Kevin Warsh hier in der Bild-Mitte (Archiv)

Ex-Fed-Direktor Warsh heißer Kandidat für Fed-Chefposten

Freitag, 30. Januar 2026 | 11:09 Uhr

Von: APA/Reuters

Die Nachfolge des amtierenden Fed-Chefs Jerome Powell läuft offenbar auf den früheren US-Notenbank-Direktor Kevin Warsh hinaus. US-Präsident Donald Trump hat den Ökonomen am Donnerstag (Ortszeit) im Weißen Haus empfangen, teilte eine mit der Angelegenheit vertraute Person mit. Laut einem Insider beeindruckte Warsh den Staatschef. Der 55-Jährige hat sich in jüngster Zeit hinter die Forderungen des Präsidenten nach Zinssenkungen gestellt.

Trump liefert sich eine Art Privatfehde mit dem von ihm als unfähig kritisierten Notenbankchef Powell, der die von politischen Weisungen unabhängige Fed noch bis Mai führt. Trump hat angekündigt, am Freitag einen Nachfolger küren zu wollen.

Zugleich gab er einen Fingerzeig, der bereits auf Warsh hindeutete. Es könne jemand sein, der “schon vor ein paar Jahren” bei der Fed gearbeitet haben könnte. Für den zuletzt an der Eliteuniversität Stanford tätigen Warsh könnte es somit eine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte geben. Er saß bereits von 2006 bis 2011 im Direktorium der US-Notenbank. Der Senat müsste der Personalie allerdings zustimmen, wobei dies noch nicht ausgemacht sein dürfte.

Politischer Druck auf US-Notenbanker

Trump drängt die Notenbanker, die Zinsen zu senken. Traditionell gilt die Unabhängigkeit der Zentralbank von politischem Druck als entscheidend für ihre Aufgabe im Kampf gegen die Inflation. Powell ist ins Visier der US-Justiz geraten und hat die Ermittlungen als Vorwand bezeichnet, ihn zinspolitisch unter Druck zu setzen. Ein einflussreicher Abgeordneter der Republikanischen Partei Trumps, Senator Thom Tillis aus North Carolina, droht damit, jegliche Nominierungen für die Fed zu blockieren, bis die Ermittlungen des Justizministeriums abgeschlossen sind.

Warsh war als Notenbankdirektor der wichtigste Verbindungsmann des damaligen Fed-Chefs Ben Bernanke zur Wall Street während der Finanzkrise 2008. Dabei setzte er sich maßgeblich für eine restriktivere Geldpolitik ein. Mittlerweile hat er seine Ansicht jedoch geändert und sagte jüngst, er halte Trumps Forderung nach drastischen Zinssenkungen für berechtigt. Warsh kritisierte die Fed zudem dafür, das inflationsdämpfende Potenzial des durch künstliche Intelligenz beschleunigten Produktivitätswachstums zu unterschätzen.

“Ob Warsh also tatsächlich den Wünschen von Donald Trump nach niedrigeren Zinsen folgt, bleibt abzuwarten”, meint Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Warsh verstehe aber, dass die Fed und deren guter Ruf essenziell für das Wohlergehen der USA seien. Zugleich verweist Gitzel darauf, dass Warsh ein weiteres Abschmelzen der Notenbankbilanz befürwortet: “In der Praxis ergibt sich daraus aber ein Zielkonflikt. Ein weiterer Abbau der Wertpapierbestände der Fed wäre mit einem Liquiditätsentzug verbunden, der an den Geldmärkten zu erheblichen Verspannungen führen könnte, was sich in höheren kurzfristigen Zinsen niederschlagen würde.”

Auswahl aus vier Kandidaten

Auf der Kandidatenliste Trumps stehen insgesamt vier Personen. Alle befürworten niedrigere Zinsen, was Trump zur Bedingung gemacht hatte. Neben Warsh hatten auch Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett, Fed-Direktor Christopher Waller und der BlackRock-Manager Rick Rieder im Weißen Haus vorgesprochen. Trump hätte Warsh bereits 2018 beinahe zum Fed-Chef ernannt, sich dann aber für Powell entschieden – eine Entscheidung, die der Präsident später öffentlich bedauerte. Der Druck auf Powell hat zu Spekulationen geführt, dass dieser auch nach Mai im Direktorium der Fed bleiben könnte, um die Unabhängigkeit der Notenbank zu schützen. Sein Mandat als Ratsmitglied läuft noch bis 2028.

Die Fed hatte am Mittwoch nach drei Zinssenkungen im Jahr 2025 eine Zinspause eingelegt und den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Trump fordert jedoch einen um zwei bis drei Prozentpunkte niedrigeren Zinssatz. Powell antwortete auf der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid auf die Frage, was er seinem Nachfolger raten würde, um ihn vor politischer Einflussnahme zu bewahren: “Halten Sie sich aus der Politik heraus, lassen Sie sich nicht hineinziehen. Tun Sie es nicht.”

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