Mehrheit sagt Ja – unter klaren Bedingungen

Im aktuellen Beruf bis 65?

Freitag, 29. Mai 2026 | 10:17 Uhr

Von: mk

Bozen – Die Debatte über ein längeres Erwerbsleben hat zuletzt durch Vorstöße der Südtiroler Wirtschaftsverbände neuen Auftrieb erhalten. Das AFI | Arbeitsförderungsinstitut richtet den Blick auf die entscheidende Vorfrage: Wie realistisch ist es für die derzeit Beschäftigten überhaupt, ihren aktuellen Beruf bis zum 65. Lebensjahr auszuüben? Die aktuelle Ausgabe des AFI-Barometers zeigt: Eine deutliche Mehrheit hält das grundsätzlich für möglich – allerdings nur unter passenden Rahmenbedingungen. „Neben finanziellen Anreizen sind Gesundheit und Arbeitsumfeld entscheidend. Wer ältere Beschäftigte im Betrieb halten will, muss mehr bieten als ein Standardgehalt“, betont AFI-Direktor Stefan Perini.

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Das Arbeiten im fortgeschrittenen Erwerbsalter rückt angesichts des Fachkräftemangels zunehmend in den Fokus von Wirtschaft und Gesellschaft. In der Frühjahrsausgabe des AFI-Barometers wurden Südtirols Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer deshalb gefragt, ob sie davon ausgehen, mit 65 Jahren noch denselben Beruf ausüben zu können wie heute – und welche Rahmenbedingungen einen Verbleib in der Arbeitswelt begünstigen würden.

Mehrheit sieht sich grundsätzlich arbeitsfähig – ein Drittel nicht

72 Prozent der Südtiroler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können sich vorstellen, ihren derzeitigen Beruf bis mindestens 65 auszuüben. Rund 28 Prozent halten dies hingegen für unrealistisch – 22 Prozent für „eher unwahrscheinlich“, sechs Prozent für „sehr unwahrscheinlich“. Ausschlaggebend für einen vorzeitigen Ausstieg sind vor allem gesundheitliche Belastungen: 63 Prozent nennen psychischen Stress als Hauptgrund, 55 Prozent verweisen auf zu hohe körperliche Anforderungen.

Vier Faktoren machen den Unterschied

Welche Faktoren erhöhen die Bereitschaft, länger im Beruf zu bleiben? Die Befragten nennen ein Bündel aus harten und weichen Faktoren: 75 Prozent nennen eine angemessene Bezahlung („es muss sich lohnen“), 74 Prozent weniger Stress am Arbeitsplatz, 73 Prozent eine geringere körperliche Belastung, 72 Prozent ein gutes Arbeitsklima. Auffällig: Klassische arbeitszeitpolitische Maßnahmen wie Arbeitszeitverkürzung oder Flexibilisierung verlieren im Vergleich zur Erhebung vor fünf Jahren an Bedeutung.

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„Angesichts des demografischen Wandels wird die Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur strategischen Schlüsselfrage. Die Daten zeigen eindeutig: Ob Menschen länger arbeiten, entscheidet sich nicht am Willen, sondern an den Arbeitsbedingungen. Unternehmen stehen in der Pflicht, Jobs gesundheitsgerecht zu gestalten, Belastungen spürbar zu reduzieren und echte Anreize zu schaffen – sonst bleibt ein enormes Arbeitskräftepotenzial ungenutzt“, erklärt AFI-Präsident Stefano Mellarini.

Bezirk: Bozen

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