Von: APA/Reuters
Der Iran-Krieg hat in Deutschland einen Teuerungsschub ausgelöst, der sich noch zu verstärken droht. Im März kletterte die Inflation auf 2,7 Prozent, nach 1,9 Prozent im Februar, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag mitteilte. Es ist der höchste Wert seit Jänner 2024. “Insbesondere Kraftstoffe und Heizöl haben sich für die Verbraucherinnen und Verbraucher seit Beginn des Iran-Kriegs sprunghaft verteuert”, sagte Destatis-Präsidentin Ruth Brand.
Die Preise für Energieprodukte insgesamt lagen im abgelaufenen Monat um 7,2 Prozent höher als im März 2025. Das war zugleich der erste Anstieg der Energiepreise gegenüber dem Vorjahresmonat seit Dezember 2023. Im Februar hatte der Preisrückgang noch 1,9 Prozent betragen.
Nahrungsmittel kosteten im März um 0,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Damit schwächte sich der im Februar beobachtete Preisauftrieb (+1,1 Prozent) etwas ab.
Weiterer Anstieg wahrscheinlich
Gegenüber dem Vormonat stiegen die deutschen Verbraucherpreise im März 2026 insgesamt um 1,1 Prozent. Der bisher beobachtete Inflationsanstieg sei nur der Anfang, warnen Experten. Auch wenn der Waffenstillstand im Mittleren Osten halte, dürfte die Inflation im April weiter steigen, sagte Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).
“Ein Anstieg der Inflation in den kommenden Monaten über die 3-Prozent-Marke ist nicht unwahrscheinlich”, fügte der Experte hinzu. Er verweist darauf, dass die Kraftstoffpreise im ersten April-Drittel deutlich über den Preisen im März lagen. Auch wirkten Kostensteigerungen im Großhandel für Erdgas und Elektrizität mit Verzögerung auf die Verbraucherpreise, weil die meisten von ihnen länger laufende Verträge mit den Versorgern hätten.
Als weitere Inflationstreiber dürften in den nächsten Wochen indirekte Preiserhöhungen aufgrund der gestiegenen Energiekosten kommen – etwa, wenn Lieferdienste ihre Preise wegen des teureren Dieselkraftstoffs anheben.
Teuerungsrate über 3 Prozent erwartet
Auch der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater, geht vor diesem Hintergrund davon aus, dass die Teuerungsrate vorübergehend über 3 Prozent liegen wird. Fürs Tanken mussten die Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland im März bereits tief in die Tasche greifen: Kraftstoffe verteuerten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um satte 20,0 Prozent.
Die Preise für leichtes Heizöl erhöhten sich sogar um 44,4 Prozent: “Diese deutlichen Preissprünge resultierten maßgeblich aus den Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten und der dadurch ausgelösten Preisentwicklung auf dem Rohölmarkt”, so die Statistikerinnen und Statistiker.
IEA befürchtet Diesel- und Kerosinengpässe in Europa
Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, befürchtet Engpässe in Europa. “Wenn sich die Lage nicht verbessert, könnten Diesel und Kerosin in Europa bald knapp werden. Nicht sofort, aber in den kommenden Wochen”, sagte er dem “Spiegel”.
Europa habe vor dem Iran-Krieg einen großen Teil seines Diesels und Kerosins aus Raffinerien des Nahen Ostens bezogen: “Viele Treibstofflager haben sich in den vergangenen Wochen geleert.” Wenn sich die globale Produktion nicht bald erhole, könne es im Mai für einige europäische Staaten brenzlig werden. Welche Staaten das sind, wollte Birol nicht sagen.
Straße von Hormuz als Druckmittel
Mir der faktischen Kontrolle der Straße von Hormuz habe der Iran ein Druckmittel gegenüber der gesamten Weltwirtschaft, gibt Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer zu bedenken. Auch wenn Europa – und gerade Deutschland – einen Großteil seines Erdöls und Erdgases aus anderen Ländern und nicht aus dem Mittleren Osten beziehe, könnten Lieferketten gefährdet werden.
“Denn Deutschland und die anderen europäischen Länder importieren diverse Waren wie Chemikalien, Edelgase und Aluminium aus den Anrainerstaaten des Persischen Golfs”, erläuterte der Experte. Seit Mittwoch gilt eine zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg. “Allerdings bleibt diese brüchig, und die Verhandlungen für einen langfristigen Frieden dürften angesichts der sehr weit auseinanderliegenden Positionen sehr schwierig werden”, sagte Stamer.
DekaBank-Chefvolkswirt Kater betont, dass sechs Wochen Krieg an einer der wichtigsten Handelsrouten der Weltwirtschaft beträchtliche gesamtwirtschaftliche Schäden verursacht haben. Selbst im besten Fall einer schnellen, tragfähigen Einigung aller Konfliktparteien dürfte es bis weit in die zweite Jahreshälfte dauern, bis sich das Angebot am globalen Ölmarkt normalisiere. “Bei Erdgas wird die Rückkehr zur Normalität wegen der teilweisen Zerstörung von Produktionsinfrastruktur sogar noch längere Zeit brauchen.”
Haushaltsenergie billiger
Trotz des Preisanstiegs beim Heizöl infolge des Iran-Krieges war Haushaltsenergie in Deutschland im März um 1,2 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. So waren beispielsweise Erdgas einschließlich Betriebskosten (-2,9 Prozent) und Fernwärme (-1,2 Prozent) binnen Jahresfrist günstiger, was laut Destatis unter anderem auf die seit Jahresbeginn umgesetzten Maßnahmen der deutschen Bundesregierung zurückzuführen ist. Dazu zählen zum Beispiel reduzierte Übertragungsnetzentgelte und die Abschaffung der Gasspeicherumlage.




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