Pflegekräfte aus Trient zieht es nach Bozen 

Mehr Geld und mehr Freizeit – tatsächlich?

Montag, 17. Oktober 2022 | 07:26 Uhr
Update

Von: luk

Bozen – Der Sanitätsbetrieb in Trient sieht sich mit einem zunehmenden Problem konfrontiert. Wie die italienische Tageszeitung Alto Adige am Sonntag berichtet, zieht es Pflegekräfte vermehrt von Trient nach Bozen. Der Grund: Hier finden sie laut eigener Aussage bessere Arbeitsbedingungen und ein höheres Gehalt vor. Doch ist das wirklich so?

Ein Pfleger, der rund 20 Jahre lang im Sanitätsbetrieb Trient gearbeitet hat und nicht namentlich genannt werden will, erklärt, dass er nur darauf warte, bis alles unter Dach und Fach ist. Nach Bozen habe ihn das höhere Gehalt gelockt. In Trient erhalte er monatlich rund 1.800 Euro. In Bozen bekomme er hingegen mehr und auch die Zweisprachigkeitsprüfung falle ins Gewicht. Außerdem werde ihm vom Sanitätsbetrieb auch die freiberufliche Tätigkeit erlaubt. Er behauptete, somit auf rund 3.000 Euro zu kommen.

Doch es sei nicht nur das Geld, das ihn bewogen habe, eine berufliche Veränderung vorzunehmen. In Bozen könne er Turnusse zu je zwölf Stunden machen. So arbeite er drei Tage und vier Tage habe er dann frei. Damit könne er seine Fahrten von Trient nach Bozen einschränken und habe mehr Zeit für die Familie.

In seinen Aussagen steckt auch eine gewisse Ernüchterung: Die Verantwortlichen im Sanitätsbetrieb Trient würden immer weniger Pflegekräften immer mehr Patienten zuordnen. So sinke die Qualität der geleisteten Arbeit. Dies wird durch eine Ärztin bestätigt, die bereits vor zwei Jahren gewechselt hat.

Aussagen in der Kritik

Die Aussagen des Trentiner Pflegers stießen hierzulande auf Kritik. Viele Pflegekräfte haben sich bei Südtirol News gemeldet und gemeint, dass die genannten Summen nicht der Realität entsprechen würden. Die Pflegekraft könne nicht auf 3.000 Euro kommen und vielmehr sei es so, dass hierzulande gerade wegen des Gehalts viele Fachkräfte das Handtuch schmeißen und ins Ausland gehen würden.

 

Bezirk: Bozen