"Ungleichgewicht bei Förderungen" - Südtiroler Hüttenwirte schlagen Alarm

Streit um Millionenförderung für die Dreizinnenhütte

Dienstag, 20. Januar 2026 | 11:24 Uhr

Von: luk

Bozen – Die Fachgruppe „Schutzhütten Südtirol“ im Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV) hat den Beschluss der Landesregierung zur Realisierung der primären Infrastrukturen für die Locatelli-Innerkofler-Hütte (Dreizinnenhütte) unter die Lupe genommen.

“Der Beschluss mag formal korrekt sein”, heißt es in einer Pressemitteilung. “Praktisch wird eine von einem alpinen Verein betriebene umsatzstarke Hütte aber so behandelt, als handle es sich um eine öffentliche Einrichtung.”

Die Fachgruppe „Schutzhütten Südtirol“ fordert deshalb Gleichbehandlung und faire Rahmenbedingungen für alle Schutzhütten am Berg.

Unbestritten sei, dass Investitionen in Sicherheit, Abwasserentsorgung, Energieversorgung und digitale Infrastruktur im hochalpinen Raum notwendig sind. Aus Sicht der Fachgruppe „Schutzhütten Südtirol“ im HGV wirft der konkrete Beschluss jedoch grundlegende Fragen zur Förderlogik auf: “Die umsatzstärkste Schutzhütte erhält für ein Infrastrukturprojekt mit einem Gesamtvolumen von rund vier Millionen Euro eine nahezu vollständige öffentliche Finanzierung.”

Fachgruppe stellt Ungleichgewicht fest

„Die zentrale Frage ist nicht, ob investiert wird, sondern wie“, betont Stefan Perathoner, Vorsitzender Fachgruppe „Schutzhütten Südtirol“. Wenn die umsatzstärkste Schutzhütte eine Förderquote von rund 90 Prozent erhält und weder Vorfinanzierung noch Projektrisiken tragen muss, dann stelle sich zwangsläufig die Frage nach der Gleichbehandlung mit anderen Schutzhütten. Der HGV weist weiters darauf hin, dass private Schutzhüttenbetriebe bei vergleichbaren Investitionen in primäre Infrastrukturen mit deutlich niedrigeren Beiträgen rechnen müssen. “Diese Betriebe sind gezwungen, mitunter Millionenbeträge vorzufinanzieren, Planung und Bau eigenständig zu organisieren und erhebliche wirtschaftliche Risiken zu tragen.” Hier entstehe ein extremes Ungleichgewicht, auf das die Fachgruppe „Schutzhütten Südtirol“ die politischen Vertreter bereits mehrfach aufmerksam gemacht hat.

Förderungen für private Schutzhütten gestrichen

“Die Fachgruppe ‘Schutzhütten Südtirol’ selbst hatte die politischen Entscheidungsträger wiederholt auf die hohen Kosten und die besonderen Herausforderungen bei der Realisierung primärer Infrastrukturen für private Schutzhütten hingewiesen”, so der HGV in einer Aussendung. “Im Jahr 2025 wurde für die privaten Schutzhütten zwar eine leichte Erhöhung der Förderung von primären Infrastrukturen gewährt, aber gleichzeitig andere Förderungen gestrichen. Überhaupt nicht mehr gefördert werden Erweiterungen, was angesichts der Kubaturen, die das Land bei den landeseigenen Schutzhütten selbst errichtet, absolut nicht nachvollziehbar ist”, so der Fachgruppenvorsitzende. Im konkreten Fall werde jedenfalls eine von einem alpinen Verein, der noch dazu nicht aus Südtirol stammt, privat betriebene, umsatzstarke Hütte infrastrukturell so behandelt, als handle es sich um eine klassische öffentliche Einrichtung.

Einheitliche Förderlogik und faire Rahmenbedingungen

“Aus Verbandssicht ist eine einheitliche Förderlogik notwendig: Entweder werden primäre Infrastrukturen im hochalpinen Raum grundsätzlich als öffentliche Aufgabe verstanden, dann braucht es klare, allgemeingültige Kriterien für alle Schutzhütten. Oder sie bleiben Teil der unternehmerischen Verantwortung, mit entsprechenden, einheitlichen Förderinstrumenten”, heißt es weiter.

„Was wir einfordern, sind transparente Regeln und faire Rahmenbedingungen für alle Betreiber – egal ob dies die privaten Schutzhüttenbetreiber oder alpinen Verein sind“, meint Perathoner abschließend in der Presseaussendung.

Bezirk: Bozen

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