Preisauftrieb bei Treibstoffen ging zurück

Inflation hat sich im Juni abgeschwächt

Freitag, 17. Juli 2026 | 14:20 Uhr

Von: apa

Die Inflation in Österreich hat sich im Juni abgeschwächt. Laut Daten der Statistik Austria lag sie im Vormonat bei 3,2 Prozent, nach 3,7 Prozent im Mai. Für den Rückgang war vor allem der nachlassende Preisauftrieb bei Treibstoffen und Heizöl verantwortlich. Die Entspannung dürfte aber nur von kurzer Dauer sein. Im Juli sind die Treibstoffpreise aufgrund des wieder aufgeflammten Iran-Kriegs bereits wieder gestiegen.

Diesel lag zuletzt wieder bei über 1,90 Euro je Liter, und damit deutlich über dem Niveau vom Vormonat. Wifo-Ökonom Josef Baumgartner erwartet daher, dass auch die Inflation im Juli wieder anziehen wird. “Im Juli werden wir aus Treibstoffen und Mineralölprodukten höhere Inflationsbeiträge bekommen”, sagte der Ökonom am Freitag im Gespräch mit der APA.

Ob sich die Teuerung bis Jahresende wieder abschwächt, sei unsicher. Das hänge vor allem davon ab, wie der Krieg im Iran weitergehe, ob erneut Friedensverhandlungen geführt würden und ob dann ein nachhaltiger Frieden zustande komme, so Baumgartner. Entscheidend sei auch, wie viel der Öl- und Gasinfrastruktur in der Region bei Angriffen zerstört werde.

Inflation bei Treibstoffen ließ im Juni nach

Im Vormonat Juni hat die Teuerung bei den Treibstoffen laut Statistik Austria deutlich nachgelassen: Sie stiegen nur noch um 16,3 Prozent, nachdem sie im Mai noch um 26,5 Prozent zugelegt hatten. Insgesamt war der Verkehr (plus 6,5 Prozent) aber immer noch der stärkste Preistreiber der Inflation. Flugticketpreise setzten beispielsweise ihren Anstieg fort und wurden im Juni um 22,4 Prozent teurer. Im Mai lag das Plus bei 13,8 Prozent.

Bei Heizöl ließ der Preisdruck spürbar nach, im Juni erhöhten sich die Preise um 32,6 Prozent, nach plus 53,7 Prozent im Mai. Das half auch den Preisen für Haushaltsenergie, die insgesamt um 0,4 Prozent zurückgingen.

Strom war Inflationsdämpfer

Vor allem Strom war im Juni ein Inflationsdämpfer, die Preise gingen um 10,2 Prozent zurück. Die ab Jänner 2026 wirksamen Reduzierungen der Elektrizitätsabgabe sowie des Erneuerbaren-Förderbeitrags würden hier weiterhin preisdämpfend wirken, schrieb die Statistik Austria. Auch die Einführung eines Sozialtarifs für von der ORF-Gebühr befreite Haushalte sowie die Einführung des Sommer-Netztarifs, der bis Ende September ein über die Mittagszeit reduziertes Netzentgelt vorsieht, hatten zusätzliche preisdämpfende Effekte.

Gas wurde indessen um 4,6 Prozent teurer, Fernwärme um 1,9 Prozent und feste Brennstoffe um 11,1 Prozent. Insgesamt verteuerten sich die Preise im Bereich Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe um 3,0 Prozent.

Dienstleistungen überdurchschnittlich verteuert

Überdurchschnittlich stiegen im Juni die Preise für Dienstleistungen. So wurden Gastronomie- und Beherbergungsdienstleistungen im Juni um 4,5 Prozent teurer. Die Preise für stationäre Gesundheitsdienstleistungen legten um 4,9 Prozent zu, jene für ambulante Gesundheitsdienstleistungen erhöhten sich um 7,4 Prozent.

Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich um 1,3 Prozent und damit weniger stark als im Mai (2,2 Prozent). Fleisch wurde um 2,6 Prozent teurer, Getreide- und Getreideerzeugnisse um 2,2 Prozent, Obst um 2,9 Prozent und Milch und Eier um 1,5 Prozent. Alkoholfreie Getränke verbilligten sich um 0,3 Prozent – geholfen haben hier gesunkene Kaffeepreise (minus 0,5 Prozent).

Preise für täglichen Einkauf stabil

Die Preise für den täglichen Einkauf, die durch den Mikrowarenkorb abgebildet werden, sind im Juni im Jahresabstand stabil geblieben. Der Mikrowarenkorb enthält vor allem Nahrungsmittel, aber auch Tageszeitungen oder den Kaffee im Kaffeehaus. Dagegen stieg das Preisniveau des Miniwarenkorbs, der einen wöchentlichen Einkauf abbildet und neben Nahrungsmitteln und Dienstleistungen auch Treibstoffe enthält, im Jahresvergleich um 3,7 Prozent.

Der auf europäischer Ebene harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) lag im Juni bei 3,2 Prozent.

Eurozonen-Inflation im Juni bei 2,8 Prozent

Auch die Inflation in der Eurozone hat sich im Juni abgeschwächt. Im Jahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise um 2,8 Prozent, teilte Eurostat am Freitag in Luxemburg nach einer zweiten Schätzung mit. Damit wurde eine erste Schätzung wie von Volkswirten erwartet bestätigt. Im Mai lag die Inflationsrate bei 3,2 Prozent.

Die Kernrate der Inflation, bei der besonders schwankungsanfällige Komponenten wie Energie und Nahrungsmittel herausgerechnet werden, gab ebenfalls nach. Sie fiel von 2,6 auf 2,4 Prozent. Auch hier wurde eine erste Schätzung bestätigt. Im Vergleich zum Vormonat fiel das Preisniveau insgesamt im Juni um 0,1 Prozent.

Regierung verwies auf Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung

Die Regierung nutzte die Daten der Statistik, um jüngste Maßnahmen gegen die Inflation zu bewerben. Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner und Finanz-Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (beide ÖVP) betonten die Entlastungsmaßnahmen im Strombereich, SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim wies auf die Halbierung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel hin.

FPÖ-Wirtschaftssprecherin Barbara Kolm zeigte sich zwar erfreut über die weniger starke Teuerung, monierte jedoch die strukturellen Probleme des Wirtschaftsstandortes, die “mangels Reformen unverändert” fortbestehen würden. Der ÖGB sieht wiederum die Teuerung bei den Dienstleistungen und die hohe Kerninflation als Probleme. Angela Pfister, Leiterin des Volkswirtschaftlichen Referats im ÖGB, verweist außerdem auf die zuletzt wieder gestiegenen Spritpreise, die in den Juni-Daten noch nicht abgebildet seien.

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