im Namen von Centaurus Arcigay Alto Adige Südtirol, Alto Adige Pride Südtirol, B-Open, Famiglie Arcobaleno, dass Sichtbarkeit ein erster Schritt zu mehr Schutz sei. Der Südtiroler Monitoringausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen hob hervor, dass die Umfrage dazu beitrage, bestehende Barrieren sichtbar zu machen.

„Jede Teilnahme zählt. Mit dieser Umfrage geben wir den Beschäftigten in Südtirol die Möglichkeit, ihre Erfahrungen anonym zu teilen und damit zu mehr Sichtbarkeit beizutragen. Der Fokus liegt darauf, zuzuhören, zu verstehen und auf dieser Grundlage gezielte Präventions- und Sensibilisierungsmaßnahmen weiterzuentwickeln. Gleichzeitig ist es uns wichtig, auch jene Perspektiven stärker einzubeziehen, die oft weniger sichtbar sind – insbesondere die von Frauen, LGBTQIA+-Personen und Menschen mit Behinderungen“, so Brigitte Hofer abschließend.

Die Bevölkerung wird ersucht, sich an der landesweiten Online-Umfrage zu beteiligen und damit zur Weiterentwicklung gezielter Maßnahmen im Bereich der Gleichstellung beizutragen.

Die Datenerhebung erfolgt durch das Institut apollis – Institut für Sozialforschung und Demoskopie in Bozen.

Jetzt teilnehmen

Die Teilnahme ist anonym, vertraulich und dauert etwa zehn Minuten.

Zeitraum: 11. Mai – 11. Juli 2026

Online teilnehmen: fair.apollis.it

Unter diesem Link https://api-idap.landtag-bz.org/digital/GSR/qr_de.JPG findet sich der QR-Code, über den man direkt zum Onlinefragebogen gelangt.

Bezirk: Bozen

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