AFI: "Fehlzeiten zeigen mehr an als den Krankenstand"

Trotz Krankheit: Südtiroler dennoch am Arbeitsplatz

Freitag, 13. April 2018 | 12:02 Uhr

Bozen – Im Vergleich der Länder und Branchen fallen krankheitsbedingte Fehlzeiten in der Arbeit unterschiedlich aus. 53 Prozent der Südtiroler Erwerbstätigen haben keinen einzigen krankheitsbedingten Fehltag im Jahr – in Italien sind es 49 Prozent, in Österreich 48 Prozent und in Deutschland 42 Prozent der Beschäftigten. „Im Sinne der Gesundheitsförderung für alle Mitarbeiter und der Arbeitseingliederung von chronisch Kranken sind Fehlzeiten ein aussagekräftiger Indikator für die Qualität der Arbeit“, sagt AFI-Präsidentin Christine Pichler.

Bedeutsame Unterschiede gibt es in den einzelnen Wirtschaftszweigen Südtirols: Im Gastgewerbe haben fast drei Viertel der Beschäftigten keinen einzigen Fehltag angegeben (74 Prozent), in der Landwirtschaft 71 Prozent und im Transport 67 Prozent. Im Bildungswesen haben nur mehr 35 Prozent der Beschäftigten in den zwölf Monaten vor der Befragung krankheitsbedingt nie gefehlt. Die Öffentliche Verwaltung sowie das Gesundheits- und Sozialwesen verzeichnen vergleichsweise hohe Fehlzeiten. acht Prozent der Fehltage wegen Krankheit gehen auf Arbeitsunfälle zurück – ein im gesamtstaatlichen und internationalen Vergleich hoher Wert.

Bei den längeren Krankenständen sind im Europavergleich Österreich und Deutschland führend. Dort ist rund ein Fünftel der Beschäftigten elf Tage und länger pro Jahr krankheitsbedingt abwesend, während es in Südtirol nur zwölf Prozent in dieser Kategorie sind. 50 Prozent der Beschäftigten in Südtirol sind maximal fünf Arbeitstage im Jahr im Krankenstand. Allgemein geben die mitteleuropäischen und skandinavischen Staaten mehr Fehltage an als Staaten, deren Sozialsystem nicht im selben Maße ausgebaut ist.

afi

51 Prozent der Beschäftigten in Südtirol, die eigentlich krank sind, arbeiten trotzdem („Präsentismus“) – dies ist ein Spitzenwert in der Vergleichsgruppe. 16 Prozent der Erwerbstätigen haben sogar sechs Monate und länger andauernde Beschwerden, arbeiten aber normal weiter. Acht Prozent der Fehltage wegen Krankheit gehen auf Arbeitsunfälle zurück – ein im gesamtstaatlichen und internationalen Vergleich hoher Wert.

 

Krankheitstage sind allerdings nicht ausschließlich auf wirkliches Kranksein zurückzuführen, sondern sind eher als Rückzugsverhalten oder als Ausdrucksform für Konflikte zu verstehen, hat die Arbeitspsychologie erkannt. „Dass diese Fehlzeiten dem Betrieb nicht zuträglich sind, ist offenkundig: Arbeit bleibt liegen, Arbeitsabläufe werden gestört, die Kollegen kommen unter Druck, und es kann zu Missstimmung im Team kommen. Es liegt somit im Interesse aller diese Art von Arbeitsabwesenheit möglichst zu verringern“, so der Arbeitspsychologe und AFI-Mitarbeiter Tobias Hölbling.

Genauso sollte es im Interesse des Unternehmens oder der Organisation liegen, genauer auf besonders fleißige Beschäftigte zu achten, welche immer wieder krank zur Arbeit kommen – die sogenannten „Präsentisten“ – denn diese gefährden sich selbst und andere, es steigen Fehlerhäufigkeit und Unfallgefahr. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Präsentismus könnten somit in bestimmten Fällen durchaus höher ausfallen, als wenn sich die betroffenen Personen krankmelden würden, schätzen die AFI-Forscher Werner Pramstrahler und Tobias Hölbling.

Gute Arbeitsbedingungen tragen entscheidend zum Erhalt der Gesundheit und Arbeitsfähigkeit bei. „In diesem Sinn ist die Verringerung von vermeidbaren Fehlzeiten ein Feld, auf dem eine verstärkte Kooperation der Sozialpartner notwendig und sinnvoll ist“, so die AFI-Präsidentin.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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19 Kommentare auf "Trotz Krankheit: Südtiroler dennoch am Arbeitsplatz"


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Calimero
Calimero
Superredner
6 Tage 10 h

Für die meisten Südtiroler gilt, Ich lebe um zu arbeiten.

So sig holt is
So sig holt is
Tratscher
6 Tage 8 h

wor es gonze johr nia kronk nor brauch i a nit kronkenstond gian. A gscheide, ausgewogene Ernährung und Bewegung holtet gsund und man terf holt nit in weihnochtsmorkt inni rennen wenn di holben a grippe hoben

Dublin
Dublin
Kinig
6 Tage 7 h

@Calimero…oder leben um zu arbeiten…

Dublin
Dublin
Kinig
6 Tage 7 h

…arbeiten um uu leben?… 😭

Mastermind
Mastermind
Superredner
6 Tage 5 h

In der heutigen Zeit des Raubtierkapitalismus, ist man halt nur ein Zahnrad, das sich dreht und wenn man nicht mitmacht ,wird man ausgesondert. Arbeit macht einen in Südtirol, durch das Lohndumping nicht mal mehr satt, die meisten nehmen nicht mal mehr wahr, dass das Rundherum auch gleich scheiße ist, sprich das was der Staat zur Verfügung stellt, man fragt sich eigentlich für, was man arbeitet und Steuern zahlt. Deswegen bin ich lieber in die Schweiz und ein Bekannter nach Norwegen, wenn man schon nichts anderes als eine Arbeitsdrohne ist, dann doch noch das Beste daraus machen.

durchdacht
durchdacht
Grünschnabel
6 Tage 10 h

Der Mensch isch koane Maschine. Selche Statistiken sein fürn Hugo!

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
6 Tage 7 h

Warum? Sie zeigt doch ein Fehlverhalten. Sie zeigen, dass Menschen auch arbeiten, wenn sie krank sind, was sie nicht tun sollten. Warum sollte sowas nutzlos sein?

silas1100101
silas1100101
Superredner
6 Tage 8 h

Ich bin gesund und darf auch gesund nicht zur Arbeit gehen weil keine Arbeit im Pustertal ist!!

Miniwahr
Miniwahr
Grünschnabel
6 Tage 6 h

sorry silas aber du plärrst was herum… im pustertal gibs keine arbeit? frag mal im gastgewerbe als hausmeister tuttofare tellerwäscher rasenmähen im kondominium irgendwas wirst du woll können?! …und wollen?

RS
RS
Grünschnabel
6 Tage 7 h

..ich muss auch kranker zur Arbeit gehen! Würde ich daheim bleiben, so würde mir der Lohn gekürzt werden. Leider passiert dies hingegen mit dem Kredit der Wohnung nicht! Übrigens, bin ein Staats – Landesbediensteter, kein Schwarzarbeiter!

monia
monia
Grünschnabel
6 Tage 9 h

AFI hätte in der ehemaligen UDSSR gut gepasst! Aber zum Glück leben wir in einer modernen Welt wo der “Klassenkampf” der Vergangenheit angehört!

Susi
Susi
Grünschnabel
6 Tage 7 h

Do sig mon mol wieder genau wias holt olben isch..die Lait in der Gastronomie und Landwirtschoft puggeln und die Londesungstellten schreiben sich holt kronk… 

harmlos
harmlos
Tratscher
6 Tage 6 h

….jojo,asou bled seimer. Die NUIEN MITORBEITER bleibm wegn a Verkiahlung Derhoam.

Staenkerer
6 Tage 5 h

maaaa … sell geat eh … i kenn a ihre de gsunder dahoam bleibn … und decht olles hobn!

Savonarola
Savonarola
Universalgelehrter
6 Tage 6 h

ich strebe es an, ohne einen einzigen Krankheitstag in Rente zu gehen.

lenzibus
lenzibus
Grünschnabel
6 Tage 8 h

Jo obo alla de in do Privatwiertschoft, die Landesungschtelltn et dozui gezehlt!

kristkindl
kristkindl
Grünschnabel
6 Tage 5 h

Jo jo wia man sigg, die Lehrer hobns streng!

traktor
traktor
Universalgelehrter
6 Tage 4 h

immer wieder sagt frau chefin” das geht schon. nimm diese tabletten dann kannst du arbeiten”

Savonarola
Savonarola
Universalgelehrter
6 Tage 5 h

jo jo, dai, des isch der richtige Artikel, ziags iatz olle iber die Londesungschtelltn her, und nit af die schtootlichn vergessn, wenn es iberhaup in Unterschied kennts.

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