Von: luk
Bozen – Die Zahl der Rücksendungen im Online-Handel nimmt weiter zu. Laut aktueller Analyse des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) an der Universität Linz haben 2025 bereits 57 Prozent der Online-Shopperinnen und Online-Shopper zumindest einmal bestellte Ware retourniert. 2023 lag dieser Wert noch bei 52 Prozent. Besonders problematisch ist die Dynamik bei Bestellungen über asiatische Plattformen: Wer bei Temu, Shein und Co bestellt, weist im Schnitt eine Retourquote von 63 Prozent auf. Noch höher die Retourquote bei den 25- bis 34-Jährigen mit 67 Prozent, gefolgt von den 16- bis 24-Jährigen mit 63 Prozent.
„Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Retouren längst kein Randphänomen mehr sind, sondern ein strukturelles Problem im Online-Handel“, betont der Präsident des Wirtschaftsverbandes hds, Philipp Moser. „Was für Kundinnen und Kunden bequem und kostenlos wirkt, ist in Wahrheit eine teure Illusion. Denn eine Retoure ist nie gratis – die Kosten landen am Ende immer irgendwo in der Wertschöpfungskette.“
Modebereich stark betroffen
Besonders betroffen ist der Modebereich: 51 Prozent der Personen, die Bekleidung oder Schuhe online bestellt haben, haben zumindest einen Teil der Ware wieder zurückgeschickt. Hauptgrund dafür sind in 71 Prozent der Fälle falsche Größen. Gerade im Modehandel werde sichtbar, wo die Schwächen des digitalen Einkaufens liegen. Fehlende Anprobe, unklare Größen und abweichende Erwartungen führen dazu, dass Waren oft in mehreren Varianten bestellt und anschließend wieder zurückgeschickt werden. „Wenn Einkaufen immer öfter nach dem Prinzip Bestellen, auswählen, zurückschicken funktioniert, dann ist das weder nachhaltig noch wirtschaftlich sinnvoll“, so der Präsident der Fachgruppe Mode im hds, Markus Rabanser.
Aus Sicht des hds braucht es deshalb mehr Bewusstsein für die tatsächlichen Folgen dieses Konsumverhaltens. „Retouren verursachen zusätzliche Transporte, Verpackungsmüll, logistischen Mehraufwand und steigenden Kostendruck. Das belastet nicht nur Unternehmen, sondern letztlich auch das gesamte System. Der stationäre Handel zeigt seit jeher, dass Einkauf auch anders geht: mit Beratung, mit direktem Erleben des Produkts und mit Entscheidungen, die nicht auf dem Rückweg korrigiert werden müssen“, sagt Moser.
„Die Gratis-Retoure mag bequem erscheinen, ist aber in Wahrheit ein Bumerang – für Handel, Umwelt und am Ende für uns alle. Wenn etwa Kleidung gleich in mehreren Größen bestellt wird, um den Rest einfach zurückzuschicken, dann wird Einkaufen zum Wegwerf-Kreislauf auf Zeit“, so Moser abschließend.




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