Laut Einreichung bei der Wertpapieraufsicht

Elon Musk hebt mit SpaceX zu Rekord-Börsengang ab

Freitag, 12. Juni 2026 | 03:11 Uhr

Von: APA/AFP/Reuters

In den USA steht der mit Abstand größte Börsengang der Geschichte bevor: Tech-Milliardär Elon Musk will mit seinem Raumfahrtkonzern SpaceX am Freitag alle bisherigen Aktiendebüts in den Schatten stellen. Der gebürtige Südafrikaner will mindestens 75 Milliarden Dollar (64 Milliarden Euro) einsammeln und eine Konzernbewertung von mehr als 1,7 Billionen Dollar erreichen. Musk selbst könnte der weltweit erste Billionär werden.

Unter dem Kürzel SPCX soll Musks Konzern an der Technologiebörse Nasdaq abheben. Nach Angaben der US-Börsenaufsicht will SpaceX mehr als 555 Millionen Aktien zum Einheitspreis von 135 Dollar ausgeben. Wegen der riesigen Nachfrage haben Emissionsbanken nach SEC-Angaben vom Donnerstag aber eine Option, bis zu 83 Millionen zusätzliche Wertpapiere zu erwerben. Damit könnte SpaceX astronomische 86 Milliarden Dollar einsammeln.

SpaceX steigt mit dem Börsengang auf Anhieb zum siebtwertvollsten börsennotierten Unternehmen in den USA auf und überholt Schwergewichte wie die Bank JPMorgan, den Pharmakonzern Eli Lilly sowie Musks eigenen Elektroautobauer Tesla. Bisher hielt der saudische Ölkonzern Aramco den Rekord, der bei seinem Börsengang im Dezember 2019 rund 25,6 Milliarden Dollar eingesammelt hatte.

Umstrittener Unternehmer Musk könnte erster Billionär werden

Fast ein Vierteljahrhundert nach Gründung des Raumfahrt-Startups im März 2002 dürfte Musk damit der weltweit erste Billionär werden. Der 54-Jährige ist mit einem Vermögen von mehr als 800 Milliarden Dollar bereits jetzt mit Abstand der reichste Mann der Welt. Er ist der Chef des Elektroautobauers Tesla, außerdem gehören ihm weniger bekannte Firmen für Neurotechnologie und Tunnelbau.

Umstritten ist Musks politisches Engagement: Er hatte US-Präsident Donald Trump in den ersten Monaten von dessen derzeitiger Amtszeit beraten und im letzten deutschen Bundestagswahlkampf offen die AfD unterstützt.

Kritiker halten so viel Vermögen und Einfluss in der Hand eines einzigen Mannes für demokratiegefährdend. Bei SpaceX ist Musk Vorstandschef, Technikchef und Verwaltungsratsvorsitzender in einer Person. Seinen Einfluss will er mit dem Börsengang noch ausbauen. Dem Börsenprospekt zufolge will Musk künftig rund 85 Prozent der Stimmrechte bei SpaceX kontrollieren und 42 Prozent des Aktienkapitals halten – deutlich mehr als in anderen börsennotierten Unternehmen üblich.

Ökonomen zweifeln an hoher Bewertung des Unternehmens

Neben der Machtkonzentration bei Musk sehen Ökonomen aber auch finanzielle Risiken. “Viele Investoren scheinen bereit zu sein, einen Aufschlag zu zahlen, nur für das Privileg, Zugang zu SpaceX zu bekommen”, sagt Ludovic Phalippou von der Universität Oxford. Der Hype wirft für ihn Fragen auf, ob SpaceX wirklich mehr als 1,7 Billionen Dollar wert ist.

“Ein großartiges Unternehmen bedeutet nicht zwangsläufig eine großartige Investition”, sagt auch Jay Ritter, Experte für Börsengänge an der Universität Florida. Wenn die Bewertung zu hoch sei, drohe eine Bruchlandung.

SpaceX schrieb zuletzt Milliardenverlust

Denn die Finanzlage von Musks Konzern ist durchwachsen, wie Unterlagen der Börsenaufsicht zeigen. Demnach schrieb SpaceX zuletzt einen Milliardenverlust – rechnet aber dennoch mit potenziell astronomischen Umsätzen.

Laut Börsenprospekt lag der Umsatz im vergangenen Jahr bei 18,7 Milliarden Dollar (umgerechnet knapp 16,1 Milliarden Euro) – das ist weniger, als beispielsweise die Dax-Unternehmen Heidelberg Materials oder Adidas erzielten. Zugleich verbuchte SpaceX durch massive Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) und in die Entwicklung von Raketen der nächsten Generation einen operativen Verlust von 2,6 Milliarden Dollar.

Starlink als Umsatzmotor – Rechenzentren im Weltraum geplant

Den Großteil des Umsatzes erwirtschaftet das Satellitennetzwerk Starlink, über das SpaceX insbesondere Internetdienste anbietet. In den roten Zahlen ist dagegen der Bereich Künstliche Intelligenz (KI), zu dem xAI und die Online-Plattform X (ehemals Twitter) gehören. Musks Unternehmen liefert sich einen erbitterten KI-Wettlauf mit finanzstarken Konkurrenten wie Google, Meta oder Amazon und investiert mit Hochdruck in den Ausbau von Rechenzentren.

Laut dem Börsenprospekt strebt Musk den Bau von Rechenzentren im Weltraum an – mit Sonnenenergie in der Erdumlaufbahn will SpaceX den rasant steigenden Strombedarf für KI decken. Das hört sich zu phantastisch an, um wahr zu sein. Doch Musk hat bereits andere Projekte umgesetzt, an die kaum jemand geglaubt hat.

Den Raumfahrtmarkt dominiert SpaceX mit seinen Trägerraketen, mit der US-Raumfahrtagentur Nasa hat Musk lukrative Verträge abgeschlossen. Vorzeigeprojekt ist die 124 Meter hohe Riesenrakete Starship. Darauf setzt die NASA bei ihrem Plan, erstmals seit gut einem halben Jahrhundert wieder Menschen zum Mond zu bringen. Das reicht Musk jedoch nicht aus: Er will eine Mission zum viel weiter entfernten Mars.

In dem Börsengang von SpaceX sehen Analysten einen Testlauf für andere Tech-Unternehmen. Die US-Schwergewichte für Künstliche Intelligenz, Anthropic und OpenAI, peilen ebenfalls Aktiendebüts an, womöglich noch in diesem Jahr.

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