Jahrhundertealte Kultur bewahren – ein Kommentar

„Terror-Etiketten auf Wein“ kein Nutzen

Donnerstag, 19. Januar 2023 | 01:39 Uhr

Bozen/Brüssel/Dublin – Das Vorhaben Irlands, Warnetiketten auf Weinflaschen anzubringen, schreckt die großen EU-Weinländer auf.

Seit dem Bekanntwerden, dass die EU Irland erlaubt hat, alle Alkoholprodukte mit Warnhinweisen zu versehen, laufen Italien, Frankreich und Spanien gegen diese Regelung Sturm. Während die Vertreter der europäischen Weinwirtschaft von einem „Angriff auf ihre Länder“ und einer „Kriminalisierung der Weintrinker“ sprechen, erhoffen sich die Iren von den Warnhinweisen, die durch den horrenden Alkoholkonsum hervorgerufene enorme Belastung für die öffentliche Gesundheit zu verringern.

LPA/IDM

Im Streit zwischen dem Für und Wider von Warnetiketten auf Weinflaschen bleibt aber die Frage, ob diese überhaupt etwas bewirken würden, auf der Strecke. Was jedenfalls das Rauchen betrifft, konnten die hässlichen Bilder, die Lungentumore und schwerkranke Patienten zeigen, kaum einen passionierten Raucher dazu bewegen, sein Laster aufzugeben. Vielmehr waren es harte Einschränkungen – in Italien ist in praktisch allen öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten und Lokalen das Rauchen verboten, in der Nähe von Gesundheitseinrichtungen auch im Außenbereich –, die den Rauchern das Qualmen abgewöhnten.

APA/APA (dpa)/Daniel Bockwoldt

In diesem Sinne dürften Warnhinweise auf Weinflaschen kaum dazu dienen, Gefährdete von einer Sucht zu bewahren, sondern „nur“ dazu führen, die schönen Etiketten, die Aufschluss über Herkunft, Traube, Jahrgang und Lage geben, zu verschandeln. Wer sich am Sonntagvormittag „a Glasl Guatn“ gönnt, zum Essen in Maßen ein gutes Tröpfchen genießt oder den Skitag auf der Hütte mit einem „Stamperle“ ausklingen lässt, belastet das Gesundheitswesen genauso wenig wie jene Gelegenheitsraucher, die sich nach einem Arbeitstag „a Feierobendzigrettl“ anzünden.

APA/APA (dpa)/Rolf Haid

Wer den Alkoholmissbrauch bekämpfen will, findet bessere Möglichkeiten, als an Flaschen Warnetiketten zu kleben. Eine Maßnahme wäre, den Ausschank von Alkohol an Minderjährige und bereits Betrunkene besser zu kontrollieren und sehr hart zu bestrafen. Analog dazu könnten auch Trunkenheit in der Öffentlichkeit härter geahndet und Alkoholiker, die dem Gesundheitswesen zur Last fallen, stärker zur Kasse gebeten werden.

IDM/Andergassen

Zuletzt sollten sich die EU-Bürokraten bewusstwerden, dass in gleich mehreren Ländern und Regionen der Wein untrennbarer Teil der Kultur ist. Das Verkosten und Genießen edler Weine und das dazugehörige gesellige Beisammensein sind auch von Südtirol nicht wegzudenken. Es kann nicht sein, dass unter dem Deckmantel der Suchtbekämpfung Weingenießer und eine jahrhundertealte Kultur kriminalisiert werden.

APA/APA (AFP/Getty)/Noam Galai

„Terror-Etiketten auf Wein“ bekämpfen keinen Alkoholmissbrauch, sondern tragen nur dazu bei, Weingenießer ins schiefe Licht zu rücken und eine in Jahrhunderten gewachsene Weinkultur zu schädigen. Möge es den EU-Weinländern Italien, Spanien und Frankreich gelingen, diesem Vorhaben Einhalt zu gebieten!

Von: ka

Bezirk: Bozen

Kommentare

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25 Kommentare auf "„Terror-Etiketten auf Wein“ kein Nutzen"


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Superredner
8 Tage 23 h

Wenn sachliche Information über die objektiv vorhandenen Gefahren
des Alkoholkonsums als “Terror” abgetan werden, zeigt das, wie nötig sie
wären.
Dann einerseits gegen eine (angebliche)
“Kriminalisierung der Trinker” zu wettern und gleichzeitig zu fordern,
diese im Fall von Gesundheitsschäden zur Kasse zu bitten, grenzt an
Schizophrenie.
Außerdem wird hier die Diskussion gezielt
verfälscht, indem ausschließlich über Wein geschrieben wird, während der
irische Vorstoß alle alkoholischen Getränke betrifft.

N. G.
N. G.
Kinig
8 Tage 12 h

Es ist äusserst unfair sich darüber aufzuregen das die Allgemeinheit für gesundheitliche Schäden bei Trinkern oder Rauchern aufzuregen denn hier würde der Platz nicht reichen wofür man alles Geld ausgeben muss, was nicht sein müsste. Dieses Argumentation ist sowas von unterirdischen, dass mehr nicht geht. Das beste Beispiel das ich dir gebe ist “dick sein”. Auf der einen Seite soll man dicke Menschen nicht diskriminieren und auf der anderen zahlen wir auch für sie.
Was in alker Welt willst du alles verbieten wenn man so anfängt. Der Mensch lebt nun mal mit all seinen Lastern!

Paladin
Paladin
Superredner
8 Tage 8 h

@info: Dann müssten wir auf 90% der Lebensmitel diese Hinweise aufbringen. Es geht auch nicht um “sachliche Informationen” Die gibt es bereits jetzt auf alkoholischen Getränken (übrigens im Gegensatz zu Käse und Milchprodukten, die bei dieser Logik auch über solche Hinweise verfügen müssten!). Die Eigenverantwortung der Menschen wird ohnehin immer weiter runtergesetzt. Man traut den Menschen nichts mehr zu. Auf die Gefahr hinzuweisen, wie es bereits getan wird, ist eine Sache, mit Schockbildern auf Weinflaschen geht man mehrere Schritte zu weit, das ist dann allerdings Schizophren.

Pyrrhon
Pyrrhon
Universalgelehrter
8 Tage 8 h

@N.G, in der alker Welt soll nichts verboten werden sondern nur abgeschreckt..

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Superredner
7 Tage 22 h

Hallo Paladin,
außer der Alkoholgradation und dem Hinweis auf Sulfite gibt es bei Wein meines Wissens keine verpflichtenden Angaben und Hinweise. Hinweise auf Risiken gibt es gelegentlich in Form einer durchgestrichenen Schwangeren am Rücketikett (wohl abhängig davon, in welche Länder das Produkt exportiert wird). Daher verstehe ich die Behauptung, es gebe diese Warnhinweise bereits nicht ganz.
Was Käse/Milch und vor allem hochverarbeitete Lebensmittel anbelangt, gibt es seit langem Vorschläge eine z.B. an Fett- und Zuckergehalt orientierte “Ernährungsampel” einzuführen.
Mir scheint nicht, dass solcherart Eigenverantwortung untergraben wird, eher im Gegenteil, da sich die Eigenverantwortung so an klaren Informationen orientieren kann.

Paladin
Paladin
Superredner
5 Tage 7 h

@info: Gesunder Menschenverstand hilft meist weiter. Die Warnhinweise für Schwangere sollten eigentlich ein Licht aufgehen lassen, zumindest bei dem denkenden Teil der Bevölkerung. Grundsätzliche Informationen sind sicher hilfrteich, dei Frage lautet aber wieviel wir uns und den Menschen an sich zugetraut wird. Ein Komiker hat einmal vorgeschlagen den Warnhinweis auf Putzmitteln zu entfernen, das diese nicht konsumiert werden dürften um den Anteil der (Nach)Denkenden Bevölkerung zu erhöhen, so zusagen nach natürlicher Selektion.

N. G.
N. G.
Kinig
5 Tage 4 h

@info Wer immer noch glaubt der Bürger ist nicht darüber informiert was Alkohol und oder Tabak verursacht, der träumt. Jeder aufgeklärte Mensch weiss darum und diese Form der “Abschreckung” wird inzwischen unter Experten schon lange nicht mehr als förderlich gesehen. Da sitzen in Brüssel Leute auf ihren Stühlen die davon nicht mehr viel Ahnung haben und einfach nur noch was tun, damit was getan wird.

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
5 Tage 14 Min

@Paladin..👏👏 Schwangere, welche für die richtige Ernährung Warnhinweise benötigen, sollten nicht schwanger werden…

info
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Superredner
4 Tage 12 h

@N.G.
Wer glaubt, alle Bürger seien aufgeklärte Menschen, träumt wohl auch.
Dass Information oder auch Warnhinweise nicht automatisch zu einer Verhaltensänderung führen ist schon klar, aber sie leisten einen Beitrag, zu einem bewussteren Umgang. Und auch unbewusst tut sich wahrscheinlich einiges, wenn z.B. bei Tabakwaren das neue Framing “Zahnausfall, Unfruchtbarkeit, Lungenkrebs” lautet und nicht “der Duft der großen Freiheit” aus den (unterdessen aus gutem Grund untersagten) Zigarettenwerbungen.

Doolin
Doolin
Kinig
9 Tage 4 h

…Südtirol kann ruhigen Gewissens weiter saufen…der Terror kommt nicht auf die Flaschen…

Staenkerer
8 Tage 11 h

auf de wein-, schnops- ober ondre alkofloschn von de in de bars aufgschenkt werd kennen se eh mohln und schreibn wos se welln, denn de kriegn de wenigsten gäste de floschn zu sechn und in südtirol werd holt dort am meisten getrunkn! des werd in irlond schun onderst sein, sunscht isch de aktion woll lei für den glosbehalter…

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
8 Tage 11 h

@Doolin….Du enttäuscht mich. Eigentlich kannte ich Dich bis jetzt als Jemand, der differenziert, argumentiert und nicht “sinnlos” pauschaliert. Überall auf der Welt gibt es Menschen, die weder Maß noch Ziel kennen. Das trifft aber nicht gleich auf ganze Völker zu….

Pacha
Pacha
Universalgelehrter
8 Tage 10 h

Niemand stellt sich die Frage warum überhaupt zur Flasche gegriffen wird und ich spreche hier nicht von einem Glas Wein oder Bier, sondern wirklich zu den harten Sachen. Warum sich immer mehr Jugendliche ins Koma saufen, was man mit Wein und Bier ja nicht imstande ist.
Wenn man in die Vereinigten Staaten blickt, wo es schon alle möglichen Einschränkungen und Verbote gibt, sieht man dass zu Hause in den eigenen vier Wänden Unmengen an Alkohol getrunken werden und das belegen die Zahlen der Einkäufe im Supermarkt. Also liegt das Problem wohl irgendwo anders, als im Alkohol der in der Flasche ist.

Neumi
Neumi
Kinig
8 Tage 4 h

Und während über Marhiuana als Einstiegsdroge gewettert wird, gehört ein Bier zum guten Ton und Wein zur Kultur.

Wein ist definitiv NICHT MEINE Kultur, ich kann den Gestank nicht ab.

Paladin
Paladin
Superredner
5 Tage 7 h

@Neumi, deshalb leben wir ja in einer Demokratie. Was DIR nicht gut geht, DARF anderen sehr wohl gut gehen und umgekehrt. Was Kultur(gut) ist und nicht, auch darüber darf man, Demokratie sei Dank, streiten.

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
7 Tage 12 h

Nach diesem Prinzip müsste man auch jedes Auto mit Unfallbildern tapezieren…. und auch jede Tankstellensäule, da Benzin krebserregend ist… und jeden See oder Schwimmbad, weil man ertrinken könnte…

Neumi
Neumi
Kinig
7 Tage 4 h

Ich bin mir sehr sicher, dass der Abschnitt mit den Warnungen bei jedem Auto einen guten Teil des Handbuchs ausmacht.
Bei Tankstellen und auf Benzinkanister gibt es reichlich Gefahrenzeichen. Zwar nicht wegen Krebs, aber genug andere.
Und ja, bei Seen und Schwimmbädern gibt es ebenfalls entweder “Baden verboten” oder “Zutritt auf eigene Gefahr” usw.
Nur halt eben beim Wein nicht.

Staenkerer
6 Tage 10 h

@Neumi @oracle hot oll de medikamente, essensergänzungsmittel und “heil”mittelen vergessn de heitzutog über internet leicht zu kriegn sein und a, do unkontroliert genummen, zu schadne füren kennen, a bekonnte wor wegn zu longen, zu hohen einnehmens von a vitamine a woch in kronkenhaus!
ober zu dein kommentar soviel, es müßte also a reichen wenn auf alkofloschn und in bars, gosthäuser groß und guat sichtbor gschriebn werd:
alkohol trinken auf eigene gefahr! …oder?
ba de schwimmbäder reicht jo a ….. gell ….

Neumi
Neumi
Kinig
6 Tage 2 h

@Staenkerer Ja, das wäre ein Anfang, aber noch nicht mal das steht.

(wobei ich Schwimmbäder und bewusstseinsverändernde Drogen jetzt nicht zwingend gleichsetze)

schwejk
schwejk
Grünschnabel
8 Tage 12 h

Vollkommen zutreffender Kommentar! Ich würde mich durch solche Etiketten zwar nicht “kriminalisiert” fühlen, aber bemuttert wie ein Kind. Diese paternalistische Haltung seitens gewisser Bürokraten muss endlich aufhören! Wie im Beitrag richtig gesagt, lassen sich Alkoholiker durch solche Hinweise sowieso nicht abschrecken. Ist eh jeden bekannt, welche Gesundheitsrisiken übermäßiger Alkoholkonsum mit sich bringt. Bin übrigens kein Weingenießer, genieße aber gern ab und zu (ca. –2 x pro Woche) ein gutes Glas Bier.

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
8 Tage 11 h

Diejenigen Staaten, welche durch Tabakwaren, Alkohol und Mineralöl mehrstellige Milliardenbeträge als Steuern einnehmen, sollten ihren Bürgern zuerst einmal erklären, wie sie bei Verboten die entstehenden Einnahmelücken in ihren Haushalten auszugleichen gedenken…

Neumi
Neumi
Kinig
8 Tage 4 h

Das ist ja gerade das Schlimme, das Alkohol als Kultur angesehen wird, während weniger gefährliche Substanzen verteufelt werden.
Aber über Alkohol gibt’s halt jede Menge Lieder.

N. G.
N. G.
Kinig
8 Tage 13 h

Wenn man den Schlussfolgerungen im Kommentar folgen will, Wein trinken mit abschreckenden Etiketten darauf zur Kriminalisierung führen würde, dann frage ich mich ob Raucher demnach schon kriminalisiert wurden. Kriminalisiert obwohl legal vom Staat verkauft? Wird da mit zweierlei Maß gemessen?

Savonarola
7 Tage 11 h

die Iren können es ja so machen wie die Italiener, die ausländische Lebensmittelprodukte mit Informationsetiketten überkleben, und den Rest der EU weitersaufen lassen!

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
5 Tage 4 h

Wenn mich, der durchschnittlich vielleicht 1 Glas Wein in der Woche trinkt, aber seit 40 !! Jahren mit Bier, Wein und Spirituosen handelt, gerne als Alki und/oder Gefahr für die Menschheit bezeichnen will, kann das gerne mit Worten tun, oder einfach jetzt auf 👎drücken….

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