Von: apa
Der Prozess gegen den österreichisch-kanadischen Magna-Gründer Frank Stronach wegen Missbrauchsvorwürfen wird voraussichtlich am Freitag in Toronto mit der Befragung der ersten Klägerin, die in diesem Fall aussagt, fortgesetzt. Das meldete die kanadische Nachrichtenagentur “The Canadian Press”. Die Frau hatte in ihrer Aussage zu Prozessbeginn einen mutmaßlichen sexuellen Übergriff von Stronach geschildert. Dieser bekennt sich nicht schuldig und weist alle Vorwürfe von sich.
Am Donnerstag hatte die Klägerin vor Gericht ausgesagt, dass sie “zutiefst verängstigt” (“terrified”) gewesen sei, als sie an einem unbekannten Ort in einem Bett aufgewacht sei und festgestellt habe, dass sie vergewaltigt worden sei, berichtete unter anderem “The Canadian Press”. Die Frau sagte, sie habe dem Sex mit dem rund dreißig Jahre älteren Stronach nicht zugestimmt, nachdem sie ihn in seinem Restaurant in Toronto getroffen hatte. Sie wisse nicht, wie sie in jener Nacht Anfang der 1980er-Jahre in seinem Bett gelandet sei.
Klägerin schilderte mutmaßlichen Übergriff
Die mittlerweile über 60-jährige Klägerin sagte, Stronach, den sie flüchtig kannte, sei am Abend zuvor in dem Restaurant mit einer Flasche Champagner aufgetaucht. Sie erinnere sich noch daran, ihm gesagt zu haben, dass sie nicht trinke, aber eventuell einen Schluck probiert habe. Dann sei sie “auf der Tanzfläche zu sich gekommen”, wo er sie festhielt und seine Hände in ihren Schritt drückte. Ihre nächste Erinnerung sei, dass sie mit Stronach auf sich liegend aufgewacht sei. Sie habe sich damals nicht an die Polizei gewandt, weil sie nicht geglaubt habe, dass ihr jemand glauben würde.
Stronachs Verteidigerin, Leora Shemesh, befragte die Frau laut mehreren kanadischen Medienberichten intensiv zu ihrer Erinnerung an die Daten, Orte und Details ihrer Aussage sowie zu ihrer Vorbereitung auf den Prozess. Shemesh wies auf Unstimmigkeiten hin und deutete an, dass ihre Aussage “beeinflusst” (“tainted”) worden sei. Am Freitag soll die Befragung nun fortgesetzt werden.
Staatsanwältin: Fälle folgten einem einheitlichen Muster
Staatsanwältin Julia Bellehumeur hatte zu Prozessbeginn am Donnerstag zunächst die Vorwürfe gegen den Milliardär dargelegt. Sie beschrieb laut kanadischen Medienberichten, dass mehrere Fälle einem einheitlichen Muster folgen würden: So soll Stronach Frauen in eine Wohnung in Toronto mitgenommen, sie dann überwältigt und sexuell missbraucht haben, so Bellehumeur. Die Übergriffe seien ohne Zustimmung der Frauen erfolgt, Stronach habe das “gewusst oder bewusst ignoriert”.
Insgesamt werden laut kanadischen Medien die Anschuldigungen von zwölf Frauen gegen Stronach in Kanada verhandelt, wobei diese in zwei Verfahren gesplittet wurden. Beim Prozess in Toronto werden die Vorwürfe von sieben Frauen behandelt, die übrigen Vorwürfe sollen später im Jahr in Newmarket (Ontario) verhandelt werden. Die Verhandlung in Toronto findet nur vor einer Richterin statt, eine Jury gibt es nicht.
Ursprünglich hätte der Prozess bereits vor mehr als einer Woche starten sollen. Stronachs Anwältin Shemesh hatte jedoch das kanadische Gericht zunächst um Aufschub gebeten, um neue Unterlagen sichten zu können. Wenige Tage später stellte sie einen Antrag auf Aussetzung des Verfahrens, da sie befürchte, dass einige Zeugen von der Staatsanwaltschaft beeinflusst (“coached”) wurden.
Vorwürfe reichen bis in die 70er-Jahre zurück
Gerichtsdokumenten zufolge reichen die Anschuldigungen der versuchten Vergewaltigung gegen Stronach bis ins Jahr 1977 zurück. Weitere Frauen werfen dem Milliardär Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe in den 1980er, 1990er- und frühen 2000er-Jahren vor. Einige Vorfälle ereigneten sich demnach in Toronto, weitere auch in der kanadischen Stadt Aurora, wo Stronachs ehemalige Firma Magna International ihren Hauptsitz hat. Auch im Frühjahr 2023 soll der Milliardär sexuelle Übergriffe gegenüber Frauen verübt haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Stronach, gebürtiger Steirer, hat in Nordamerika den Magna-Konzern aufgebaut, der vor allem in der Auto-Industrie reüssierte. In Österreich wurde der heute 93-Jährige durch sein Sport-Investment im Fußball und Pferdesport sowie als Gründer der kurzzeitig auch im Nationalrat vertretenen Partei Team Stronach einer breiten Öffentlichkeit bekannt.




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