Mehr Unabhängigkeit und fairer Wettbewerb möglich

hds sieht im digitalen Euro eine Chance, warnt aber vor neuen Kosten

Donnerstag, 26. März 2026 | 11:13 Uhr

Von: mk

Bozen – Der Wirtschaftsverband hds begrüßt grundsätzlich die Einführung eines digitalen Euro als staatlich abgesichertes Zahlungsmittel in Europa. Aus Sicht des hds kann der digitale Euro, der das Bargeld ergänzen, aber nicht ersetzen soll, einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Abhängigkeit des Handels von internationalen privaten Zahlungssystemen zu verringern, den Wettbewerb im Zahlungsverkehr zu stärken und die europäische Souveränität auszubauen. Gleichzeitig mahnt der Verband eindringlich, dass der digitale Euro nur dann zum Erfolgsmodell werden könne, wenn er praxistauglich, kosteneffizient und fair ausgestaltet werde. Ein Pilotprojekt für den digitalen Euro wird voraussichtlich 2027 starten, eine mögliche erste Ausgabe ab 2029.

„Der digitale Euro kann für den Handel und für ganz Europa eine echte Chance sein. Er kann zu mehr Wettbewerb, niedrigeren Kosten und mehr Unabhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsanbietern beitragen. Klar ist aber auch: Der digitale Euro darf nicht zu einem neuen bürokratischen und teuren Zwangssystem werden“, erklärt hds-Präsident Philipp Moser.

Der hds sieht vor allem dort großes Potenzial, wo der digitale Euro als neutrale öffentliche Infrastruktur funktioniert – ähnlich wie Bargeld in der analogen Welt. Gerade bei digitalen Zahlungen fehlt bislang ein staatlich garantiertes Gegenmodell zu den heute dominierenden privaten Zahlungssystemen, die mit ihren hohen Kommissionen zu den großen Gewinnern gehören. „Ein digitaler Euro könnte diese Lücke schließen und damit Innovationen fördern, neue Zahlungsdienstleister ermöglichen und den Handel spürbar entlasten. Voraussetzung dafür sind jedoch klare und wirtschaftlich vernünftige Rahmenbedingungen“, so Moser weiter.

Kritisch bewertet der hds insbesondere die derzeit diskutierten Gebührenmodelle. Aus Sicht des Wirtschaftsverbandes wäre es ein schwerer Fehler, die bekannten Kostenstrukturen aus dem Kreditkartengeschäft auf den digitalen Euro zu übertragen. Prozentuale Händlergebühren lehnt der hds entschieden ab. Der technische Aufwand einer Zahlung hängt nicht von der Höhe des Betrags ab, daher braucht es ein einfaches, transparentes und rein transaktionsbasiertes Gebührenmodell mit möglichst geringen Kosten für die Unternehmen. Für geringe Zahlungsbeträge sollten beim digitalen Euro Gebühren schon gar nicht vorgesehen werden. Aktuell belaufen sich laut Dachverband Confcommercio die Gebühren für den Händler/Gastronom für POS-Transaktionen 0,7 Prozent bei Bankomat-Zahlungen und 1,3 Prozent bei Kreditkarten-Zahlungen.

„Wenn der digitale Euro dieselben Fehlanreize und dieselbe Kostenlogik übernimmt wie bestehende private Zahlungssysteme, dann wird eine historische Chance vertan. Der Handel braucht keine zusätzliche Belastung, sondern ein effizientes und kostengünstiges Zahlungssystem, das echten Wettbewerb schafft“, betont der hds-Präsident.

Was das für Südtirol bedeutet

Für Südtirols Handel und Gastronomie ist das Thema laut hds besonders relevant: Viele Betriebe arbeiten mit kleinen Margen, hoher Frequenz und steigenden Fixkosten. „Wenn Zahlungsgebühren relevant bleiben, wird der Bezahlvorgang zum versteckten Kostentreiber – und das schadet am stärksten unseren vielen Klein- und familiengeführten Betrieben“, so Moser.

„Europa darf diese Chance nicht verspielen. Der digitale Euro kann ein Meilenstein für einen faireren und souveräneren Zahlungsverkehr sein. Dafür braucht es jetzt Mut zu praxisnahen Entscheidungen – im Interesse des Handels, der Verbraucher und des gesamten Wirtschaftsstandorts Europa“, betont hds-Präsident Philipp Moser abschließend.

Bezirk: Bozen

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