Von: red
Bozen – Der gesamtstaatliche Journalistenverband FNSI hat für den heutigen 27. März 2026 erneut einen ganztägigen Streik ausgerufen. Grund dafür ist die seit zehn Jahren ausstehende Erneuerung des Kollektivvertrags. Die Journalistengewerkschaft der Region Trentino-Südtirol unterstützt den Streik. Laut FNSI geht es um die Würde des Journalismus. Im Folgenden wird die Stellungnahme wörtlich veröffentlicht:
Würde. Das ist das Schlüsselwort, das uns zu zwei weiteren Streiks am 27. März und am 16. April veranlasst. Wir möchten, dass der Information die nötige Würde zu Teil wird und diese auch in Zukunft gegeben ist. Derzeit ist das keine Selbstverständlichkeit, im Gegenteil.
Unser Kollektivvertrag ist seit zehn Jahren abgelaufen, unsere Gehälter wurden durch die Inflation aufgezehrt und haben 20 Prozent an Kaufkraft eingebüßt. Wir sind die einzige Berufsgruppe, die so lange auf eine Erneuerung des Kollektivvertrages wartet. Es geht um eine wirtschaftliche Frage, aber auch um Ruf und Unabhängigkeit der Presse.
Man möchte stückweise den Vertrag demontieren, den Staatspräsident Sergio Mattarella als „Garantie für die Unabhängigkeit der Journalisten“ bezeichnet hat. Es besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen unseren grundlegenden wirtschaftlichen Forderungen und der Informationsfreiheit, die auch Bürgerinnen und Bürger, Leserinnen und Leser, Fernsehzuschauer und Internetnutzer einfordern müssen, um ihrerseits frei zu sein.
Die Verlage bekommen Förderungen in Millionenhöhe von der Staatsregierung (von dieser ebenso wie von den vorherigen), investieren aber wenig in die Unternehmen und in den Ausbau einer professionellen Berichterstattung. Im Gegenteil, sie schicken 62-jährige Mitarbeiter in den Vorruhestand, schaffen Anreize, um die Redaktionen zu entleeren und greifen auf freie Mitarbeiter und Selbstständige zurück, die für ihre Arbeit Hungerlöhne erhalten.
Die Verleger lehnen elementare Regeln bei der Nutzung Künstlicher Intelligenz ab und sind willens, Journalisten zu ersetzen, welche die eigentliche Kernkompetenz der Informationsbranche darstellen. Sie tun so, als würden sie das Gesetz nicht kennen, das sie verpflichtet, Journalisten für redaktionelle Inhalte zu honorieren, die sie selbst längst an OTT-Anbieter abgetreten haben, also an die großen Firmen, die Inhalte und Dienste im Netz bereitstellen.
Die Verleger möchten, dass nachfolgende Journalisten noch schlechter bezahlt werden als jene heute und dass ihnen der Weg zur Ausbeutung der Selbstständigen geebnet wird. Sie haben bei den Verhandlungen einen Vorschlag unterbreitet, der noch niedriger ist als jener, der bereits 2016 vom Verwaltungshöchstgericht abgelehnt wurde.
Das sind die Gründe, weshalb wir erneut streiken. Wir tun dies für uns und unsere Würde. Für unsere Zukunft. Für euch und für unsere und eure Freiheit. Denn: Wie frei und unabhängig ist ein Journalist, der gezwungen wird, Informationen wie am Fließband zu verarbeiten? Wie kann ein Mitarbeiter Rückgrat bewahren, wenn er pro Stückzahl wie im Akkord bezahlt wird? Wie unbeschwert kann ein Redakteur arbeiten, wenn er sich nicht darauf verlassen kann, dass er durch einen Arbeitsvertrag geschützt ist? Denkt darüber nach, ob ihr euch unter derartigen Voraussetzungen weiter von Zeitungen, Nachrichtensendungen, Sozialen Medien oder Online-Portalen informieren lassen wollt.
Die Antwort vom Verband der Verleger (FIEG): “Rahmenbedingungen völlig verändert”
Die im gesamtstaatlichen Fachverband zusammengeschlossenen Zeitungsverleger (Federazione Italiani Editori Giornali, kurz: FIEG) weisen darauf hin, dass es um einen auf gesamtstaatlicher Ebene gültigen Kollektivvertrag geht, der auf längst nicht mehr existierende, völlig überholte Geschäftsmodelle gründet.
Dieser Vertrag garantiert den Journalistinnen und Journalisten nach wie vor Privilegien, die mittlerweile nicht mehr tragbar, finanzier- und leistbar sind, so beispielsweise die weitere Bezahlung von Feiertagen, die bereits vor 50 Jahren abgeschafft wurden oder die prozentuellen automatischen Lohnanpassungen, welche die Journalistinnen und Journalisten auch weitgehend vor den Auswirkungen der Inflation geschützt haben.
Genau aus diesem Grund weigert sich die Journalisten-Gewerkschaft FNSI, sich mit der umfassenden Erneuerung und Modernisierung des gesamtstaatlichen Kollektivvertrags für Journalistinnen und Journalisten auseinandersetzen ebenso wie mit der Einführung von flexibleren Regeln zur Förderung der Einstellung junger Menschen.
Beide Punkte wären allerdings für die weitere Wettbewerbsfähigkeit aus unserer Sicht geradezu unerlässlich.
Die Journalisten-Gewerkschaft FNSI beschränkt sich und beharrt stattdessen ausschließlich auf rein wirtschaftliche Forderungen.
Was hingegen die freien Mitarbeiter anbelangt, so hat der Fachverband der Zeitungsverleger FIEG am eigens dafür eingerichteten Verhandlungstisch immer seinen Willen und seine Bereitschaft bekundet, die derzeit geltenden Regeln und Vergütungen anzupassen und zu verbessern.
Zur Wahrung der Arbeitsplätze und vor allem auch um Entlassungen von Redakteurinnen und Redakteuren zu vermeiden, wurde von Zeitungsverlagen in der Tat auf Vorruhestandsregelungen zurückgegriffen.
Der Fachverband der Zeitungsverleger erinnert in diesem Zusammenhang allerdings daran, dass dies immer nur mit der ausdrücklichen Zustimmung der Journalisten-Gewerkschaft erfolgte, die sämtliche entsprechenden Maßnahmen – die Anerkennung des Krisenzustandes und die folgenden Abwicklungspläne- mitgetragen und mitunterzeichnet hat.
Trotz der fehlenden Bereitschaft der Journalisten-Gewerkschaft, die vertraglichen Bestimmungen in irgendeiner Weise zu ändern, haben die Zeitungsverleger am Verhandlungstisch wiederholt ein wirtschaftliches Angebot unterbreitet, das über jenem der letzten Vertragserneuerung liegt und auch den heutigen veränderten Rahmenbedingungen der gesamten Medienbranche entspricht.
Der aktuelle Vertrag bliebe dabei gültig und aufrecht und würde keinesfalls ausgehöhlt.
Die Zeitungsverleger und -Herausgeber bekräftigen einmal mehr, dass sie auf jeden Fall weiterhin ihrer Aufgabe und Rolle gerecht werden, in dem sie in ihre Unternehmen – in neue Produkte und allgemein in die Aufwertung des Journalistenberufes – investieren.




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