Von: mk
Bozen – Mit der Diskussion um die Verlängerung von Baugenehmigungen in Tourismuszonen und der Möglichkeit von bis zu 12.000 zusätzlichen Betten steht Südtirol erneut vor einer Grundsatzentscheidung. Die Freiheitlichen sprechen sich klar gegen pauschale Fristverlängerungen und für die Einhaltung des 2022 beschlossenen Bettenstopps aus.
„Im Jahr 2025 wurden in Südtirol rund 38 Millionen Übernachtungen gezählt – ein neuer Höchststand. Weitere 12.000 Betten würden selbst bei vorsichtigen Berechnungen zwei bis drei Millionen zusätzliche Nächtigungen bedeuten, ein Plus von bis zu 8 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekordjahr. Wer bei solchen Zahlen noch von maßvollem Wachstum spricht, blendet die Realität aus“, stellt Freiheitlichen-Obmann Roland Stauder fest.
12.000 zusätzliche Betten entsprechen laut den Freiheitlichen rund 70 bis 100 neuen Hotelbauten. Das bedeute zusätzlichen Flächenverbrauch und Bodenversiegelung, steigenden Trinkwasser- und Energiebedarf sowie weiteren Ausbau von Straßen, Parkplätzen, Seilbahnen und Skipisten, so die Freiheitlichen.
Schon heute seien Straßen und öffentliche Verkehrsmittel vielfach überlastet. Zusätzlicher Tourismusverkehr verschärfe die Situation weiter und schränke die Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung spürbar ein.
„Mehr Betten führen zudem zu mehr Verkehr, höherem Energieverbrauch und steigenden Emissionen. Die Umwelt- und Klimaschutzziele des Landes rücken damit in immer weitere Ferne“, so die Freiheitlichen.
Gleichzeitig steige der Arbeitskräftebedarf, der lokal nicht gedeckt werden kann. „Der damit verbundene Zuzug hat klare gesamtwirtschaftliche Folgen: steigender Druck auf den Wohnungs- und Mietmarkt, wachsende Anforderungen an Förderungen und soziale Unterstützungen, langfristige Belastungen durch Familienzusammenführungen, Herausforderungen im Bildungsbereich, etwa durch Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse in deutschen Schulen“, so die Freiheitlichen.
Diese Folgekosten würden größtenteils von der Allgemeinheit getragen, meint Stauder weiter.
Die Freiheitlichen betonen: „Tourismus ist eine tragende Säule unserer Wirtschaft. Gleichzeitig ist er aber auch ein wesentlicher Treiber der überdurchschnittlich hohen Lebenshaltungskosten in Südtirol.“
Unterm Strich lande ein Großteil der Erträge aus zusätzlichen Betten in private Hände, während Infrastruktur-, Umwelt- und Sozialkosten von der öffentlichen Hand und damit von der gesamten Bevölkerung übernommen würden.
„Die Rechnung von Teilen der Tourismuslobby geht für die Südtiroler Bevölkerung immer weniger auf“, stellt Obmann Roland Stauder klar.
Einen Diskussionsspielraum sehen die Freiheitlichen ausschließlich in touristisch unterentwickelten Gebieten – und auch dort nur unter klaren und strengen Kriterien. In bereits stark belasteten Regionen seien weitere Verlängerungen strikt abzulehnen. „Prettau ist nicht Schenna und damit auch nicht gleich zu behandeln“, stellt Stauder klar.
Angesichts der zunehmenden Spannungen fordern die Freiheitlichen einen breit angelegten Tourismus-Dialog, an dem Bevölkerung, Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Tourismusbranche beteiligt sind. „Südtirol braucht keinen blinden Ausbau, sondern klare Leitplanken“, so Roland Stauder abschließend.




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