Studie der Universität Innsbruck und der University of Waterloo

Klimawandel: Fünf Milliarden Dollar Schaden für US-Skiindustrie

Freitag, 01. März 2024 | 10:16 Uhr

Innsbruck – Zum ersten Mal wurde in einer Studie der wirtschaftliche Schaden des Klimawandels für die Skiindustrie geschätzt. Die Studie der Universität Innsbruck und der University of Waterloo in Kanada deckt auf, dass die volkswirtschaftlichen Verluste der US-Skiindustrie durch den vom Menschen verursachten Klimawandel in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als 5 Milliarden US-Dollar betrugen.

Die Untersuchung verglich die Skisaison in den Wintern der 1960-er und 1970-er Jahre mit den letzten beiden Jahrzehnten (2000-2019). Die Analyse ergab, dass sich die Skisaison durchschnittlich um fünf bis sieben Tage verkürzt hat und die entgangenen Besuche in den Skigebieten in Verbindung mit der verstärkten Beschneiung die US-Skiindustrie durchschnittlich 252 Millionen US-Dollar pro Jahr kosten.

„Die Zeit der Hochsaison im Skisport ist wahrscheinlich vorbei“, sagt Robert Steiger vom Institut für Finanzwissenschaft der Universität Innsbruck. „Die durchschnittlichen Skisaisonen in allen regionalen Märkten der USA werden in den kommenden Jahrzehnten unter allen Emissionsszenarien kürzer werden. Wie viel kürzer sie werden, hängt davon ab, ob alle Länder in der Lage sind, ihre Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen zur Emissionsreduzierung zu erfüllen.“

Universität Innsbruck

Die milliardenschwere Skiindustrie gilt seit langem als einer der am stärksten gefährdeten Bereiche der Tourismuswirtschaft. Die aktuelle Studie ist ein wichtiger erster Schritt, um die finanziellen Auswirkungen der Klimakrise auf die Skiindustrie und die weitergehenden wirtschaftlichen Schäden für den Skitourismus und die Zielgemeinden im Allgemeinen zu verstehen.

Blick in die Zukunft

Für die kommenden Jahrzehnte berechneten die Forscher anhand verschiedener Treibhausgasemissionsszenarien die Verluste für die USA. Für die 2050er-Jahre wurde gezeigt, dass sich die Skisaison selbst bei starker künstlicher Beschneiung in einer emissionsarmen Zukunft um 14 bis 33 Tage und in einer emissionsreichen Zukunft um 27 bis 62 Tage verkürzen wird. Die Auswirkungen auf die Skiindustrie würden sich in einem Szenario mit geringen Emissionen auf 657 Millionen US-Dollar verdoppeln und in einem Szenario mit hohen Emissionen sogar auf 1352 Millionen US-Dollar verfünffachen.

„Es gibt zwei sehr unterschiedliche Zukünfte für die Skibranche. Wenn das Pariser Klimaabkommen erreicht wird und die globale Erwärmung unter +2°C gehalten werden kann, wird die Skiindustrie der Zukunft der heutigen ähneln. Wenn sich die Welt jedoch weiterhin auf einem höheren Emissionspfad bewegt, wird Après-Ski für viele Skigebiete eine ganz andere Bedeutung haben“, sagt Ko-Autor Daniel Scott, Professor an der Fakultät für Geographie und Umweltmanagement der University of Waterloo.

Konservative Schätzung

Diese Schätzungen werden als eher konservativ angesehen, da sie nur die entgangenen direkten Einnahmen aufgrund der geringeren Skibesuche und die höheren Betriebskosten aufgrund der höheren Schneeproduktion berücksichtigen. Die Studie berücksichtigt nicht den Rückgang von Hotel-, Einzelhandels- und anderen Ausgaben durch den Skitourismus, die weitaus größere Auswirkungen auf die Wirtschaft des Reiseziels haben können. Auch die Kapitalkosten für eine stärkere Beschneiung und die Auswirkungen auf die Immobilienwerte in den stark betroffenen Skigebieten konnten zum jetzigen Zeitpunkt nicht berücksichtigt werden. „Der Klimawandel ist eine sich abzeichnende Realität für die Skiindustrie und den Tourismussektor. Die rekordverdächtigen Temperaturen dieses Winters waren ein Vorgeschmack auf die Zukunft. Er hat die Grenzen der Beschneiung in vielen Gebieten aufgezeigt und die Skibesuche und die Wahl des Reiseziels von Millionen von Skifahrern verändert“, sagt Daniel Scott. Robert Steiger von der Universität Innsbruck ergänzt: „Ähnliche Analysen in anderen regionalen Märkten und weitere Forschungen zur Nachhaltigkeit der Beschneiung und zur Reaktion der Skifahrernachfrage sind notwendig, um festzustellen, wie sich die Wettbewerbsfähigkeit von Skidestinationen in ganz Nordamerika und weltweit im Zuge des Klimawandels entwickeln wird.”

Von: mk

Kommentare

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10 Kommentare auf "Klimawandel: Fünf Milliarden Dollar Schaden für US-Skiindustrie"


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Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

Sicher kann man versuchen, diese Entwicklung mit Technik aufzuhalten, doch abgesehen vom enormen Stromverbrauch bei der Beschneiung (und wir werden den Strom für anderes brauchen, wenn wir von fossilen Brennstoffen weg wollen) spricht auch die nachhaltige Verschandelung der Berge durch Speicherbecken gegen diesen Weg. Zumindest kleinere Skigebiete sollten besser darin investieren, ein attraktives Angebot auch für schneearme Winter zu sichern (Wandern, Kulinarik) und den Skibetrieb lieber zurückbauen. Eine sich entsprechend erholende Natur belebt dann auch die Sommer- und Nebensaison.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 13 Tage

Tja, irgendwann, in wenigen Jahren wird der letzte Idiot in Europa auch verstehen, dass es billiger gewesen wäre etwas frühzeitig gegen den Klimawandel zu tun als später das 20 fache zu bezahlen!

Sosonadann
Sosonadann
Superredner
1 Monat 13 Tage

@N.G. Naja, beim Verstehen, was man vorher hätte tun sollen, damit es hinterher nicht schlimm wird, haben manche so ihre Probleme.

Oracle
Oracle
Kinig
1 Monat 13 Tage

@info….. zum Thema Speicherbecken…. eine Wasserfläche, eine Verschandelung der Berge? .. naja, eine etwas verzerrte Sichtweise….. in Speicherbecken werden wir allgemein viel investieren müssen, wenn wir die Versorgung mit Wasser auch in regenarmen Zeiten ermöglichen wollen und gleichzeitig den Grundwasserkörper nicht überbelasten wollen. Jedes Kind versteht, dass das Regenwasser schnell weg ist, wenn man es nicht in einem Becken speichert. Das Zurückhalten von Wasser sichert seit je her das Überleben der Menscheheit!….. der Rest ist eine reine linksgrüne sehr oberflächliche ideologische Einstellung voller Unwissenheit, Vorurteile und Mutmaßungen….

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Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

Von einem Wall umgebene, eingezäunte und mit Plastikhüllen ausgelegte geometrische Becken sind keine Bereicherung der Bergwelt und werden noch Jahrzehnte, wenn nicht -hunderte da sein, wenn der Skibetrieb einmal eingestellt wird. Das Wasser auf 2000m zu speichern, bringt für die Wasserversorgung im Tal wenig, eher wird sie beeinträchtigt, weil das hydrologische System bereits auf dem Berg durcheinander gebracht wird. Auch die Folgen für tiefergelegene Quellen, Schutzwald etc. sind schwer absehbar. Den Vorwurf der Oberflächlichkeit gebe ich also gerne zurück.

Stryker
Stryker
Superredner
1 Monat 12 Tage

@info
Die Wasserspeicherung bring nichts für die Wasserversorgung im Tal??
Wenn man keine Ahnung hot isch besser man schreib nix.

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Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

@Stryker
Dann klär uns auf, sonst wäre es gleich viel wert gewesen, nichts zu schreiben…

So ist das
1 Monat 12 Tage

Leider ist die Tourismuslobby zu stark und schaut nur aufs Geld, nicht auf die Umwelt oder das Land.

Gredner
Gredner
Kinig
1 Monat 12 Tage

Die ‘muricans fliegen nun vermehrt nach Europa zum Skifahren, weil bei uns der Skipass nur ein drittel kostet!

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Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

Keine gute Entwicklung, wenn Leute in einen anderen Kontinent fliegen, um beim Skipass zu sparen, oder?

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