Energiekrise trübt Ausblick

Japans Wirtschaft erwischt guten Start ins Jahr

Dienstag, 19. Mai 2026 | 11:51 Uhr

Von: APA/Reuters

Japans Wirtschaft ist überraschend gut ins Jahr gestartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 2,1 Prozent zu, wie aus offiziellen Daten vom Dienstag hervorging. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich mit einem Plus von 1,7 Prozent gerechnet, nach einem abwärts revidierten Zuwachs von 0,8 Prozent im Vorquartal. Im Vergleich zum vorangegangenen Vierteljahr wuchs die Wirtschaft um 0,5 Prozent.

Der private Konsum und die Investitionen legten dabei um jeweils 0,3 Prozent zu. Zudem steuerte der Außenbeitrag, also der Saldo aus Exporten und Importen, 0,3 Prozentpunkte zum Wachstum bei. Analysten erwarten jedoch, dass sich die Konjunktur in den kommenden Quartalen abkühlen wird. Grund dafür sind die wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Konflikts, der zu Störungen der weltweiten Energieversorgung geführt hat.

Sperre der Straße von Hormuz als Herausforderung

LBBW-Experte Matthias Krieger weist darauf hin, dass die Straße von Hormuz, eine zentrale Transportroute für Ölexporte vom Persischen Golf nach Asien, aufgrund des Krieges praktisch blockiert ist. Dies treibe die Preise in die Höhe – eine Herausforderung für das ressourcenarme Fernostland: “Japan hat einige Ölreserven freigegeben und arbeitet an alternativen Routen, die Belastungen sind gleichwohl enorm. Immerhin stützen erhöhte Ausgaben für künstliche Intelligenz und die Verteidigung die Konjunktur.”

Je nachhaltiger der Anstieg der Energiepreise die globale Konjunktur aber unter Druck setze, umso vorsichtiger dürften die exportorientierten japanischen Unternehmen bei weiteren Investitionen sein. Und auch die privaten Konsumenten würden sich mit ihren Ausgaben in einem solchen Umfeld mit zudem steigenden Preisen eher zurückhalten, meint der Experte. Mit Blick auf den schwachen Yen, der Importe zusätzlich verteuert, steige bei tendenziell weiter anziehenden Preisen zudem der Druck auf Japans Zentralbank, die Zinssätze anzuheben. Dies dürfte die konjunkturellen Perspektiven nach Ansicht Kriegers weiter eintrüben: “Dass sich die erfreuliche Dynamik des Jahresauftakts beim BIP-Wachstum so fortsetzen wird, halten wir daher für unwahrscheinlich”, so das Fazit des Ökonomen von der Landesbank Baden-Württemberg.

Wirtschaft könnte im zweiten Quartal sogar schrumpfen

Laut Ökonom Yoshiki Shinke vom Dai-ichi Life Research Institute könnte die Wirtschaft des Fernostlandes im zweiten Quartal sogar schrumpfen. Sollte es im Zuge des Nahost-Konflikts zu massiven Lieferengpässen kommen, könnte der Schaden aus seiner Sicht für das Wachstum so schwerwiegend ausfallen, dass der Notenbank im Juni möglicherweise kein Spielraum für eine Zinserhöhung bleibe.

Die Zentralbank beließ den Leitzins Ende April unverändert bei 0,75 Prozent. Allerdings sieht sie sich mit wachsendem Druck aus den eigenen Reihen für eine straffere Geldpolitik konfrontiert. Drei der neun Ratsmitglieder stimmten für eine Anhebung und verwiesen auf den Inflationsdruck infolge des Konflikts in Nahost.

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